Frank Preißler liegt im Solarium der Silbertherme in Warmbad. Das jedoch wird nicht mehr lange möglich sein, denn die Verwaltung plant, die Sonnenbank abzubauen, weil die Auflagen nicht mehr zu erfüllen seien.
Foto: Fabian Mattern
Galgenfrist für die künstliche Sonne
Geringere Strahlung, mehr Beratung - neue Verordnung verschärft Vorschriften für Solarien
Zschopau/Marienberg. Einmal in der Woche legt sich Madlen Hofmann aus Marienberg auf die Sonnenbank. Für 20 Minuten genießt sie die künstliche Strahlung. Die 26-Jährige begrüßt die UV-Schutzverordnung, die seit Anfang des Jahres in Kraft ist: "Das ist richtig, besonders für Leute, die noch nicht so lange ins Sonnenstudio gehen. Aber fast jedes Mal beraten zu werden, wenn man sich drunter legt, ist übertrieben."
Das aber schreibt die Schutzverordnung unter anderem vor. Wer zehn Mal auf der Sonnenbank gelegen hat, muss beim elften Besuch wie ein Neukunde beraten werden - inklusive Hauttypbestimmung, erläutert Dr. Norbert Schmid-Keiner, Vorsitzender des Berufsfachverbandes Solarien und Besonnung. Auch sind die Betreiber verpflichtet, extra geschulte Leute zu beschäftigen, die immer da sein müssen, wenn die Sonnenbänke in Betrieb sind. Für die Geräte gilt zudem ein Strahlenwert, der nicht überschritten werden darf. Bis Mitte des Jahres existieren jedoch noch Übergangsfristen.
Die wollen die Verwaltung der Silber-Therme in Warmbad gar nicht erst abwarten. Zum Sommer soll dort das einzige Solarium abgeschafft werden. "Wir standen ohnehin vor der Entscheidung, ein neues anschaffen zu müssen", begründet Schwimmmeister Frank Thom. "Diese Verordnung hat ihre Berechtigung. Aber wir können den erhöhten Betreuungsaufwand nicht leisten." Das Solarium sei für die Silber-Therme nur ein Nebengeschäft, die Nutzerzahlen seit Jahren rückläufig. "Unser Solarium läuft als Selbstbedienung. Die Vorschrift, dass es nicht von unter 18-Jährigen benutzt werden darf, konnten wir ja noch kontrollieren. Aber wir können niemanden speziell vor das Solarium setzen, der die Kunden informiert."
Das bestätigt Verbandsvorsitzender Dr. Norbert Schmid-Keiner: "Eine Reihe von Studios, besonders die mit Selbstbedienung, wird schließen müssen." Nicht nur, dass die Umrüstung pro Gerät 1000 bis 1500 Euro koste. "Kaum ein Fitnessstudio, Hotel oder Schwimmbad kann sich Fachpersonal leisten, das ständig das Solarium beaufsichtigt."
Hauptgeschäft ist die Bräune dagegen für Corinna Knorr, die in Zschopau ein Sonnenstudio betreibt. Bei ihr ist ein Gerät bereits umgerüstet, die anderen drei sollen folgen. Angesichts der niedrigeren Strahlenwerte fragt sie sich jedoch, "ob die Leute Lust haben, sich für den gleichen Bräunungseffekt vielleicht 20 statt 10 Minuten auf die Bank zu legen." Dennoch begrüßt Corinna Knorr die neuen Vorschriften, will ihr Personal weiterbilden lassen: "Die Entspannung rückt stärker in den Vordergrund. Außerdem ist langsame Bräune besser für die Haut." Dessen ist sich auch Madlen Hofmann bewusst: "Deshalb gehe ich auch nicht so oft. Eine leichte Bräune sieht ja schön aus."
Wer sich dagegen mehrmals in der Woche auf die Sonnenbank legt, verliere schnell den Blick für die Realität, meint Jacqueline Winkler, die sich zweimal im Monat bräunen lässt: "Die Gesundheit sollte im Vordergrund stehen. Deshalb ist es gerade für Menschen, bei denen es schon krankhaft ist, wichtig, dass sie häufiger beraten werden. Die Frage ist, ob sie das überhaupt wollen."
Den neuen Vorschriften stellen will sich Kristin Langer vom Studio Kameleon in Marienberg. Die Sonnenbänke sind bereits umgerüstet. "Wenn die Fortbildungen Pflicht werden, machen wir das eben", sagt die 32-Jährige. Jedoch läuft das Solarium bisher im Selbstbedienungsmodus: ohne Personal, mit Chipkarte beziehungsweise Münzgeld und zum Teil länger geöffnet als der Friseursalon nebenan. Kristin Langer schließt nicht aus, dass sie spätestens ab November die Öffnungszeiten angleicht, damit eine qualifizierte Fachkraft während der Betriebszeiten der Sonnenbänke anwesend ist: "Denn mit extra Personal würde sich das Solarium nicht rechnen."



11:00 Uhr
heinz83064: Hier sind einige Punkte zu korrigieren:
1. Wenn nicht mehr als 2 Solarien an einem Platz betrieben werden, ist nicht die ständige Anwesenheit einer Fachkraft erforderlich. Es reichen auch bestimmte Beratungszeiten (das lässt sich zeitlich organisieren). Wenn alle Kunden, denen die Beratung angeboten wurde, dann eine Chipkarte bekommen, ist sichergestellt, dass nur solche Personen Zugang zum Besonnungsgerät haben. Der Betreiber muss nämlich nur die Beratung anbieten. Der Nutzer ist nicht verpflichtet diese Beratung anzunehmen.
2. Sicher ist ein häufiger Grund für die Besonnung eine attraktive Farbe. Das ist aber nicht die wesentliche Aufgabe eines Solariums. Viel wichtiger ist eine ausreichende Vitamin D-Versorgung. Nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen sind mehr als 60% der Bevölkerung unterversorgt. Die beste und sicherste Form der Vitamin D-Bildung erfolgt durch UV-Bestrahlung der Haut. Insbesondere in der "dunklen Jahreszeit" ist eine ausreichende UV-Bestrahlung durch die natürliche Sonne nicht möglich. Aber auch in der Sommerzeit können viele Menschen -wegen unserer heutigen Lebensumstände- nicht ausreichend "natürliche Sonne tanken".
3. Es gibt keine haltbaren Argumente gegen eine zweimal wöchentliche Solarienbenutzung. Voraussetzung ist natürlich, dass man die Verhaltensregeln befolgt. Zuviel ist des Guten Tod, d.h. Bestrahlungsstärke und Bestrahlungszeit müssen hauttypengerecht eingehalten werden.
Viel Spaß bei g e s u n d e r UV-Bestrahlung!!!