Foto: dapd/Archiv

Hinweise auf Wolfsangriff im Erzgebirge

Zwei Vorfälle deuten darauf hin, dass Wölfe bis in die Chemnitzer Region vorgedrungen sind

Grünhainichen/Chemnitz. In Grünhainichen geschah es in der Nacht zum Samstag. Ein Schaf wurde gerissen. Die Verletzungen deuten auf einen Wolf als Angreifer hin. Das bestätigte Sachsens Wolfsbeauftragter André Klingenberger, der die Verletzungen des Schafs begutachtete. Klingenberger arbeitet im Biosphärenreservat Wolfsregion Lausitz.

Das tote Tier in Grünhainichen hatte Biss-Spuren am Hals. Außerdem gab es ein Hämatom, das belegte, dass dem trächtigen Muttertier der Biss zu Lebzeiten beigebracht worden war. "So greift kein Hund an, die treiben Schafe vor sich her und packen sie von hinten", bestätigt auch Matthias Seidel. Der Landwirt, der am Samstagfrüh den Verlust eines der 37 Schafe auf seiner Weide beklagte, kennt sich aus. Vor fünf Jahren hatten streunende Hunde bei ihm gewütet und die über Stunden gehetzte Schafherde völlig verstört hinterlassen. Der Angreifer in der Nacht zum Samstag schlug dagegen gezielt und präzise zu - so wie ein Wolf. "Ein Wolf beißt sich im Hals seiner Beute fest, drückt ihr so die Luft ab und reißt sie zu Boden", erklärt Klingenberger. Insofern spreche vieles für einen Wolfsangriff. Aber nicht alles: Der nächtliche Jäger verspeiste die Beute gleich am Ort teilweise, statt sie an den nahen Waldrand zu schleifen, was wolfstypisch gewesen wäre. Auf jeden Fall wurde dem Landwirt bestätigt, dass er Entschädigung für einen Wolfsangriff beantragen kann.

20 Kilometer weiter westlich, an der östlichen Chemnitzer Stadtgrenze, sah am Dienstagfrüh "Freie Presse"-Zusteller Gerd Brunner ein Tier, in dem er ebenfalls "eindeutig einen Wolf" ausmachte. "Bei meiner Runde am Reichenhainer Mühlberg gegen 3 Uhr früh stand er sechs Meter vor meinem Auto, so groß wie ein Schäferhund, aber weiß im Gesicht und grau am Körper", erzählt er. Das Tier sei im Wohngebiet herumgeirrt und auf ihn zugelaufen, als er auszusteigen versuchte. Die hinzugerufene Polizei, die das Tier später suchte, konnte es jedoch nicht mehr finden.

Dass es einen Wolf aus der Lausitz bis nach Grünhainichen oder gar Chemnitz verschlägt, sei denkbar, urteilt der Wolfsbeauftragte Klingenberger. Zum einen setzten sich in dieser Jahreszeit heranwachsende Jungwölfe vom Rudel ab und suchten eigene Reviere. Zum anderen seien Wölfe ausdauernde Läufer, die sogar innerhalb ihres Territoriums bis zu 60 Kilometer pro Nacht zurücklegen. Das hätten Untersuchungen bewiesen. Ein abwandernder Wolf könne es sogar auf 100 Kilometer bringen.

Während Klingenberger beim Vorfall in Grünhainichen durchaus einen Wolf als Täter für möglich hält, ist er bei der Chemnitzer Sichtung eher skeptisch. "Ein Wolf läuft nicht auf Menschen zu, sondern flüchtet", sagt er. Es gebe nur 60 bis 70 Wölfe in Sachsen, aber ein Vielfaches dessen an Hunden. "Und neben dem Schäferhund sind auch viele andere Rassen dabei, die man mit einem Wolf verwechseln kann", sagt Klingenberger. Er betont aber auch: "Wir müssen uns darauf einstellen, dass sich der Wolf in Sachsen weiter ausbreitet."

 
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Hinweise auf Wolfsangriff im Erzgebirge
Wolfsrudel in Sachsen
 
erschienen am 14.12.2011 ( Von Jens Eumann )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
2
(Anmeldung erforderlich)
  • 14.12.2011
    16:02 Uhr

    Registrierter: Mich interessiert in diesem Zusammenhang die Hundebeißstatistik, aber da macht niemand so eine sinnlose Panik.

    http://www.hundegesetze.de/down/Auskunft_Sachsen.pdf

    0 2
     
  • 14.12.2011
    13:05 Uhr

    wundesknie: durch jedes verkehrsmittel werden in sachsen und weit darüber hinaus jährlich hunderte tiere getötet. es gehört wild als auch haustier dazu. aber wenn ein wolf , oder was manche davon halten sich etwas zu beißen holt wird gleich terror gemacht. he die welt ist nicht nur für in handy labernte besitzer oder kraftstoffverbrennente autofahrer da. jedes lebewesen hat ein recht hier zu sein. andere länder leben ohne solch knatsch seit je mit den viechern zusammen, und es geht. aber hier wird ja schon ein igel als bestie angesehen, denn mansche benutzen sogar ihr auto um den monster das leben zu nehmen, und wenn sie zick zack fahren, und einen zusammenstoß mit den gegenüber riskiren .PS. ich finde kampfhunde sind bei weitem schlimmer, aber die sind halt gewollt. und wenn es die grundform nicht gegeben hätte würde auch kein hund hier sein dasein fristen. also wolf sei dank !!!

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