Karin Kempe inmitten ihrer vielen Reisebilder. Karin Kempe inmitten ihrer vielen Reisebilder.

Foto: Eckardt Mildner

Der Skizzenblock ist stets dabei

Die Malerin Karin Kempe aus Kleinbobritzsch ist quer durch Albanien gewandert

Kleinbobritzsch. Ohne Skizzenblock fühlt sich Karin Kempe nicht wohl. Fast überall zeichnet sie - auch in Albanien. Als Rucksacktouristin ist die 52-jährige freiberufliche Malerin mehrfach in dem südosteuropäischen Land gewesen, hat die Sprache der Menschen dort gelernt und vieles eilig mit Stift und Papier festgehalten - "was es so in einigen Jahren vielleicht nicht mehr gibt", sagt sie.

Dazu zählt ein Bild, das ein auf traditionelle Weise geschnürtes Baby in einer Wiege zeigt. "Ich habe es bei einer Familie in einem albanischen Bergdorf gesehen, es hat mich fasziniert", erzählt sie und ist sich sicher, dass diese Tradition nicht mehr lange existiert. In Albanien nehme das Abwandern aus den Bergregionen zu. "Die Menschen wollen modern und in Städten leben", hat sie festgestellt. Seit dem Sturz der kommunistischen Diktatur 1990 entwickle sich der Staat am Mittelmeer mit seinen knapp drei Millionen Einwohnern mehr und mehr zur modernen Marktwirtschaft - allerdings mit großen strukturellen Problemen.

Für Karin Kempe standen jedoch bei jeder ihrer Reisen, die sie auch in den Kosovo und nach Kappadokien führten, die Menschen im Mittelpunkt. Sie wandert, so viel sie kann und hält es dabei mit dem Schriftsteller Johann Gottfried Seume ("Spaziergang nach Syrakus"), der große Reisen unternahm. "Beim Laufen sieht man viel und lernt viel mehr Leute kennen", hat auch Karin Kempe erfahren. So übernachtete die gebürtige Wilsdrufferin und gelernte Pferdezüchterin bei Familien, speiste mit Großfamilien und erfuhr so viel Gastfreundschaft, dass es ihr manchmal fast schon peinlich war. Wieder zu Hause, gestaltet sie aus ihren Skizzen mit unterschiedlichen Techniken farbige Arbeiten auf Papier und Karton. Dabei experimentiert sie gern, will noch freier werden in ihrer Malerei. "Ich bin zu detailverliebt", gesteht sie.

Warum Reisen nach Albanien? Das wird die Mutter von drei erwachsenen Kindern oft gefragt. Ihre Antwort klingt einleuchtend: "Ich wollte etwas Ursprüngliches entdecken." Damit begonnen hat Karin Kempe aber schon als Kind. Sie widmete sich den Indianern, las, schrieb und begann sie zu zeichnen. "Kopierer gab es nicht, also malte ich die Bilder ab, die ich behalten wollte", erinnert sie sich. Ihren Kindheitswunsch, einmal in die USA zu den Indianern zu reisen, hat sie aufgegeben. "Von ursprünglichen Leben der Stämme ist nichts mehr übrig. Also habe ich mir etwas anderes gesucht." Das war vor Jahren ein Verein in Olbernhau, der sich der indianischen Kultur widmet. Ab Montag nun zeigt das Museum in Olbernhau die Ausstellung "Faszination Indianer - 40 Jahre Vereinsleben in Olbernhau". Karin Kempe ist mit Gemälden und Perlenstickereien auf selbst gefertigter Indianerkleidung beteiligt. In einem weiteren Museumsraum ist eine Auswahl ihrer vielen Reisebilder zu sehen.

Service:

Das Museum Olbernhau, Markt 7, ist dienstags bis samstags 10.30 bis 16.30 Uhr, am Wochenende 12 bis 16.30 Uhr geöffnet.

 
erschienen am 01.03.2013 ( Von Astrid Ring )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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