Hermann von Strauch, Stadtrat für den Bund Freier Wähler in Zschopau.Foto: Archiv
Von Strauch: Erhalt des Freibads ja - aber nicht so
Zschopau. Die Bürgerinitiative hat ihre Position zum Erhalt des Zschopauer Freibads klar formuliert: Zur Finanzierung soll auf den Umbau des Alten Rathauses verzichtet werden. "Das geht so nicht", sagt Stadtrat Hermann von Strauch.
Statt den Umbau des alten Rathauses zu finanzieren, der das Gemäuer für neue Mieter attraktiv machen soll, möchte die Bürgerinitiative "Freibad Zschopau" lieber Geld in die Sanierung der Freizeiteinrichtung investieren. Dafür will sie innerhalb eines Bürgerbegehrens 1400 Unterschriften sammeln. Gelingt ihr das bis 7. März, wäre der Weg für einen Bürgerentscheid frei. Das eine gegen das andere große Bauvorhaben abzuwägen, hält Hermann von Strauch, Stadtrat für den Bund Freier Wähler und langjähriger ehrenamtlicher Denkmalpfleger der Stadt, jedoch für falsch: "Das geht so nicht."
"Das Bürgerbegehren für die Sanierung und Erhaltung des Freibads kann ich in dieser Form nicht unterstützen", heißt es in einem "Freie Presse" vorliegenden Brief Hermann von Strauchs an die Bürgerinitiative. "Ja, ich war und bin für die Erhaltung des Freibads, aber nicht auf diesem Wege. Die Alternative ,Freibad oder Altes Rathaus' halte ich für falsch."
Der Stadtrat, der sich stets für die Erhaltung der Freizeiteinrichtung als Sportbad bei bezahlbaren Betriebskosten eingesetzt hatte, bezeichnet es als einen "Riesenfehler, mitten auf dem Marktplatz einen ähnlichen Problemfall entstehen zu lassen wie den des ehemaligen Stadtcafés". Auch der Verkauf des "ältesten, traditionsreichsten und wichtigsten kommunalen Gebäudes der Stadt" komme für ihn nicht infrage. Er verweist auf die 50-prozentige Förderung, die die Kommune für den Umbau des alten Rathauses nur bis zum Jahr 2013 erhalten würde: "So eine Chance einfach preiszugeben, halte ich angesichts der Finanzlage der Stadt für unverantwortlich." Eine "maßvolle Entkernung, Entflechtung und bessere Erschließung" sei in Anbetracht der vielfachen Umbauten und Verschachtelungen des Gebäudekomplexes im Laufe seiner Geschichte unabdingbar. "Dafür gibt es genaue Zielvorstellungen, die mir bei der Freibadplanung noch fehlen", führt Hermann von Strauch aus.
Frank Heyde.Foto: Bürgerinitiative "Freibad Zschopau"
Frank Heyde, federführend bei der Bürgerinitiative, möchte hingegen bei dem im Bürgerbegehren manifestierten Verzicht auf den Rathausumbau zugunsten des Freibades festhalten: "Wir sind ja nicht grundlegend gegen die Rathaussanierung, ich selbst bin froh über die Erhaltung jedes alten Hauses. Wir müssen jedoch Vorschläge zur Gegenfinanzierung unserer Forderung unterbreiten. Die Befürworter der Badsanierung waren viele Jahre lang geduldig. Erst hieß es, wir geben dem Schloss den Vorrang, dann dem neuen, nunmehr dem Alten Rathaus. Wir finden: Jetzt ist endlich mal das Bad dran. Im Übrigen hätte ich auch nichts dagegen, wenn das Geld für das Bad aus anderen Quellen stammt."
Dem Argument, die Möglichkeit einer Förderung nicht ungenutzt verstreichen zu lassen, mag Frank Heyde nicht folgen: "Bei der aktuellen Haushaltsdiskussion ist die Beleuchtung des Themas Altes Rathaus naheliegend gewesen. Fördermittel sind auch Steuergelder, die sinnvoll verwendet werden sollen. Bei der Rathaussanierung habe ich jedoch meine Zweifel, ob die geplante Substanzerhaltung und der Umfang der Arbeiten das sind, was die Stadt Zschopau braucht. Der Einbau eines Fahrstuhls gehört für mich jedenfalls nicht dazu. Ein Notar kann die Kosten für die Umgestaltung eines Hauses auch selbst tragen oder sich ein anderes Büro suchen. Da gibt es sicher genügend andere Angebote. Zudem: Ich kann nicht erkennen, dass für den Umbau des Alten Rathauses Gefahr im Verzug besteht."
Das Alte Rathaus steht seit dem Umzug des Bauamtes in das Neue Rathaus gegenüber vor rund zwei Jahren nahezu leer. Genutzt werden lediglich die Gaststätte sowie der Ratssaal.

