Vor seiner heimischen Schrankwand mit vielen alten Skisprung-Pokalen präsentiert Axel Jungk stolz die Trophäe, die er für seinen Sieg bei der Junioren-Weltmeisterschaft in Österreich erhalten hat.
Vor seiner heimischen Schrankwand mit vielen alten Skisprung-Pokalen präsentiert Axel Jungk stolz die Trophäe, die er für seinen Sieg bei der Junioren-Weltmeisterschaft in Österreich erhalten hat.

Foto: Andreas Bauer

Quereinsteiger lässt im Eiskanal den Rest der Welt hinter sich

Axel Jungk aus Hohndorf hat sich bei der Junioren-Weltmeisterschaft im Skeleton den Titel geholt

Hohndorf. Würde Großolbersdorf über ein Goldenes Buch verfügen, wäre Axel Jungk ein Eintrag sicher. Schließlich verfügt die Gemeinde mit ihm seit der Vorwoche über einen Junioren-Weltmeister. Der 20-Jährige aus dem Ortsteil Hohndorf hat sich bei den Titelkämpfen der Skeleton-Fahrer in Österreich Platz 1 gesichert. Den Kopf voran und auf dem Bauch liegend, war er mit seinem Rodelschlitten im Eiskanal von Innsbruck-Igls der Schnellste.

Mit seinem Erfolg empfahl sich der Erzgebirger für mehr. Zum Beispiel für die Weltmeisterschaft der Herren Mitte Februar im amerikanischen Lake Placid, deren Qualifikationsnorm Jungk mit seinem Sieg erfüllt hat. Aber er erhofft sich damit auch gute berufliche Chancen. "Ich strebe eine Ausbildung bei der Bundespolizei an", erklärt der 13.-Klässler von der Eliteschule des Sports in Altenberg. In dieser Woche will er seine Bewerbungsunterlagen abgeben: "In der Sportfördergruppe kann ein WM-Titel ja nicht schaden."

Unverhoffter Anruf ändert alles

Als Kind wollte Axel Jungk gern Architekt werden. In gewisser Weise hat er dieses Vorhaben auch in die Tat umgesetzt. Allerdings treibt er nicht den Bau von Gebäuden voran, sondern eine sportliche Karriere, die ihresgleichen sucht. Immerhin wusste der heutige Junioren-Weltmeister vor vier Jahren noch nicht einmal, was Skeleton ist. Damals war er ein Nachwuchsskispringer, der vor dem Scheitern stand. Erfolge auf regionaler Ebene hatten ihn an die Sportschule nach Oberwiesenthal gebracht. "Aber dann bin ich 15 Zentimeter in einem Jahr gewachsen. Vieles passte nicht mehr, und die Ergebnisse erst recht nicht", erinnert sich der Hobby-Fußballer.

Weil ihn seine beiden ebenfalls aktiven älteren Brüder Robert und Felix schon mit vier Jahren auf die Schanze mitgenommen hatten, "war Skispringen eigentlich immer noch die Nummer 1". Trotz einer gewissen Skepsis fuhr er aber zum Skeleton-Probetraining, als eines Tages ein Trainer aus Altenberg anrief und nach Kandidaten für eine neue Trainingsgruppe suchte: "Immerhin konnte ich mit dem Sportartenwechsel mein Abitur verbinden."


Mit dem Kopf vornweg kommt der Skeleton-Fahrer aus Hohndorf im Eiskanal auf eine Geschwindigkeit von bis zu 133 km/h.
Mit dem Kopf vornweg kommt der Skeleton-Fahrer aus Hohndorf im Eiskanal auf eine Geschwindigkeit von bis zu 133 km/h.

Foto: PF

Adrenalin-Kick ist unverzichtbar

Der Mann am Telefon ist zum engen Vertrauten, zum Entdecker und Förderer von Axel Jungk geworden. Nico Scheler, selbst ehemaliger Bobfahrer, konnte den Hohndorfer sofort fürs Skeleton begeistern, zumal dieser als Skispringer in Sachen Schnellkraft und Risikobereitschaft optimale Voraussetzungen mitbrachte. "Gleich die erste Fahrt war ein schöner Nervenkitzel", so Jungk. Der Geschwindigkeit und dem Streben nach Perfektion, wenn Tausendstelsekunden entscheiden, konnte er nicht widerstehen.

Der einstige Skeleton-Laie erwies sich rasch als Experte. In seiner ersten Saison gewann der Starter des Bob Racing Clubs Riesa den Deutschen Junioren-Cup, im Jahr darauf wurde er deutscher Vizemeister. Seit 2010 gehört er zur Junioren-Nationalmannschaft. Weil er genau weiß, wie man am Start Tempo aufnimmt und auf der Strecke mit leichtem Kniedruck auf den Schlittenrahmen die Kurve kriegt. Aufgrund eines vierfachen Bänderrisses im Fuß vor zehn Monaten stand die aktuelle Saison unter keinem guten Stern, doch in Innsbruck gelang dem Erzgebirger der große Wurf.

Mit bis zu 133,6 km/h - seiner bisherigen Höchstgeschwindigkeit, gemessen in St. Moritz - will Jungk bald auch im Weltcup angreifen. Sein großes Ziel ist Olympia 2014 in Sotschi. Doch dafür muss er hart kämpfen - gegen die starke deutsche Konkurrenz und um die Unterstützung von Sponsoren. Denn im für die Medien immer noch unpopulären, wenn auch spektakulären Skeleton müssen die Aktiven für die Ausrüstung sogar eine Kufengebühr an ihren Verband zahlen. Jungk ist das egal: "Ich brauche diesen Adrenalin-Kick einfach."

 
erschienen am 31.01.2012 ( Von Andreas Bauer )
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