Steffen Jarzombek Höchstleistung zu jeder Jahreszeit: Die Anlaufspur Aloslide, mitentwickelt vom Scharfensteiner Unternehmen Brandes Technik GmbH und seinem Geschäftsführer Steffen Jarzombek, kommt auch während der Olympischen Winterspiele 2014 zum Einsatz.

Foto: Thomas Fritzsch

Erzgebirger in Sotschi dabei

Drei Firmen bauten Anlaufspur für beide Schanzen

Scharfenstein. Es ist eine Hightech-Konstruktion, auf der die weltbesten Schanzenpiloten nicht nur in Sotschi gen Schanzentisch rauschen werden. Die Anlaufspur aus weißem Kunststoff und Keramik kann Winter wie Sommer genutzt werden. In der kalten Jahreszeit erzeugt das integrierte Kühlsystem aus der Luftfeuchtigkeit eine Eisschicht. Schnee oder Eis müssen nicht mehr mühevoll in den Anlauf gebracht werden, um die Spur zu präparieren. Im Sommer fließt Wasser auf die Spur und die Springer gleiten auf den in Kautschuk eingebauten Noppen aus Hochleistungskeramik hinab - zu gleichen Bedingungen wie im Winter.

Die Aloslide Ice genannte Konstruktion entwickelten mit der Firma CeramTec-Etec aus der Nähe Kölns drei mittelständische Firmen aus dem Erzgebirge: die Brandes Technik GmbH Scharfenstein, Elektroanlagen Frölich aus Sosa und die Klempnerei Polusik aus Aue. Während in der Burggemeinde die Bauelemente im Sommer 2011 unter Hochdruck zusammengebaut wurden, montierten überwiegend Mitarbeiter der zwei Firmen aus dem Westerzgebirge das Material in Sotschi. Etec übernimmt die Vermarktung der wahrscheinlich modernsten Anlaufspur, die es derzeit gibt.

Bisher verfügen noch nicht viele Schanzen über das ausgeklügelte System - in unzähligen Arbeitsstunden von Köpfen der Region ausgetüftelt. Dahinter stecken nicht nur Mitarbeiter der genannten Firmen, sondern auch einer der erfolgreichsten Skisprungtrainer überhaupt: Joachim Winterlich aus Beierfeld. Der ehemalige Übungsleiter von Deutschlands bestem Schanzenadler Jens Weißflog "muss mit genannt werden, wenn es um die Entwicklung von Aloslide geht. Er hatte die Idee, war ständig in die Entwicklung eingebunden, hat uns mit seiner großen Erfahrung geholfen", so Elektromeister Johannes Frölich.

Auch die Schanze in Klingenthal, die Großschanze im kasachischen Almaty, wo Anfang 2011 die Asienspiele stattfanden, sowie die Kleinschanze K 90 in Oberstdorf verfügen über das System, dem die Zukunft gehören wird. Denn der Internationale Skiverband FIS empfiehlt, alle Schanzenanlagen im Weltcup mit einer Kombi-Eisspur auszurüsten.

Folgerichtig erhalten auch die Schanzen der nächsten Olympischen Winterspiele eine solche Spur. Der Montage im Dezember, zunächst auf der Großschanze, waren jede Menge Arbeit und nervenaufreibende Vorbereitungen in Scharfenstein, Sosa und Aue vorausgegangen. Innerhalb zweier Monate wurden in Scharfenstein die Bauelemente gefertigt, Geschäftsführer Steffen Jarzombek stellte dafür sogar zwei Mitarbeiter ein. "Anfang August ging die Ware raus, einen Monat später sollte Montagebeginn in Sotschi sein", erinnert sich Jarzombek. Im Westerzgebirge wurde etwa Befestigungsmaterial für die Bauteile zusammengeschraubt. 42Kisten in vier Lastkraftwagen traten die abenteuerliche Fahrt nach Sotschi an. Ende Oktober erreichten sie ihr Ziel.

Wenige Tage später flog Johannes Frölich mit einem siebenköpfigen Team zur Montage in das sechs Flugstunden entfernte Sotschi. Und kehrte eine Woche später heim - "ohne einen Handschlag getan zu haben". Die Schanzen waren für den Einbau des Systems nicht bereit. Ende November der zweite Versuch. "Unter einem Zelt, das über den Anlaufturm gespannt war, konnten wir unter äußerst schwierigen Bedingungen arbeiten. Es herrschte Dauerfrost. Zum anderen hatte die Vorweihnachtszeit begonnen, das ist für einen Erzgebirger im Ausland schon schwer auszuhalten", blickte Johannes Frölich zurück. Kurz vor dem dritten Advent, am 7. Dezember, flogen die Erzgebirger nach Fertigstellung und Abnahme heim. Sie müssen jedoch dieses Jahr noch einmal nach Russland kommen, um die Anlaufspur für die kleine Schanze zu montieren. "Die Bauteile lagern schon in Sotschi", sagt der Sosaer.

Die Erzgebirger schauen stolz auf ihre Weltneuheit. "Da steckt viel Herzblut drin", betont Steffen Jarzombek. Für ihn ist Aloslide auch eine Referenz, über die man mit Firmen ins Gespräch kommt, um andere Aufträge zu akquirieren. Am Umsatz 2011 machte der Sotschi-Auftrag fünf Prozent aus. Das ist bei Elektroanlagen Frölich etwas anders. "Wir haben 20 Prozent des Umsatzes damit erwirtschaftet", weiß Johannes Frölich. Wichtiger aber, da sind sich Jarzombek, Frölich und Peter Polusik einig, zeigt Aloslide, was erzgebirgische Betriebe leisten können: "Der Slogan ,Erzgebirge gedacht - gemacht' trifft da zu." Und so kann Richard Freitag, wenn er sich bei Olympia in Sotschi vom Balken abstoßen wird, auf Material zum Schanzentisch rauschen, das in der Heimat erfunden und gebaut wurde.

 
erschienen am 12.01.2012 ( Von Sandra Häfner )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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