400 Liter Diesel fasst der Tank des Busses, den Silvio Hermann von der Regionalverkehr Erzgebirge GmbH füllt. Die jüngste Preissteigerung im Nahverkehr deckt die gestiegenen Spritkosten der RVE nicht. 400 Liter Diesel fasst der Tank des Busses, den Silvio Hermann von der Regionalverkehr Erzgebirge GmbH füllt. Die jüngste Preissteigerung im Nahverkehr deckt die gestiegenen Spritkosten der RVE nicht.

Foto: Matthias Degen

Tanken wird immer teurer - Spediteure resignieren

Vor vier Jahren noch hatten Transportunternehmer ihrem Ärger mit Protesten Luft gemacht

Zschopau. Ein Liter Diesel kostet fast 1,56 Euro, Benzin liegt sogar jenseits der 1,70 Euro: Die Kraftstoffpreise kommen von ihrem Höhenflug nicht mehr herunter. Für den Wiesaer Spediteur Claus Meischner ist die Schmerzgrenze längst überschritten: "Wir können damit nicht mehr leben, aber wir müssen es", sagt Meischner, der im Vorstand des Landesverbandes des Sächsischen Verkehrsgewerbes sitzt. Mit seiner Meinung ist Meischner im Erzgebirge alles andere als allein. Doch die Protestaktionen der Vergangenheit, etwa Straßenblockaden, sind aus seiner Sicht nicht mit dem Grundgesetz vereinbar. Konsequenz: Manche Spediteure, sagt er, sehen wohl der Insolvenz entgegen.

Meischner hat seine Fahrer angewiesen, möglichst von der Autobahn abzufahren und zu tanken, wann und wo es günstig ist. "Auch tröpfchenweise." Der hohe Spritpreis koste ihn bis zu 70.000 Euro im Jahr. "Bundestagabgeordnete hören uns zu, können aber auch nichts ändern. Denn der Staat verdient an jedem Liter mit", so der Spediteur.

Über gewaltige Mehrkosten klagt ebenso André Durach, Geschäftsführer der ZT Transportlogistik- und Speditionsgesellschaft mbH, kurz Zschopautrans. Nur ein Cent mehr für Sprit würde mit 1800 Euro im Monat zu Buche schlagen. "Das trifft uns hart", sagt Durach, zumal Steigerungen von zehn bis zwölf Cent pro Liter nicht gleich umlegbar seien. Unverfrorenheit nennt der Stollberger Taxiunternehmer Matthias Halbich die Spritpreise. Er wisse nicht mehr, wie es weitergehen soll. Denn die Taxifahrer könnten diese Kosten erst recht nicht umlegen, es gebe seit Jahren feste Tarife. Doch alle Kosten steigen, Werkstattpreise ebenso wie Reifen. 2008 seien die Transportunternehmer noch gegen die Spritpreistreiberei auf die Straße gegangen. Jetzt unternimmt keiner was, wundert sich Halbich.



Steffen Hahn, Inhaber einer Landtechnikfirma in Zwönitz, hatte 2008 Proteste mitorganisiert. Er sei jetzt daraufhin wieder angesprochen worden. Denn damals hätte man etwas erreicht. Vor einer großen Aktion, die in Leipzig geplant war, sanken die Preise. Aber heute sei die Einigkeit nicht mehr da.

Selbst wenn alle an einem Tag mal nicht tanken, hätte das wohl kaum Sinn, ergänzt Daniel Seifert, Inhaber des Transporte & Kurierdienstes Olbernhau. Die Hälfte des Preises seien Steuern des Staates. 30 Prozent seiner Gesamtkosten gehen für Diesel drauf. Vor zwölf Jahren habe er noch 1,30 DM für den Liter bezahlt, also weniger als 70 Cent. Die Transportpreise hätten sich aber nicht verdoppelt, obwohl auch Werkstattpreise und Versicherungskosten gestiegen seien.

"Der Staat müsste eigentlich dieser Preistreiberei einen Riegel vorschieben", sagt der Auer Spediteur Frank Döhler. Seine Spedition bestehe 110 Jahre, schwere Zeiten hätte das Unternehmen verkraftet, aber die jetzige Zeit würde ihm schon zu schaffen machen, sagt er voller Frust.

Auch für den Regionalverkehr Erzgebirge GmbH sind Ausgaben für Dieselkraftstoff einer der wesentlichsten Kostenfaktoren, sagt Sprecher David Joram. Mit Ausnahme von 2009 seien sie in den vergangenen Jahren permanent gestiegen - und wirkten sich direkt auf die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens aus. Die jüngste Tariferhöhung ab August habe die Kostensteigerungen nicht ausgleichen können. Mit Schulungen zu spritsparender Fahrweise, kostengünstigen Zusatzheizungen und kleinen Fahrzeugen, wo möglich, soll der Verbrauch gesenkt werden. Ein Unternehmer, der aber nicht genannt werden wollte, sagt völlig resignierend: "Man dreht uns mit einem Strick den Hals zu."

 
erschienen am 28.08.2012 ( Von Gudrun Müller )
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