Sozialer Kontaktdienst steht vor dem Aus
Vermittlungsstelle für Bedürftige erhält keinen Zuschuss von der Stadt
Zschopau. Die Finanzierung des Sozialen Kontaktdienstes, der sich in Zschopau um ältere Bedürftige und Menschen in sozialen Notlagen kümmert, ist ab Jahresmitte nicht mehr gesichert. Auf Antrag der CDU-Fraktion hat der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung einen Zuschuss in Höhe von monatlich 1000 Euro an die Ländliche Erwachsenenbildung (LEB) mehrheitlich abgelehnt. Mit dem Betrag sollte die Stelle der Kontaktdienst-Koordinatorin mit finanziert werden. Das seit Juli 2009 mit dem Träger der Maßnahme bestehende Beschäftigungsverhältnis läuft nach drei Jahren aus.
Das Abstimmungsergebnis im Zschopauer Stadtrat bedeutet zugleich eine Niederlage für Oberbürgermeister Klaus Baumann (CDU). In einer früheren Sitzung hatte er die Anlaufstelle für bedürftige Einwohner als seine Erfindung bezeichnet und die benötigten Mittel in den Haushaltsentwurf für 2012 einstellen lassen. Im Sommer 2009 nahm der Soziale Kontaktdienst am Altmarkt 8 seine Arbeit auf. Den Anstoß dazu gab eine Beratung der Arbeitsgruppe "Demografie Zschopau". Baumann hatte daraufhin angeregt, das Büro einzurichten.
Die nunmehr eingesparten Kosten - dieses Jahr 6000 und in den folgenden Jahren jeweils 12.000 Euro - sollen der Rücklage, also dem Sparstrumpf der Stadt, zugutekommen. Die CDU begründete ihren Antrag damit, dass die Leistungen des Kontaktdienstes größtenteils schon von anderen Trägern wie der Volkssolidarität erbracht würden. Selbst der von der LEB kostenfrei angebotene Besuchsdienst würde auf Antrag von den Kassen übernommen.
Dem widerspricht LEB-Mitarbeiter Arne Sigmund: "Die Sachen, die wir anbieten, kosten woanders Geld. Einen Kontaktdienst gibt es in Zschopau nicht noch einmal." Die von Koordinatorin Elke Hultsch vermittelte Hilfe nehmen seinen Worten nach derzeit etwa 25 ältere Einwohner in Anspruch. Um die Senioren kümmerten sich zuletzt zehn Ehrenamtler, die über das geförderte Projekt "Alltagsbegleitung für Senioren" sowie die Bürgerstiftung "Wir für Sachsen" eine Aufwandsentschädigung erhielten. Die Ehrenamtler erledigen Dinge, die sich professionelle Pflegedienste mitunter bezahlen lassen. Sie unternehmen mit älteren Leuten Spaziergänge, begleiten sie zum Arzt oder Einkauf und erledigen sonstige Botengänge.
Über die Bürgerstiftung sind Sigmund zufolge für dieses Jahr vier Stellen beantragt. Die Chancen stehen seinen Worten nach gut, dass die Ländliche Erwachsenenbildung die Förderung erhält. Im Februar soll die Entscheidung fallen. "Wenn aber der Kontaktdienst nicht finanziert werden kann, können wir auch die Stellen nicht in Anspruch nehmen", sagt Sigmund. Den Fraktionsvorsitzenden des Stadtrates hält er vor, sich vor der Beschlussfassung nicht hinreichend über die Arbeit des Kontaktdienstes erkundigt zu haben. "Wir sind enttäuscht, dass unser Gesprächsangebot nicht angenommen wurde", sagt Sigmund.
Für andere soziale Projekte hat der Stadtrat indes erneut Mittel bereitgestellt. So wird sich Zschopau auch in den nächsten drei Jahren an der Finanzierung des Mehrgenerationenhauses der Volkssolidarität (jeweils 10.000 Euro) beteiligen. Die Volkssolidarität ist seit Jahrzehnten auf dem Gebiet der Seniorenarbeit tätig. 2006 wurde die Einrichtung in das Förderprogramm "Mehrgenerationenhäuser" aufgenommen. Ziel ist es, Jung und Alt zusammenbringen.


