Nachfrage nach Raps kaum zu decken
Ölfrucht lässt sich wegen Bedarfs als Rohstoff für erneuerbare Energien so gut wie noch nie verkaufen
Zschopau. Der Anbau von Raps scheint sich für Landwirte im Erzgebirge zu einem einträglichen Geschäft zu entwickeln. In den Boden kommt vor allem Winterraps, der im Frühsommer geerntet wird. "Vor fünf Jahren lag der Preis je Dezitonne bei 20 bis 25 Euro, dieses Jahr könnte er sogar die 50-Euro-Marke knacken", sagt Werner Bergelt. Wegen der Frühjahrstrockenheit sei keine Rekordernte zu erwarten. Deshalb werde sich auch der Rapspreis keinesfalls nach unten bewegen, erklärt der Geschäftsführer des Regionalbauernverbandes Erzgebirge.
Außer Zweifel steht für ihn, dass die Ölfrucht auch künftig am Markt ein gefragtes Produkt sein wird. Denn Raps gewinnt neben dem Ernährungssektor als Alternative zu fossilen Brennstoffen weiter an Bedeutung. Bergelt: "Die Agrargenossenschaften sprechen mit den Händlern die Sorten ab. Wofür die Ölfrucht eingesetzt wird, entscheiden die Händler selbst. Die Nachfrage auf dem Energiesektor steigt jedenfalls kontinuierlich und ist kaum zu decken."
Dennoch können die Bauern den Rapsanbau nicht unbegrenzt ausdehnen. In den zurückliegenden Jahren hat sich die Anbaufläche im Erzgebirgskreis kaum verändert. Das belegen die Zahlen aus dem Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. Im Jahr 2008 wurde im Landkreis auf 4886 Hektar Raps geerntet, sagt Uta Frey, Leiterin der Außenstelle Zwönitz. 2011 waren es 4237 Hektar, dieses Jahr sind es hoch gerechnet 4348. Das entspricht annähernd zwölf Prozent des im Kreis bewirtschafteten Ackerlandes.
Drei bis vier Jahre Anbaupause
Die Zahl deckt sich mit den Erfahrungen von Werner Bergelt: "Die Rapsanbaugrößen differieren in den einzelnen Betrieben und liegen meist zwischen 8 und 17 Prozent." Das hängt in erster Linie mit der Fruchtfolge zusammen. Bei Raps gilt es laut Bergelt eine Anbaupause von drei bis vier Jahren einzuhalten. Ansonsten wachse die Gefahr, dass Pflanzenkrankheiten auftreten.
Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zur Ertragssteigerung bleibt wegen der Wirkung auf Nützlinge wie die Honigbiene ohnehin umstritten. Die Agrargenossenschaft Weißbach etwa propagiert einen zurückhaltenden Einsatz. "Wir spritzen nur dann, wenn es unbedingt nötig ist", sagt Sieghard Uhlich. Seit einem Jahr leitet er als Geschäftsführer die Geschicke des Landwirtschaftsbetriebes und ist gleichzeitig Vorsitzender des Imkervereins Zschopau und Umgebung.
Uhlich könne zwar verstehen, dass Imker schnell die Schuld bei Landwirten suchen, die ihre Felder mit Pflanzenschutzmitteln behandeln. Denn die stehen immer zuerst im Fokus der Öffentlichkeit, wenn Bienen bedroht sind. Aber gerade deswegen kann es sich nach Ansicht des Geschäftsführers kein Landwirt mehr leisten, andere als die zugelassenen Mittel anzuwenden: "Die sind alle bienenverträglich, wenn sie sach- und fachgerecht eingesetzt werden." Eine viel größere Gefahr für Bienen geht in seinen Augen von Kleingärtnern aus, die Pflanzenschutzmittel unsachgemäß anwenden. Weil ihnen keiner auf die Finger schaut, werde nicht selten nach dem Grundsatz "Viel hilft viel" verfahren. Ganz ohne Chemie geht es indes auch bei den Profis nicht. "Ohne Spritzerei können wir als Landwirtschaftsbetrieb nicht existieren. Zum Beispiel ist es nicht möglich, dem Rapsglanzkäfer mit biologischen Mitteln Herr zu werden", sagt Uhlich. Die Agrargenossenschaft Weißbach hat dieses Jahr 60 Hektar Raps angebaut. Das entspricht einschließlich Grünland 8,5 Prozent der bewirtschafteten Fläche.
Richtige Fruchtfolge wichtig
Pflanzenschutzmittel können lediglich den Ertrag stabilisieren, jedoch nicht steigern, meint Pflanzenschutzagronomin Anette Nebe von der Bauernland Agrar AG. Wichtig für einen stabilen Bestand seien die richtige Fruchtfolge, ein ordentliches Saatbett und der richtige Saattermin. Auf 550 Hektar Ackerland des in Großolbersdorf ansässigen Unternehmens hat dieses Jahr der Raps geblüht. (mit ar)

