2010 deklarierte das Innenministerium zum "Jahr der Feuerwehren in Sachsen". Mit Aktionen wie der Werbekampagne "Helden gesucht!" soll dem Mitgliederschwund entgegengewirkt werden.
Foto: Innenministerium
Aktion "Helden gesucht!" - eine Fehlanzeige?
Zahl der Mitglieder in Mittelsachsens freiwilligen Feuerwehren ist trotzdem gestiegen - Engagement der einzelnen dabei entscheidend
Flöha. Flöha. Zufriedenes Schulterklopfen in Dresden: Die Zahl der Mitglieder in Sachsens Jugendfeuerwehren ist erstmals seit über zehn Jahren wieder gestiegen. Im vergangenen Jahr waren 10.530 Mädchen und Jungen bei der Jugendfeuerwehr im Freistaat engagiert. Ein Jahr zuvor betrug die Zahl 9994. Die Macher im Innenministerium begründen den Erfolg mit der eigens initiierten Werbekampagne "Helden gesucht!" Und offensichtlich wurden auch in Mittelsachsen welche gefunden, denn auch dort gibt es wieder mehr Feuerwehrnachwuchs.
"Die Aktion hat etwas gebracht. Wir sind guter Hoffnung, dass wir in diesem Jahr in ähnlicher Weise unterstützt werden", kommentiert Landesjugendfeuerwehrwart Norbert Weigelt. Im Regionalbereich Freiberg, zu dem die Region Flöha gehört, sind 122 neue Mitstreiter gewonnen worden. In Mittweida waren es 85 und in Döbeln 38. Überzeugt - wenigstens auf den ersten Blick. Doch in welcher freiwilligen Feuerwehr der Region verstärken neue Helden wirklich die Reihen? Genügen Großplakate und fetzige T-Shirts, um für das zeitaufwändige Ehrenamt zu überzeugen? Fehlanzeige, wie eine Umfrage zeigte.
"Dass überhaupt etwas getan wird, ist ein Erfolg. Die Kampagne zeigt mir, dass man in Dresden das Problem erkannt hat. Neue Mitglieder brachte die Aktion aber nicht", sagt Ronald Fischer, stellvertretender Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Oederan. Das Team um den 42-jährigen Gemeindejugendwehrleiter zermartert sich seit Jahren den Kopf, wie man den Mitgliederschwund bekämpfen könnte. "Es ist äußerst schwer, in der Überflussgesellschaft das Angebot für Kinder noch zu überbieten. Ich habe keine Idee. Man kann diese Entwicklung doch nicht damit aufhalten, dass es in der Ausbildung der Jugendfeuerwehr pausenlos knallt und kracht."
Dass die Oederaner keine Idee haben, ist jedoch weit untertrieben. Ihr Konzept heißt sinnvolle Freizeitgestaltung: Am 20. März gibt es die 13. Auflage des Darts-Pokalwettkampfes der Jugendwehren aller sechs zu Oederan zählenden Ortsteilwehren. Die 20-jährige Stefanie Merbeth - 2005 wechselte sie selbst aus den Reihen der Jugendfeuerwehr in die Einsatzabteilung - arbeitet derzeit an einem Konzept für eine Bambini-Feuerwehr in Oederan. Fischer hofft, dass es noch in diesem Jahr losgehen kann.
Das Thema Bambini-Feuerwehr ist auch bei der Freiwilligen Feuerwehr Eppendorf diskutiert worden. "Aber wir haben uns für andere Wege entschieden", sagt Wehrleiter Tino Hübler, in dessen Reihen es auch keinen neuen Helden gibt. Er ist mit der Arbeit der zehnköpfigen Jugendfeuerwehr trotzdem sehr zufrieden. 2009 beteiligte sich die Wehr zum ersten Mal mit einem Hindernisparcours am Sportfest der Grundschule. "Das wirkt. Deshalb wollen wir dieses Jahr wieder in die Schule gehen."


