Euro-Angst: In Mittelsachsen wird verstärkt in Immobilien investiert
Dank niedriger Zinsen melden Banken mehr Kreditvergaben für Eigenheime
Freiberg. Bauboom in Krisenzeiten: Statt zu sparen, pumpen die Mittelsachsen ihr Geld zunehmend in Häuser und Modernisierungen. Aufgrund der Turbulenzen um den Euro setzen sie auf Investitionen. So begründen zumindest Sparkassen- und Volksbanker der Region die aktuell starke Nachfrage nach Bauland und Immobilien.
"Die Sparkasse Mittelsachsen konnte im ersten Halbjahr 2012 einen Anstieg von knapp 25Prozent bei wohnwirtschaftlichen Finanzierungen verzeichnen", sagte Indra Frey von der Sparkasse Mittelsachsen. Im gleichen Umfang sei das Interesse am "Sparen für die eigenen vier Wände", also an Bausparverträgen, gestiegen. Die Volks- und Raiffeisenbank Mittelsachsen vergab im vorigen Jahr 100 Millionen Euro neue Kredite, davon mehr als ein Drittel für Baufinanzierungen. Damit kletterte die Summe der ausgereichten Darlehen um zehn Prozent auf 285Millionen Euro. "Die hohe Nachfrage überraschte. Gründe sind die stabile Konjunktur, niedrige Zinsen, Inflationsangst und Unsicherheit angesichts der europäischen Krisen", sagte Volks- und Raiffeisenbank-Vorstand Wolfgang Licht.
Die Kommunen verzeichnen einen Run auf Grundstücke - und reagieren darauf. Laut Freibergs Baubürgermeister Holger Reuter (CDU) ist die Nachfrage nach Eigenheimstandorten "weiterhin ungetrübt". Die Stadt habe sich darauf eingestellt und halte genügend Bauland vor: "Es muss keiner nach außen gehen", betont Reuter. Der Herzog-Heinrich-Ring mit 21 Grundstücken sei zwar bereits ausgebucht. Aber am Standort Am Pfaffenvorwerk stehe von 23 Grundstücken noch eins zur Verfügung. Die Städtische Wohnungsgesellschaft bietet am Franz-Mehring-Platz 47Baugrundstücke an - für 21 liegen Reservierungen vor. Zudem laufen die Planungen für Standorte an der Martin-Planer-Straße in Neufriedeburg und an der Silberhofstraße/Dammstraße.
Auch Bauland in Großschirma ist gefragt. "So können individuelle Vorstellungen umgesetzt und finanzielle Mittel relativ krisensicher angelegt werden", sagt Bürgermeister Volkmar Schreiter (FDP). Im Großschirmaer Gebiet "Am Hasenborn" sind noch 15 Grundstücke zu vergeben - vier Fünftel sind bereits bebaut. Die Stadt schafft derzeit Platz für 25 neue Eigenheime an der Forsthofstraße in Siebenlehn.
In Mulda können Häuslebauer noch drei Grundstücke im Baugebiet Südhang erwerben. Laut Bürgermeister Reiner Stiehl (Freie Wähler Mittelsachsen) kann der Standort bei Bedarf erweitert werden: "Da sind wir flexibel."
Marco Metzler von der Stadtverwaltung Oederan sagt: "Gerade in unsicheren Zeiten, wie wir sie mit der Finanz- und Schuldenkrise erleben, hat das Eigenheim seinen Reiz." Laut dem Wirtschaftsförderer werden Bau oder Kauf als Schutz vor möglicher Inflation, als Geldanlage oder als Altersvorsorge in Erwägung gezogen. Die Stadt Oederan habe den Eigenheimstandort "An der Bleiche" mit 36 Grundstücken in Südhanglage ausgewiesen - auch um Neubürger zu gewinnen.
Nicht nur in Mittelsachsen, sondern bundesweit gibt es einen Trend zum Häuslebauen, wie Friedrich Thießen von der TU Chemnitz erklärt. Doch der Professor für Finanzwirtschaft und Bankbetriebslehre führt diese Entwicklung nicht nur auf die Angst vor einer Inflation zurück. Er nennt einen zweiten Grund: "Die schlimmste Wirtschaftskrise ist vorbei, die Einkommen steigen und die Menschen haben mehr Geld. Weil sie in die Zukunft vertrauen, investieren sie in Immobilien."

