Hoteldirektorin Christine Walcha Christine Walcha führt das neue Altstadt-Hotel an der Donatsgasse in Freiberg. Hier hält sie eine historische Aufnahme von dem Haus, die auch als Ansichtskarte erhältlich ist.

Foto: Eckardt Mildner

850 Jahre Freiberg: Hotelbranche profitiert von den Feierlichkeiten

Festwoche im Jubiläumsjahr lockt mehr Gäste in die Stadt

Freiberg. Mittelsachsens Kreisstadt könnte noch ein Hotel mehr vertragen, hatte Oberbürgermeister Bernd-Erwin Schramm (parteilos) unlängst mal geäußert. Der Wunsch ist ihm jetzt erfüllt: An der Donatsgasse hat das Altstadt-Hotel eröffnet. Das ehemalige "Bräustübl", das jahrelang leer gestanden hatte, ist von einem Privatinvestor hergerichtet und an Christine Walcha verpachtet worden. "Das Haus aus dem Jahre 1507 ist ein Schmuckstück, der Biergarten hat den ganzen Tag Sonne", schwärmt die Wirtin.

Sie und ihr Team hatten alle Hände voll zu tun, damit alles rechtzeitig zur Festwoche "850 Jahre Freiberg" fertig ist. "Wir sind für die Feierlichkeit komplett ausgebucht", sagt Walcha. Ähnlich sieht es auch in anderen Hotels der Stadt aus.

Lediglich im "Alekto" wäre für das kommende Wochenende am Dienstag bei einer Blitzumfrage in ausgewählten Häusern noch eine Unterkunft frei gewesen. "Wir spüren aber auch die erhöhte Nachfrage zu den Festtagen", sagte Peter Miether. Der Geschäftsführer des größten Hotels der Stadt konstatiert zugleich einen Rückgang der Übernachtungen insgesamt im Vergleich zum Vorjahr: "Im Frühjahr sind weniger Firmen- und Geschäftskunden bei uns gewesen."

"Ich beobachte die Entwicklung in der Solarbranche mit Sorge", bekennt auch Tobias Müller, der zu Jahresbeginn den "Silberhof" übernommen hat. Sein Haus baue vor allem auch auf Geschäftsleute, "und da hängt mit den Tochterfirmen und Zulieferern sehr viel an dem Hauptarbeitgeber der Stadt dran."



Auch im Hotel Kreller hängt die Auslastung speziell an Wochentagen sehr stark von Konferenzen der Bergakademie, Tagungen und Geschäftstouristen ab, wie Inhaber Ralf Kreller bestätigt. Derzeit laufe dieser Bereich aber gut. An den Wochenenden wünsche er sich aber schon noch mehr Gäste - außer am kommenden Wochenende und zum Tag der Sachsen im September: "Da sind wir schon seit gut einem halben Jahr ausgebucht."

Zu den beiden Höhepunkten des Freiberger Jubiläumsjahrs sei in vielen Hotels, Pensionen und Gästezimmern in Freiberg nur noch ein Platz zu bekommen, wenn Buchungen storniert werden, weiß auch Monika Kutzsche von der Stadtmarketing Freiberg GmbH. "Bisher haben wir aber noch für jeden ein Bett gefunden", verspricht die Tourismus-Expertin. Das könne dann aber schon mal ein paar Stunden dauern, und möglicherweise müssten die Gäste auch eine Unterkunft im Freiberger Umland akzeptieren.

Voriges Jahr habe es eine "Riesenspitze" bei den Übernachtungen in Freiberg gegeben, so Kutzsche weiter, die 2012er Statistik hinke da etwas hinterher. Das sei allerdings ein "Klagen auf hohem Niveau: Andere Städte schauen mit Neid auf Freiberg." Noch ein Hotel mehr brauche die Kreisstadt aber wirklich nicht, urteilt Martina Schepnitz, die Inhaberin des "Mauck'schen Guts". Dieser Wunsch dürfte aber nicht erfüllt werden - Ende des Jahres soll in der Beethovenstraße 11 das Schlossvilla Freiberg Hotel eröffnet werden. Inhaber Peter Robby Mehner will im einstigen Obdachlosenheim mit drei Suiten das höherpreisige Segment bedienen: "Ich denke zum Beispiel an Geschäftsführer, die in Freiberg zu Gast sind. Die Preise werden bei 200 Euro liegen."

 
erschienen am 26.06.2012 ( Von Steffen Jankowski )
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