Im Herbst stand das Getreidelager noch im Borstendorfer Ortsteil Floßmühle. Im Herbst stand das Getreidelager noch im Borstendorfer Ortsteil Floßmühle.

Foto: Thomas Fritzsch

Nach Fabrikabriss in Borstendorfer Ortsteil Floßmühle sprießt das erste Grün

Wo einst Ruinen ein Ausflugziel verschandelten, erhält die Natur wieder Platz

Floßmühle. Es wird schwer - ja, es könnte sogar eng werden, den Termin für den Abschluss aller Arbeiten bis Ende August zu halten, sagte Eckhard Börner, Vorsitzender des Verwaltungsverbandes "Wildenstein", nach einer Bauberatung im Ortsteil Floßmühle. Denn am 31. August endet der Fördermittel-Bewilligungszeitraum für den Abriss des Gebäudekomplexes der früheren Papierfabrik und des ehemaligen Getreidelagers.

Reichlich 740.000 Euro, das sind rund 90 Prozent der Rückbaukosten, wurden dafür aus dem Förderprogramm des Freistaates zur Revitalisierung von Brachflächen finanziert. Die restlichen zehn Prozent hat die Gemeinde als Eigenmittel aufgebracht.

Bis Ende August ist noch einiges zu meistern: etwa ein Stück Straße wieder zu errichten. Vor allem aber muss das unterirdische Kanalsystem, auf dem sich die Ruinen befanden, abgedichtet und abgedeckt werden. Zwischen dieser Fläche und der Straße sind zudem noch Winkelstützelemente als Begrenzung zu setzen. Diese sollen verhindern, dass das Areal mit den Kanälen unter dem Betonboden betreten oder befahren wird. Zu renaturieren ist ebenso der Hang zu den Bahngleisen.

Wenn auch viel zu tun bleibt, kommt jedoch jeder Spaziergänger, der einige Monate nicht im Ortsteil Floßmühle war, aus dem Staunen nicht heraus. Mehrere völlig verfallene Gebäude rechts und links der schmalen Straße sind inzwischen verschwunden. Auf einer größeren Fläche sprießt schon Gras. In der Mitte ist ein von Mauern begrenzter Kanal aufwändig freigelegt worden. Das Areal vermittelt den Eindruck einer grünen Idylle. "Ja, das entspricht gut dem Naturschutz", freut sich Börner.

Die Gebäude sind inzwischen abgerissen. Der Kanal links wurde aufwändig freigelegt. Die Gebäude sind inzwischen abgerissen. Der Kanal links wurde aufwändig freigelegt.

Foto: Thomas Fritzsch

Allein bei dieser einen Abbruchmaßnahme wurden acht Gebäude abgerissen. Etwa 12.500 Tonnen Schutt galt es wegzuschaffen, erklärt Mario Ihle, Geschäftsführer des Abrissunternehmens M. Günther & Co. GmbH Burgstädt. Die einzige mit Altlasten kontaminierte Stelle war eine frühere Teerverladung. Diese sei unter Aufsicht eines Fachbüros und des Umweltamtes beseitigt worden, sagt Baubetreuer Ingolf Primm von der Westsächsischen Gesellschaft für Stadterneuerung mbH.

Doch die eigentliche Schwierigkeit bei dem Abbruch liegt bei den unterirdischen Kanälen und Gräben, die dem Nutzer der Wasserkraft gehören, dessen Turbinenhaus auch weiter Strom produziert, erläutern Börner und Primm. Das hat allen Beteiligten viel Kopfzerbrechen bereitet. Nur ein Teil des Kanals konnte freigelegt werden. Eine größere Fläche mit einem wahren System von Gräben, auf dem die Betondecke in unterschiedlicher Höhe liegt, bleibt zugedeckt. Dafür galt es, zukunftsträchtige Lösungen zu finden.

Nunmehr wird die Fläche mit einer Folie abgedichtet und mit einer dünner Erdschicht abgedeckt. Das sei in guter Zusammenarbeit mit der Landesdirektion erfolgt, hebt Börner hervor. Dadurch war es möglich, den Bewilligungszeitraum zu verlängern. Zusätzlich zum Abriss des Komplexes Getreidelager gelang es der Gemeinde, die Förderbescheide für den Abriss von weiteren Indu- striebrachen in dem Ortsteil zu erhalten: Verschwunden ist schon ein leer stehendes Gebäude des Unternehmens Erzi. Dort wurde schon neue Erde aufgebracht und Gras gesät. Auch zwei Gebäude von ehemals Utz & Sachs stehen inzwischen nicht mehr.

 
erschienen am 13.07.2012 ( Von Gudrun Müller )
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