Eine der Szenen zum historischen Jagdfest auf Schloss Augustusburg: Lohnjäger und Böhmische Jäger zeigen sich ihre Beute. Foto: Toni Söll
Bräuche der Jagd werden lebendig
Die Augustusburg wurde am Wochenende zu dem, wofür sie erbaut wurde: ein Jagd- und Lustschloss
Augustusburg. In prächtigen Gewändern betraten Kurfürst August und seine Frau Anna am Wochenende den Schlosshof auf Augustusburg. "Wer im Volke freut sich heut schon noch auf den Adel", fragte die Kurfürstin ihren Gatten. "Dich täuscht. Das Volk aus dem Tale ist bei uns zu Gast. Es ist immer da, wenn wir ein so wunderbares Fest feiern wie heute", entgegnete der Kurfürst. Und tatsächlich hatten sich am Wochenende immer viele Zuschauer vor der Bühne versammelt, als das Kurfürstenpaar, dargestellt von Matthias Brade und Birgit Lehmann, zu jeder vollen Stunde Audienz hielt.
Das war einer der Höhepunkte des historischen Jagdfestes, mit dem die 19. Saison des Mittelsächsischen Kultursommers - neben der Veranstaltung "Klangzauber" in Mittweida - eingeleitet wurde. Das Spektakel um die einstigen Bräuche und Sitten der Jagd ließ die Besucher eintauchen in eine Zeit, in der die Augustusburg das war, wofür sie erbaut wurde: ein Jagd- und Lustschloss.
An beiden Tagen herrschte auf der Burg reges Treiben. Bauern, Junker, Jäger und Spielleute - Darsteller in Kostümen, die der gängigen Kleidung des 16. Jahrhundert nachempfunden waren, mischten sich unter die Besucher, sodass der ganze Schlosshof zur Bühne wurde.
Die Spielszenen wurden von den Vereinsmitgliedern des Kultursommers und von Mitgliedern des Grünhainichener Faschingsvereins gestaltet. An dem Bühnenprogramm beteiligten sich noch weitere Vereine aus ganz Sachsen. So zeigten die Mitglieder des ersten sächsischen Fahnenschwingervereins ihr Können, und die Torgauer Renaissancetänzer stellten mittelalterliche Tänze vor. Nach jedem Tanz hatte Gruppenmitglied Steffen Rolle kurze, amüsante Anekdoten über die Kleiderordnung des späten Mittelalters zum Besten gegeben. So verriet er, woher der Ausdruck "Den Löffel abgeben" stammt: "Früher trug jeder stets einen Löffel bei sich. Es war ein sehr wertvoller Gegenstand. Wenn man starb, wurde der Löffel weitervererbt", sagte er.
Parallel zum Treiben rund um die Bühne fand auf dem Schlosshof ein großer Handwerkermarkt statt. Töpfer, Korbmacher und Schnitzer boten ihre Waren an. Großer Andrang herrschte bei Papierschöpfer Peter Bobe aus Niederfrohna. In einem Bottich demonstrierte er die frühe Herstellungsweise von Papier.
An beiden Tagen besuchten rund 1500 Besucher das Jagdfest. Allerdings: "Wir hatten mit mehr Besuchern gerechnet", sagte Olaf Hahnemann vom Kultursommer. Wirklich zufrieden sei man mit der Resonanz daher nicht. "Bei der Fülle an Veranstaltungen, die in der Region in diesen Tagen angeboten wurden, konnten wir aber über jeden Besucher froh sein, der auf die Augustusburg kam", resümierte er.
Kurfürst August dagegen zeigte sich mit seinem Fest hochzufrieden. "Wenn das Volk heut Abend in die heimische Kemenate schreitet, dann möge es sich dieses heiteren Spektakels erinnern."

