Staubwolke Fotos wie dieses trägt die Interessengemeinschaft "Grünes Venusberg" als Beweismittel zusammen, um die vom Steinbruch ausgehende Staubbelastung für die Anwohner zu dokumentieren.

Foto: PF

Steinbruch-Staub nährt Solidarität im Ort

Anwohner klagen über erhebliche Belastungen

Zschopau. Mehr Gewicht will die Interessengemeinschaft (IG) "Grünes Venusberg" auf die Waagschale bringen, wenn es um die Vertretung der Interessen Staub geplagter Anwohner am angrenzenden Steinbruch geht. Die vor einem Jahr gegründete Bürgerinitiative sammelt im Ort zurzeit Unterschriften von Unterstützern. "Die Aktion soll gegenüber dem Betreiber des Steinbruchs und den Kontrollbehörden beweisen, dass sich nicht nur ein kleines Häuflein Querulanten in seiner Lebensqualität eingeschränkt fühlt, sondern eine breite Masse", erklärt Michael Arnold, einer der führende Köpfe der Initiative.

Er selbst wohnt nur etwa 150 Meter von der Ausfahrt des Steinbruchs entfernt und spricht von einer enormen Staubbelastung, die in den Herbstmonaten verstärkt auftrete, da in dieser Zeit offenbar viele Aufträge der öffentlichen Hand abgearbeitet würden. Die momentan aus acht Mitgliedern bestehende IG hat bislang 100 Unterschriften zusammengetragen. "300 sind unser Ziel", sagt Arnold.

Um Missverständnissen vorzubeugen, betont er, dass es ihm und seinen Mitstreitern nicht um eine Schließung des Steinbruchs gehe, sondern darum, Missstände im Gespräch mit Betreiber und Kontrollbehörden abzustellen. "Wir wollen vor allen Dingen erwirken, dass Auflagen im Planfeststellungsbeschluss eingehalten werden." Die besagen unter anderem, dass für den Betrieb der Anlage "schädliche Umweltauswirkungen, erhebliche Nachteile oder Belästigungen für die Allgemeinheit durch Lärm, Staub und Erschütterungen" aufgrund der angeordneten Maßnahmen zur Emissionsbegrenzung nicht auftreten dürfen.

Behörde spricht von Ausnahme

"Eine höhere Staubentwicklung als üblich" hat selbst das Sächsische Oberbergamt im zurückliegenden Monat eingeräumt. Nach einer Kontrolle teilte die Behörde der Interessengemeinschaft schriftlich mit, dass der Steinbruchbetrieb in diesem Zeitraum einen Sonderauftrag für die Herstellung von 200 Tonnen eines trockenen Brechkorngemisches abgearbeitet habe. Die Besonderheit des Auftrags bestand laut Oberbergamt darin, dass bei der Herstellung und beim Beladen der 13 Lkw kein Wasser zugegeben werden durfte, das sonst zugesetzt wird, um die Staubentwicklung zu mindern. Es habe sich um eine Ausnahme gehandelt, erklärt die Freiberger Behörde abschließend.

Dass dem nicht so ist und die Staubbelastungen viel häufiger auftreten, versucht indes die IG mit Fotos und Filmaufzeichnungen nachzuweisen. Bei der Dokumentation bittet Arnold die Venusberger Einwohner um Mithilfe. "Viele halten sich aus verschiedenen Gründen zurück oder haben unbegründete Ängste. Aber nur durch die Willenserklärung einer breiten Masse ist eine langfristige Verbesserung der Situation möglich", ist er sich sicher.

Bürgermeister in Vermittlerrolle

Daran ist auch die Drebacher Gemeindeverwaltung interessiert. Bürgermeister Jens Haustein, der sich als Vermittler zwischen den Interessen des Unternehmens und der Einwohner sieht, hofft in gemeinsamen Gesprächen auf Lösungen. Zwar könne man nicht verlangen, dass der Betrieb die Belastungen von einem Tag zum anderen auf Null fährt. Es müssten aber auch die Stimmen der Bürger Gehör finden, die vor dem Steinbruch in Venusberg wohnten und von Zeit zu Zeit schweren Belastungen ausgesetzt seien.

Die Geschäftsleitung der Ard Baustoffwerke GmbH & Co. KG, die den Steinbruch betreibt, wollte sich gestern zu den Anliegen der Interessengemeinschaft nicht äußern. Man wolle erst ein für Januar anberaumtes Treffen abwarten, hieß es.

 
erschienen am 09.11.2011 ( Von Mike Baldauf )
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