Mirko Caspar hat an der TU Chemnitz an der Entwicklung der elektronischen Spieldose mitgewirkt. Mirko Caspar hat an der TU Chemnitz an der Entwicklung der elektronischen Spieldose mitgewirkt.

Foto: Thomas Fritzsch

Strichcode hilft Spieldose bei Musikwahl

Äußerlich kommt der Holzkunstartikel traditionell daher - Im Inneren steckt moderne Elektronik

Zschopau/Chemnitz. Die Verbindung von Tradition und Moderne manifestiert sich in einer Spieldose, mit der das Seiffener Familienunternehmen "Kleinkunst aus dem Erzgebirge Müller GmbH" schon vor drei Jahren für Furore sorgte. Eine weiterentwickelte Version der weltweit ersten elektronischen Spieldose wird ab Samstag im Chemnitzer Industriemuseum in der Sonderausstellung "Mit Chemnitz ist zu rechnen" gezeigt.

Entwickelt wurde das Schmuckstück gemeinsam mit Wissenschaftlern der Professur Technische Informatik der Chemnitzer TU und dem Trompetenvirtuosen Ludwig Güttler. Über Computer oder Mobiltelefon kann es kabellos per Bluetooth-Schnittstelle (Funk-Datenübertragung über kurze Distanzen) mit Audiodateien bestückt werden. Diese Spieldose läuft nicht mehr mechanisch, sondern ist batteriebetrieben und spielt lizenzierte Musik über eine integrierte Platine und einen Lautsprecher ab. "Individuelle Musikwahl und mittlerweile 13 wechselbare Motivscheiben machen unsere Spieldosen zu Botschaftern einer neuen Generation", sagt Ringo Müller, Geschäftsführer des Seiffener Unternehmens. Mittlerweile erklingen diese nicht nur in Deutschland, sondern finden seinen Worten nach auch Kunden im Ausland wie den USA, Südkorea und Japan.

Damit zu jedem aufgelegten Motivteller stets die passende Musik erklingt, haben sich die Wissenschaftler ein besonderes System einfallen lassen. Für die neueste Gerätegeneration entwickelte Mirko Lippmann eine Software zur Erzeugung und Erkennung runder Strichcodes. "Früher konnte man die Musikauswahl nur über den Anschluss am Computer treffen. Jetzt macht das die Spieldose selbstständig", beschreibt der Zschopauer Mirko Caspar von der Professur Technische Informatik.

Auch am Speicherplatz für die Musikstücke haben die TU-Mitarbeiter gefeilt. "Der bisherige 64-Megabit-Chip wird bald von einer neuen Speichervariante abgelöst, die bis zu zwei Gigabyte aufrüstbar ist", erläutert Caspar. Auf diese Weise lassen sich etwa 25 Stunden Musik auf die Elektronik der Spieldose übertragen - bisher gingen nur 20 Minuten.

Auch Hörbücher lassen sich jetzt überspielen. Das ist nicht von weit hergeholt. Denn nach Caspars Worten haben schon Kunden gefragt, ob es möglich ist, dass die Spieldose Märchen vorliest. Wie die Weiterentwicklung auf dem Markt ankommt, wird sich im Herbst herausstellen. Denn im September will die "Kleinkunst aus dem Erzgebirge Müller GmbH" die Spieldose in Serie produzieren. Zum Marktstart sollen dann weitere Motivscheiben und eine Auswahl zusätzlicher Musikstücke hinzukommen. Das Unternehmen wurde 1899 von Edmund Oswald Müller gegründet. Urenkel Ringo Müller leitet es heute in vierter Generation. Neben Spieldosen fertigt das 40 Beschäftigte zählende Holzkunstunternehmen Räuchermänner, Nussknacker, Pyramiden, Schwibbögen und Baumbehang.

Service:

Die Sonderausstellung im Industriemuseum Chemnitz nimmt die 100-jährige Geschichte der Rechen- und Computertechnik in Chemnitz in den Fokus. Geöffnet ist ab Samstag bis 9. September.

 
erschienen am 15.06.2012 ( Von Mike Baldauf )
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