Konstrukt aus Glas, Metall und Beton: die Turnhalle des Berufsschulzentrums Zschopau.
Foto: Fabian Mattern
Undichtes Turnhallendach gibt Rätsel auf
Landratsamt tappt auf der Suche nach der Ursache für den Wassereinbruch im Dunkeln
Zschopau. Warum es am vergangenen Wochenende in die Turnhalle des Zschopauer Berufsschulzentrums (BSZ) reinregnete, bleibt zunächst ein Rätsel. Weil sich auf dem Spielfeld immer wieder kleine Pfützen bildeten, musste eine Handball-Partie abgebrochen werden. Die Ursache des Wassereinbruchs konnte das Landratsamt als Träger der Einrichtung bislang nicht ermitteln.
Von einem ähnlichen Fall berichtet Oliver Reinhardt vom Büro des Landrates. Bei einem extremen Regenguss im Sommer vergangenen Jahres war ebenfalls Wasser eingedrungen. Die beauftragte Dachdeckerfirma habe damals trotz intensiver Bemühungen vergeblich nach der Ursache gesucht. Seither sei bis zum vergangenen Wochenende kein weiterer Schaden aufgetreten.
Nach Recherchen des Landratsamtes hatte das Dach in den Jahren 1995/96 eine Erfurter Firma gedeckt. Das Unternehmen sei inzwischen informiert worden. Zudem sucht die Kreisbehörde nach einem Betrieb in der Nähe, der sich mit einer Metalleindeckung auskennt, wie sie beim Bau der Halle zum Einsatz kam. Die Kreisbehörde verspricht sich von dem Kontakt nähere Erkenntnisse. Der Wassereinbruch ist wohl nicht auf einen Dachschaden, sondern vielmehr auf die futuristische Konstruktion des Gebäudes aus Glas und Metall zurückzuführen. Das zumindest vermutet der stellvertretende Schulleiter Hans-Peter Uhlig. Seine Theorie: "Bei starkem Wind wird das Regenwasser entgegen der Ablaufrichtung wieder nach oben gedrückt und kann somit ins Gebäude eindringen." Das sei aber die absolute Ausnahme. "Zwei- oder dreimal hat es bisher in eine der Werkhallen hereingeregnet", fügt der stellvertretende Schulleiter hinzu.
Wenn man etwas dagegen unternehmen wollte, würde das viel Geld kosten. Diese Mittel sieht Uhlig allerdings bei anderen notwendigen Investitionen besser angelegt. Seinen Worten nach hätten die Architekten bei der Konstruktion der futuristisch anmutenden Gebäude den windexponierten Standort besser berücksichtigen müssen.
Unter den Windböen auf der Anhöhe leidet auch der Sonnenschutz an den verglasten Fassaden. Zehn Jahre nach der Eröffnung des Berufsschulzentrums funktionierte ein Teil der Anlage schon nicht mehr. Für die Erneuerung der Beschattungsanlage setzte die Kreisverwaltung 2010 Mittel aus dem Konjunkturpaket II der Bundesregierung ein. Schon ein halbes Jahr später hatte ein Sturm eine der neuen Jalousien zerfledert. Offenbar versagte die Automatik, die den Sonnenschutz bei Wind hätte einfahren müssen.
Schon in den zurückliegenden Wochen mussten Vereine und Schüler Einschränkungen in Kauf nehmen, nachdem das Gesundheitsamt Anfang Dezember gefährliche Bakterien (Legionellen) im Trinkwasser entdeckt hatte und in den Gebäuden die Duschen sperren musste. Das Duschverbot konnte erst in der vergangenen Woche wieder aufgehoben werden.
Bei einem 1992 vom Altkreis ausgerufenen Wettbewerb hatten die Architekten Werner und Günther Baumann mit ihrem Entwurf für den Schulkomplex das Rennen gemacht. Nach zweieinhalb Jahren Bauzeit wurde das Berufsschulzentrum am 21. September 1996 eingeweiht. Bis dahin waren in den Komplex 73,7 Millionen D-Mark (37,7 Millionen Euro) geflossen. 11,6 Millionen D-Mark (5,9 Millionen Euro) davon investierte der Altkreis in die Dreifelder-Sporthalle samt Außensportanlagen.


