"Little Buddy" (vorn) hat mit dem Pony "Sunny" einen Gefährten gefunden. Arlett und Jörg Herrmann hoffen nun, dass das Geschrei vom und um den Esel verstummt.
Foto: Thomas Fritzsch
Ein Esel sorgt lautstark für Gesprächsstoff in Wolkenstein
Ein Esel auf dem Gelände des künftigen Landwirtschaft-Museum ist nicht zu überhören
Schönbrunn. Ein Esel, ein vierbeiniger, hat dafür gesorgt, dass sich ein Schönbrunner im Wolkensteiner Rathaus beschwert hat. Das Tier verursacht zudem gegenwärtig jede Menge Gesprächsstoff, nicht nur im Ortsteil Schönbrunn, sondern auch in der Stadt Wolkenstein, meint eine Leserin der Bergstadt. Denn der Esel Little Buddy, der auf dem Gelände des schmuck sanierten Ambrossgutes in Schönbrunn sein Zuhause gefunden hat, schreie mitunter kläglich - und offenbar ziemlich laut.
Daran scheiden sich nunmehr die Geister: Der Esel teilt die Einwohner wohl auf in Sympathisanten und in Gegnern der Eselei. Die einen kommen extra ins Ambrossgut, um den lautstarken Schwarzkopf zu begrüßen und bringen dabei Leckerli wie Möhren mit, sagt Jörg Herrmann, der im Ambrossgut die Hofschänke betreibt. Andere ärgern sich über das Geschrei so sehr, dass sie vermutlich in schlaflosen Nächten Beschwerden verfassen.
Es liege aber derzeit schriftlich erst eine Eingabe zum Eselgeschrei im Rathaus vor, war von Evelin Schneider im Ordnungsamt zu erfahren. Der Beschwerdeführer habe jedoch durchblicken lassen, dass weitere Anwohner seine Auffassung teilten. Die Mitarbeiterin habe das Landratsamt zum Fall "Eselgeschrei" konsultiert. Der Beschwerdeführer müsse demnach ein Lärmprotokoll führen, also exakt aufführen, wann genau der Esel wie laut schreit. Danach könnten erst Maßnahmen beraten werden, war im Rathaus weiter zu erfahren.
"Der Esel ist aber ganz lieb. Er beißt nicht, er schlägt nicht aus", versichert Tiereigentümer Jörg Herrmann. "Wir halten doch den Esel nicht auf einem Balkon im Neubaugebiet - da könnte ich Proteste verstehen -, sondern auf einem Feld am Vierseithof." Der Buchholzer Fleischermeister hat den Esel aus dem Kamelgestüt Schellenberg geholt, nicht etwa um daraus Eselswurst herzustellen. Sondern aus Liebe - aus Liebe zu seiner Frau Arlett. "Es war ihr Weihnachtsgeschenk. Sie mag Tiere", erzählt er.
Und beide dachten sofort an das Außengelände des vom Verein sanierten Vierseithofs Ambrossgut als möglichen Standort für den Esel mit dem Namen "Little Buggy". Dort, wo die Herrmanns auch tätig sind, soll ein Museum der Landwirtschaft mit historischen Werkstätten eröffnet werden. Dazu passe der Esel, meint Herrmann. Auch die Mitglieder vom Verein Ambrossgut hätten sich über den Zuwachs gefreut. So richtig verstehen könne man dort die ganze Aufregung nicht. "Wir leben auf dem Land. Mensch und Tier müssen da miteinander auskommen. Und dafür auch Wege suchen", sagt der Vereinsvorsitzende Hans-Jürgen Donner. Ähnlich sieht das Bürgermeister Guntram Petzold: "Es gibt keine sterile Umwelt. Tiergeräusch und ein bestimmter ,Duft' gehören zum Landleben."
Die Mädchen und Jungen in der benachbarten Schönbrunner Kita sind begeistert vom Esel. "Wenn wir ins Gelände des Ambrossgutes gehen, wo wir einen Garten haben, rufen die Kinder immer laut ,Little Buggy'", erzählt die Leiterin Silke Kirsch. Die Steppkes würden sich freuen, wenn das Tier reagiert und Laute von sich gibt.
Die Kinder können sich künftig ebenso über das Pony "Sunny" freuen. Denn das ist der neue Zuwachs aus dem Schellenberger Kamelgestüt. "Sunny" soll nunmehr dafür sorgen, dass das ganze Geschrei vom und um den Esel verstummt. "Ich denke, der Esel hat vor allem einen Gefährten vermisst und gerufen. Mit dem Pony bekam der Esel seinen Partner. Dadurch ist er viel ruhiger geworden", sagt der Betreiber der Hofschänke. Das hätten bereits Stammgäste im Hotel vom Ambrossgut bestätigt. Auch Gaston Pache vom Schellenberger Kamelgestüt meint, dass eine Partnerschaft von Esel und Pony durchaus funktioniere. Das habe er in der Mongolei erlebt. Er verfüge über mehrere Esel, Pferde und Kamele im Kamelgestüt, das sich in Schellenberg mitten im Ort befindet. Aber bei ihm habe sich noch niemand beschwert, dass seine Tiere zu laut wären, sagt der Gestütsinhaber verwundert. Jörg Herrmann hofft, dass nun im doppelten Sinne Ruhe eingekehrt.

