Geschmückte Trecker, historische Kostüme, fantasievolle Schaubilder - der Breitenauer Festumzug war abwechslungsreich. Kein Wunder, dass ihn fast das ganze Dorf sehen wollte.
Geschmückte Trecker, historische Kostüme, fantasievolle Schaubilder - der Breitenauer Festumzug war abwechslungsreich. Kein Wunder, dass ihn fast das ganze Dorf sehen wollte.

Foto: Toni Söll

Breitenau: Ein Dorf im Ausnahmezustand

Nach 25 Jahren haben die Breitenauer wieder ein Heimatfest gefeiert

Breitenau. Wer gute Sicht haben will, muss früh kommen. Schon eine Stunde vor Beginn des Festumzugs am Sonntag in Breitenau waren die ersten Schaulustigen an die Kreuzung nahe des Feuerwehrdepots gekommen. Besonders Vorausschauende hatten sogar Klappstühle mitgebracht. Eine perfekte Sicht war ihre Belohnung.

Doch bevor die Marschierenden zu sehen waren, waren sie zu hören. Trommelwirbel und Paukenschläge kündigten den nahenden Festumzug an. Tosender Applaus brach los, als der Schellenberger Fanfarenzug als Vorhut um die Ecke kam. Dahinter marschierten Hans-Joachim Beer, der Breitenauer Ortsvorsteher, weitere Mitglieder des Ortschaftsrates sowie Oederans Bürgermeister Steffen Schneider (Freie Wähler). Wenig später folgte eine festlich geschmückte Pferdekutsche, in der die ältesten Bürger Breitenaus Platz genommen hatten.

Das ganze Dorf hatte dem großen Festumzug, dem Höhepunkt des Breitenauer Heimat- und Vereinsfestes, entgegen gefiebert. 31 Schaubilder, mehrere Kutschen und Reiter, ein Eselskarren und eine Kuh sowie unzählige große und kleine Traktoren - etwa eine Stunde dauerte es, bis das Spektakel mit knapp 800 Teilnehmern an den Zuschauern vorbeigezogen war. "Auf den großen Festumzug haben wir uns ganz besonders gefreut", sagte Ulrike Nowak, eine der Zuschauerinnen. Sie war mit einigen Freunden von Hohenfichte nach Breitenau gewandert, um beim außergewöhnlichen Schauspiel dabei zu sein.

Die ersten Schaubilder stellten die Ortsgeschichte Breitenaus dar. Thematisiert wurden zum Beispiel die alte Salzstraße, die Folgen der Pest und der Dreißigjährige Krieg. Die Bürger hatten sich einfallsreich kostümiert. Bauern, Adlige, Kirchenmänner, Bergleute und Wanderer zogen durchs Dorf, begleitet vom Applaus der Umstehenden und Klicken Hunderter Fotoapparate.

Weiter hinten im Tross folgten Darstellungen traditioneller Handwerke, die es in Breitenau gab und gibt. Das Spektrum reichte vom Köhler über den Weber und Schneider bis hin zum Korbmacher. Staunende Blicke zog die Darstellung vom Leben auf dem Bauernhof auf sich. Die Breitenauer hatten einen kompletten Stall und ein Bauernhaus samt Bewohnern auf einen großen Traktor mit Anhänger gezimmert.

Mit großer Spannung erwartet wurde auch das Schaubild zum seit Jahren schwelenden Streit um den Ausbau der Straße des Friedens. "Wir werden beim Festumzug eindeutig unsere Meinung dazu zeigen", hatte Ortsvorsteher Beer im Vorfeld angekündigt. Das Lachen blieb den Zuschauern im Hals stecken, als zwei schwarze Pferde einen Wagen vorbeizogen, in dem ein schwarzer, glänzender Sarg lag. "Unser Dorf soll schöner werden", lautete der ironische Titel des Schaubildes. Auf den Seiten des Leichenwagens prangten die "Totengräber der Kreisstraße Breitenau" - Abbilder des Landrats Volker Uhlig, des Landtagsabgeordneten Gernot Krasselt sowie des sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich (alle CDU).

Den Abschluss den Festumzuges bildeten die örtlichen Vereine. "Dieses Fest ist ein Fest unserer Vereine", sagte Ortsvorsteher Hanns-Joachim Beer und nannte die Freiwillige Feuerwehr, den Fußballverein und den Carnevalsclub. "Man merkt diesem Fest an, dass die Breitenauer ihren Ort und ihre Heimat lieben", sagte Bürgermeister Steffen Schneider in seiner Festrede.

Bei einem Spaziergang durch den Ort hatte das Stadtoberhaupt gesehen, wie bunt die Breitenauer ihr Dorf anlässlich des Festes herausgeputzt hatten. Von vielen Balkonen grüßten Strohpuppen die Besucher des Festes. "Das gefällt mir wirklich sehr gut", sagte Schneider. Dann sorgte er mit einer launischen Rechnung für Lacher: "Warum sitzen so viele Puppen in den Vorgärten? Weil sonst niemand beim Festumzug zugucken könnte. Daran beteiligen sich 800 Leute, und Breitenau hat nur 917 Einwohner."

Auch Vivien Grünert aus Falkenau hatte die Puppen ausgiebig bewundert. "Ich habe sie mir zusammen mit meiner Mama angeschaut. Sie sind wirklich lustig und sehen sehr schön aus", sagte die Siebenjährige. Zusammen mit ihrer Mutter Jana Grünert war das Mädchen am Sonntagvormittag über den Mittelaltermarkt auf dem Festplatz gebummelt, der anlässlich des Heimat- und Vereinsfestes aufgebaut worden war.

 
erschienen am 28.05.2012 ( Von Franziska Pester )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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