Gerd Martin vom Umweltlabor Zwickau nimmt zweimal wöchentlich Proben aus der Wasseraufbereitungsanlage in Scharfenstein. Er prüft, ob das Grundwasser, das durch einsickerndes Öl auf dem alten DKK-Gelände verunreinigt wurde, nach dem Durchlaufen der Anlage ohne Beanstandung in die Zschopau fließen kann.
Foto: Thomas Fritzsch
Verseuchtes Wasser in Scharfenstein aufwendig gereinigt
Durch eine undichte Presse sollen unzählige Liter Öl ins Erdreich gelangt sein
Scharfenstein. Unscheinbar sieht das Ensemble blauer, gelber und schwarzer Behälter aus, das nach Pfingsten am Rand des Abrissfeldes im Scharfensteiner Gewerbegebiet von einer Umwelttechnikfirma aufgebaut wurde. "Zwei Tage benötigten die Arbeiter dafür, seitdem läuft die Wasseraufbereitungsanlage rund um die Uhr. Am Tag schafft das Aggregat 35 Kubikmeter. Das Wasser, das anschließend in die Zschopau fließt, ist von Öl befreit und wahrscheinlich sauberer als der Fluss selbst", sagt Vorarbeiter Frank Schröder von der für den Abriss des alten DKK-Komplexes beauftragten Burgstädter Firma.
Im April waren die Arbeiten wegen der Kontamination auf dem Gelände des ehemaligen Kühlgeräteherstellers kurz vor ihrem Abschluss ins Stocken geraten. Die verschmutzte Erde wurde in rund 3,50 Meter Tiefe gefunden.
Vor Beginn der Abrissarbeiten war der Boden lediglich bis in eine Tiefe von etwa drei Metern untersucht worden. "Nach einer rund drei Meter starken Lehmbodendecke folgt eine rund 1,80 Meter starke Flusskiesschicht. Dort hat sich das Öl festgesetzt. Auf dieser Schicht wurden früher die Fundamente errichtet, sie ist besonders tragfähig", erklärt Schröder. Er hat Erfahrungen mit kontaminiertem Erdreich - "Wir haben auch schon Tankstellen abgerissen." -, aber in diesem Umfang sei die Aufgabe einmalig. Allerdings ist seiner Einschätzung zufolge ein Ende absehbar.
Glück im Unglück habe man gehabt, dass dieses Frühjahr so wenig Niederschlag gefallen sei. Weil der Grundwasserspiegel ziemlich niedrig sei, müsse nicht so viel Wasser durch die Anlage laufen. Aus Wasserlachen saugen Rohre das ölhaltige Gemisch zunächst in einen Container mit drei Kammern. Mithilfe eines Ölabscheiders wird das Wasser dort gereinigt bevor es in einen Edelstahlbehälter läuft, in dem es zur Sicherheit noch einmal gefiltert wird, erklärt Frank Schröder. Über einen weiteren Behälter und eine Druckpumpe wird es schließlich zuerst durch einen Sand- und danach durch zwei Kohlefilter geleitet und fließt anschließend in die Zschopau. Die mit Öl kontaminierte Erde kann dagegen nicht so einfach gesäubert werden. Sie wird auf Lkw verladen und abtransportiert.
Wie hoch der finanzielle Mehraufwand ausfallen wird, ist noch unklar. Fest steht, dass die Gemeinde Drebach mit dem für den Abriss vorhandenen Geld nicht hinkommen wird. Zu groß sei die Verschmutzung des Erdreiches, sagte Bürgermeister Jens Haustein (Mandat CDU) in der jüngsten Ratssitzung. Wegen des guten Ausschreibungsergebnisses hatte die Kommune das Vorhaben ursprünglich von 3,6 auf 2 Millionen Euro abgespeckt, jetzt hat sie sich mit der Landesdirektion Chemnitz - der Fördermittelbehörde - in Verbindung gesetzt. Haustein ist sich im Gegensatz zu Frank Schröder nicht sicher, ob schon alle kontaminierten Bereiche gefunden sind. "Wir müssen sehen, wie es weitergeht", sagt er. Unter anderem sei zu entscheiden, ob weitere Proben aus einer größeren Tiefe genommen werden sollen.
Bürgermeister Haustein erläuterte zur Ratssitzung, dass vom alten DKK-Werk die Fundamente abgebrochen werden mussten. Dabei sei man auf die Verseuchung gestoßen. In diesem Bereich war früher die Stanzerei für die Blechbearbeitung von DKK angesiedelt. "Da müssen zig Liter in den Boden geflossen sein, wo früher die Presse gearbeitet hat", vermutete Haustein in der Sitzung. Einige Leute würden nun von früheren Verschmutzungen berichten. Ähnliches erzählt auch Vorarbeiter Schröder. "Uns wurde gesagt, dass die Presse undicht war und wöchentlich 200 bis 300 Liter in die Maschine geflossen sind. Wenn man das hochrechnet, waren das 10.000 Liter im Jahr. In der Flusskiesschicht hat sich das Öl gut gehalten." Von den 200 Litern hat Haustein auch gehört. "Diese Zahl ist aber nicht belastbar. So richtig will dann doch keiner was sagen."
Im Juni vor sieben Jahren hatte schon einmal eine Entgiftungsanlage in Scharfenstein den Betrieb aufgenommen. Damals war mit einer Boden-Luft-Absaugung mit Chemikalien verseuchte Erde an der Ladestraße des Bahnhofsgeländes gereinigt worden. Bei den Verunreinigungen handelte es sich um ein Kohlenwasserstoff-Gemisch, das zu DDR-Zeiten in den Boden gelangt sein muss. Damals wurden auf der Ladestraße Reinigungs- und Kühlmittel für die DKK-Kühlgeräte-Produktion umgeschlagen.
Vor der Sanierung waren die Kohlenwasserstoffe in einer Tiefe zwischen zwei und sechs Metern gefunden worden. Auch damals spielte der Schutz der Zschopau eine wichtige Rolle. Da das Grundwasser verunreinigt war, bestand die Gefahr, dass Schadstoffe in den Fluss gelangten.
Nachdem der Abriss der DKK-Bauten in Scharfenstein beendet ist, sind die Männer um Frank Schröder dabei, das Gelände zu profilieren. Danach muss noch ein Hang abgestützt werden. (mit mik)

