Sportstättenwart Jan Müller vom Bauhof hat am Dienstag auf dem Fußballplatz in der Zschopauer Sandgrube für Ordnung gesorgt. Im Sommer müsse der Rasen aller zwei Tage gemäht werden, was vier Stunden Zeit pro Platz erfordere.
Foto: Thomas Fritzsch
Landtagsabgeordneter spricht sich für Kunstrasenplatzbau aus
Zschopauer Stadtrat hat das Vorhaben zugunsten des Freibads aus dem Haushalt gestrichen
Zschopau. Wenn der Zschopauer Stadtrat am 11.Januar erneut über den Haushalt abstimmt, wird der Bau eines Kunstrasenplatzes keine Rolle mehr spielen. Den hatte der Rat in seiner Dezember-Sitzung auf Antrag der CDU-Fraktion zugunsten der Freibad-Umgestaltung aus den Investitionsvorhaben streichen lassen. Ein Fehler, bedauert der Grünhainichener Landtagsabgeordnete Günther Schneider: "Der Kunstrasenplatz sollte gebaut werden, egal ob in Zschopau oder Krumhermersdorf." Doch für die Fraktionsvorsitzenden des Zschopauer Stadtrates ist dieses Vorhaben kein Thema mehr.
"Bei mir als Landespolitiker wird immer wieder Engagement für die Jugend angemahnt. Dass diese Chance zur Jugendförderung nicht genutzt wird, kann ich nicht nachvollziehen", sagt Günther Schneider. In Hinblick auf die anstehende Fusion der beiden Fußballclubs BSG Motor Zschopau und FSV Krumhermersdorf spricht er von einer "unglücklichen Entscheidung": "Beide Vereine leisten eine hervorragende Jugendarbeit. Was gibt es Besseres, als Kinder und Jugendliche beispielsweise mit modernen Sportanlagen von der Straße zu holen? Ich appelliere an die Vernunft der politisch Verantwortlichen, ihre Entscheidung zu überdenken und die zur Debatte stehenden Vorhaben nochmals abzuwägen."
Wirtschaftliche Vorteile
Beide Sportvereine haben zusammen rund 270 Mitglieder, darunter reichlich 100 Nachwuchs-Fußballer, die in sieben Spielgemeinschaften aktiv sind. Sie verfügen über jeweils zwei Männer-Mannschaften, dazu kommen in Krumhermersdorf ein Freizeit- und ein Altherren-Team. Auf dem Zschopauer Fußballplatz spielen und trainieren zudem noch fünf weitere Hobby-Mannschaften.
Der Christdemokrat führt zudem die rund 30-prozentige Förderung des 780.000 Euro teuren Vorhabens ins Feld: "Aus den Mehreinnahmen des Freistaats würde über die Sächsische Aufbaubank eine Förderung bis zu 280.000 Euro fließen. Zudem würden sich meiner Kenntnis nach die Kosten für die Bewirtschaftung des ganzjährig nutzbaren Platzes auf ein Drittel reduzieren. Entsteht er in Krumhermersdorf, könnte auch das Areal des Hartplatzes verkauft werden." Und er bekräftigt: "Ich werde persönlich nicht locker lassen, dass der Kunstrasenplatz gebaut wird."
Meinungsbildung abgeschlossen
Das sehen die Fraktionsvorsitzenden im Zschopauer Stadtrat offensichtlich anders. "Die Sache ist gegessen. Das müssen wir nicht noch einmal diskutieren", verwies Heide Uhlig (CDU) am Dienstag auf die im Vorfeld der Entscheidung gelaufene Abstimmung unter den Christdemokraten: "Da waren die Verhältnisse klar. Der Großteil ist gegen den Kunstrasenplatz." Auch bei den Linken ist kein Meinungsumschwung in Sicht. "Solange keine Mittel für das Freibad vorhanden sind, brauchen wir auch über den Kunstrasenplatz nicht reden", bekräftigte Jürgen Hetzner. "Herr Schneider sollte sich lieber für eine Förderung für das von den Bürgern errichtete Freibad einsetzen. Wir haben in Zschopau und Krumhermersdorf fünf Fußballplätze. Die reichen aus."
"Nach Aussage des Oberbürgermeisters ist beim Wiederaufbau des Fußballplatzes in der Sandgrube nach dem Hochwasser 2002 aus Kostengründen auf einen Kunstrasenplatz verzichtet worden. Seither hat sich die Haushaltssituation in Zschopau nicht verbessert. So lange die Stadt kein Geld hat, brauchen wir auch keinen neuen Beschluss", positionierte sich Frieder Meyer. Der BFW-Vorsitzende monierte zudem, dass das Vorhaben nicht in einem Ausschuss vorberaten wurde: "Das sollten größere Investitionen generell. Statt dessen fallen die Ausschüsse mangels Beratungsbedarf oft aus."
Wiederaufnahme möglich
Eine Wiederaufnahme des Kunstrasenplatzes in den Haushalt sei bei Vorlage eines entsprechenden Antrages durchaus möglich, legte am Dienstag Rüdiger Hahne, Referatsleiter der Kommunalaufsicht des Landratsamtes Erzgebirgskreis, auf Anfrage dar: "Wenn sich die Sach- und Rechtslage geändert hat, beispielsweise Änderungen in anderen Haushaltspositionen vorliegen oder andere Möglichkeiten der Finanzierung gefunden werden. Da der ohnehin komplexe Etat jedoch in Einnahmen und Ausgaben ausgeglichen sein muss, dürfte dann eine Beschlussfassung in kurzer Zeit schwierig sein." (mit anr)


