Unbekannte hatten auf den Ruhestätten in Zschopau und Krumhermersdorf etwa 270 Gräber mit einer teerähnlichen Flüssigkeit beschmiert.Foto: Fabian Mattern
Ein wirres Bekennerschreiben, ein Eimer und die Satanisten
Grabschänder in Zschopau: Ermittler finden erste Hinweise - Sektenforscher rätseln über das Motiv der Täter
Zschopau. Pfarrer Johannes Roscher hat Dienstagmorgen zwölf weiße Papierzettel auf Gräbern des Krumhermersdorfer Friedhofes gefunden. Darauf befanden sich kyrillische Schriftzeichen und, in Deutsch, wüste Beschimpfungen gegen eine Zschopauer Familie. Angeblich handle eine Tochter der Familie, die den Zeugen Jehovas angehören soll, mit Drogen. Der Pfarrer rief sofort die Polizei, die auf dem Friedhof in Zschopau die gleichen Zettel in noch größerer Anzahl fand. Heidi Hennig von der Polizeidirektion Chemnitz-Erzgebirge lehnte die Bezeichnung "Bekennerschreiben" allerdings ab. "Das Schreiben ist so wirr, dass ich noch gar nichts dazu sagen will".
Derzeit ermittle die sechsköpfige Fahndungsgruppe "Friedhof" noch in alle Richtungen im Fall der Grabschändungen vom Wochenende. In der Nacht zum Sonntag hatten Unbekannte auf den Ruhestätten in Zschopau und Krumhermersdorf etwa 270 Gräber mit einer teerähnlichen Flüssigkeit beschmiert. Laut Informationen der "Freien Presse" ist inzwischen ein Farbeimer in der Zschopau gefunden worden, der mit der Tat in Zusammenhang stehen könnte. Die Polizei wollte dies nicht bestätigen. Ebenso wenig wie die Beobachtung einer Friedhofsbesucherin, die am Samstagnachmittag "einige dunkle Gestalten" am Zaun des Zschopauer Friedhofes gesehen haben will.
Anwohner und Friedhofsbesucher fühlten sich an den letzten Fall von Störung der Totenruhe im Jahr 2002 erinnert (siehe Kasten) und vermuteten Satanisten hinter der Gräberschändung. Harald Lamprecht, Sektenbeauftragter der evangelisch-lutherischen Landeskirche Sachsens, hält dies jedoch für unwahrscheinlich: "Hier wollte jemand scheinbar so schnell wie möglich so viel Schaden wie möglich anrichten. Nach einer Ritualhandlung mit religiösem Hintergrund, wie sie für Satanisten typisch wäre, sieht das nicht aus." Lamprecht vermutet die Täter eher im Milieu Jugendlicher. "Vielleicht war es eine Mutprobe oder Verzweiflungstat? Grabschändung ist eines der letzten wirklichen Tabus, da ist Aufmerksamkeit garantiert."
Ralf Petermann, Fachreferent für Sekten der Evangelisch-methodistischen Kirche, weist daraufhin, dass für eine Tat mit okkultem Hintergrund auch typische Symbole wie umgekehrte Kreuze, Pentagramme fehlen. "Es ist nicht wahrscheinlich, aber möglich, dass die Täter Satanisten sind". Im Erzgebirge gäbe es eine offene Szene von Teufelsanbetern, die Petermann allerdings "eher als Mitläufer" und unauffällig einstuft.


