Rudi Seifert und seine Kollegen vom ZWA Hainichen haben an diesem Behälter 18 Lecks notdürftig mit Schrauben verschlossen. Weitere 24 Roststellen können jederzeit aufbrechen.
Foto: Thomas Fritzsch
Klärwerke rosten: Verband muss blechen
Leck im Stahlblechbehälter der Kläranlage in Drebach - Neubau kostet bis zu 900.000 Euro
Drebach. Mehrere Millionen Euro wird der Zweckverband Wasserversorgung/Abwasserentsorgung "Mittleres Erzgebirgsvorland" Hainichen (ZWA) in den kommenden Jahren ausgeben müssen, um seine Anlagen im Zschopauer Raum auf Vordermann zu bringen. Die größte Investition in diesem Jahr betrifft Drebach. Für den Neubau des für 3600 sogenannte Einwohnerwerte ausgelegten Klärwerkes an der Ortsverbindung zwischen der Krokusgemeinde und Scharfenstein rechnet der Technische Geschäftsführer Ulrich Pötzsch mit Kosten in Höhe von 700.000 bis 900.000 Euro.
Die neuen Beton-Klärbecken will der Zweckverband innerhalb von zwei Jahren neben den alten Behältern installieren. Letztere waren zwar erst 1998 fertig gestellt worden, haben aber offenbar nicht das gehalten, was sie versprachen. Pötzsch zufolge kamen damals beim Bau des knapp drei Millionen D-Mark teuren Klärwerkes preiswerte Stahlblechbehälter mit Emaille-Beschichtung zum Einsatz, die heute zum Teil durchgerostet sind. In der Vergangenheit habe es mehrere Lecks gegeben, aus denen das Abwasser fingerstark floss.
"Laut Hersteller sollte die alte Kläranlage mindestens 30 Jahre halten. Nun ist schon nach 13 Jahren Schluss", zeigt sich Ulrich Pötzsch enttäuscht. Haftbar könne der ZWA niemand mehr machen, da der Hersteller 1998 in Konkurs ging und der alte Verband weder eine Gewährleistungsbürgschaft noch einen Sicherheitseinbehalt vereinbart habe. Der ZWA hatte die Anlage 1997 im Zuge des Beitritts des Abwasserzweckverbandes "Rund um Zschopau" übernommen. In Drebach entstand damals das erste zentrale Abwasserentsorgungssystem nach der Wende im früheren Verbandsgebiet. Im Herbst 1990 hatte der Gemeinderat die Weichen dafür gestellt. In den folgenden Jahren flossen in den Sammlerbau und die Errichtung des Klärwerkes fast 16 Millionen D-Mark - 9,5 Millionen davon als Fördermittel.
Eine Abwasserdruckleitung will der ZWA in diesem Jahr von Krumhermersdorf nach Waldkirchen verlegen. Kostenumfang: etwa 750.000 Euro. Denn in Unterwaldkirchen soll 2014 für eine knappe Million Euro ein neues Klärwerk in Betrieb gehen, in das dann sowohl Waldkirchener als auch Einwohner aus dem unteren Teil Krumhermersdorfs Abwässer einleiten. Der ZWA geht von etwa 1200 Einwohnern aus. Der Neubau soll die 1993 errichteten und heute verschlissenen Container-Klärwerke am Hölzel in Krumhermersdorf sowie in Unterwaldkirchen ablösen.
Ein weiteres Sorgenkind hat der Zweckverband in Dittmannsdorf stehen. Die desolate Kläranlage - Baujahr 1994 - soll bis 2015 erneuert werden. Doch auch dieses Jahr will der ZWA in den Gornauer Ortsteil investieren. Im Zuge des weiteren Ausbaues der B 180 sind für einen neuen Kanal 250.000 Euro geplant.
Offen ist nach den Worten des Geschäftsführers die Frage, ob der ZWA in Dittersdorf ein eigenes Klärwerk bauen wird oder die Abwasserbehandlung weiterhin bei den Stadtwerken Chemnitz erfolgt. Der frühere Zweckverband "Rund um Zschopau" hatte vor der Eingliederung in den ZWA dazu einen Vertrag abgeschlossen. Die Kosten für die Abwasserbehandlung in Chemnitz sind Pötzsch zufolge derzeit wesentlich höher als die Einnahmen.


