Die Villa Rasmussen wird im Internet angeboten. Um 1917 herum entstand der anspruchsvolle Bau im traditionalistischen Stil, vermutlich nach dem Entwurf des Chemnitzer Architekten Willy Schönefeld. Er errichtete in Chemnitz auch das Camman-Hochhaus und die Astra-Werke.
Foto: Thomas Fritzsch
Rasmussen-Villa in Zschopau steht zum Verkauf
Sächsisches Kulturdenkmal wird für 99.000 Euro angeboten
Zschopau. "Verwunschenes Schloss sucht neue Bestimmung" - so wird derzeit ein Zschopauer Gebäude von Immobilienportalen angeboten. In der Offerte wird zwar bei der Vorstellung von Zschopau auf Jörgen Skafte Rasmussen, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts das DKW-Werk gründete, verwiesen. Aber nicht, dass es seine Villa ist, die da zum Verkauf steht. Zschopauer und Geschichtsinteressierte wissen jedoch, dass es sich um das frühere Wohnhaus des Dänen handelt.
Es gibt bereits Interessenten
Zum Kaufpreis von 99.000 Euro ist der Komplex zu haben, mit 22 Zimmern, 600 Quadratmetern Wohnfläche und 21.600 Quadratmetern Grundstücksfläche. Es ist allerdings ein verwunschenes Schlösschen, das mehr als nur eine Schönheitskur benötigt. Seit mehr als drei Wochen werde das Objekt im Internet angeboten, sagte Andreas Patzner von einem Dresdner Immobilienbüro. In der kurzen Zeit hätte sich bereits eine Vielzahl von Interessenten gemeldet. Auch Besichtigungen fanden nach seinen Worten schon statt. Er biete die Villa im Auftrag des Alleineigentümers an und sei als Sachse daran interessiert, dass die Villa kein Spekulationsobjekt werde. Es würden auch Anfragen aus Übersee vorliegen. Aber meist hätten diese Interessenten nicht mal ein Konzept für die Nutzung. Im Idealfall sollte ein Käufer mit Herzblut das Objekt erwerben, so Patzner.
Bei der Villa, die im Stil des Traditionalismus etwa um 1917 errichtet wurde, handelt es sich um ein Kulturdenkmal des Freistaates Sachsen. Das bestätigt Christoph Herrmann, Abteilungsleiter Bauaufsicht, Vermessungs- und Ordnungsverwaltung des Landratsamtes Erzgebirgskreis. Das Objekt, so dicht an der B 174 gelegen, sei auch deshalb noch nie eine begehrte Immobilie gewesen. Kurzzeitige Nutzer im Objekt hätten wegen fehlender Eigenmittel das villenartige Gebäude weiter abgewohnt und nie saniert, so Herrmann.
Denkmalschutz berät
Kaufinteressenten, die sich an die Untere Denkmalschutzbehörde wenden, würden zu ihren Sanierungsplänen beraten. Das schließe Hinweise zu Fördermöglichkeiten und Steuervergünstigungen ein. "Fakt ist, dass der Erhalt des Objektes ein hohes Engagement vom Erwerber erfordert", sagt Herrmann. Bei einer Sanierung seien mehrere denkmalpflegerische Aspekte zu beachten: Beispielsweise muss das Portal mit Eingangstür erhalten werden, neue Fenster sind aus Holz zu fertigen, Fensterläden zu erhalten, die Natursteine aufzuarbeiten, und der Putz sollte ohne Außendämmung wieder im sandfarbenen Ton angebracht werden. Das sind nur einige Beispiele, die der Abteilungsleiter aufführt. Im Genehmigungsverfahren seien die Maßnahmen mit Denkmalbehörden abzustimmen.
Dass die Villa für die Stadtgeschichte sehr bedeutsam ist, betont auch die Zschopauer Bauamtsleiterin Kerstin Buschmann. "Es wäre schon toll, wenn das Gebäude wieder in Ordnung gebracht wird", meint sie.

