Ohne Fußweg keine neue Straße: In Breitenau brodelt es. Denn niemand will den Gehweg - auch nicht vor der Arztpraxis. Denn die Patienten kommen mit dem Auto.
Foto: Toni Söll
Breitenauer laufen gegen Fußweg Sturm
Kampf um die dringende Sanierung der Kreisstraße 7706 geht in eine neue Runde
Breitenau. In Breitenau brodelt es. Fördermittel für die marode Dorfstraße will das Landesamt für Straßenbau und Verkehr nur bereitstellen, wenn Kreis und Stadt Oederan einen Fußweg entlang der Fahrbahn bauen lassen. Die Breitenauer aber wollen diesen Fußweg nicht und sprechen von vorsätzlicher Geldverschwendung - und das in Zeiten knapper Kassen. Für zusätzlichen Zündstoff sorgen verworrene Eigentumsverhältnisse, die dazu führen könnten, dass die Straße am Ende doch nicht saniert wird.
"Vor Pfingsten gab es ein Treffen zwischen Vertretern der Stadt, des Landkreises und der fördermittelgebenden Behörde. Dort wurde der Bau des Fußweges gefordert", sagt Bauamtsleiterin Petra Wolf. Dieser soll am Sportplatz in Breitenau beginnen und von dort bis nach Oederan führen. "Die Verantwortlichen im Straßenbauamt sagen, dass wir die Straße nicht isoliert sehen dürfen. Straße und Gehweg müssten als eine Einheit betrachtet werden", erklärt Bauplanerin Corinna Arnold. Da an der Kreisstraße sowohl der Sportplatz und der Kindergarten als auch eine Arztpraxis und eine Gaststätte angesiedelt sind, ist der Fußweg aus Sicht des Landesamtes dringend notwendig.
Die Kosten für den Bau des kompletten Fußweges werden derzeit mit insgesamt rund 153.000 Euro beziffert. Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr hat Fördergelder in Höhe von knapp 72.000 Euro in Aussicht gestellt. Diese Gelder würden an den Landkreis ausgezahlt werden, weil dieser Bauherr ist. Die restlichen Kosten für das Bauvorhaben, in etwa 82.000 Euro, müsste die Stadt Oederan selbst tragen.
"Für die Straße zahlt der Kreis", sagt die Oederaner Bauamtschefin. Dafür muss er 1,2 Millionen Euro investieren, hat aber Aussicht auf Förderung. "Die Stadt hat kein Geld und der Freistaat eigentlich auch nicht. Angesichts knapper Kassen ist die Forderung nach diesem Gehweg reine Geldverschwendung", schimpft Reinhard Walla (CDU), der neben seiner Arbeit im Oederaner Stadtrat auch als Ortschaftsrat in Breitenau tätig ist.
"Niemand in Breitenau will diesen Gehweg, aber das Landesamt zwingt uns, ihn zu bauen, wenn wir die Straße saniert haben wollen", sagt er. Aus seiner Sicht gibt es für den Fußweg keinerlei Bedarf. "Wir haben keine Schule. Es gibt keine Kinder, die alleine mehrmals täglich entlang der Straße laufen." Die Patienten der Arztpraxis würden mit dem Auto kommen, und auch viele Jungen und Mädchen, die den Kindergarten besuchen, würden von ihren Eltern mit dem Fahrzeug abgeholt. "Wenn am Tag fünf Leute die Straße entlang laufen, dass sind das schon viele", behauptet er.
Doch neben den Kosten, die nun unvorhergesehen auf die Stadt zukommen, gibt es noch ein ganz anderes Problem. Damit der Fußweg gebaut werden kann, müssen einige Anlieger Teile ihres Grundstückes an die Stadt verkaufen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Eigentumsverhältnisse entlang der Straße teilweise unklar sind. "Die Straße verläuft im Moment an einigen Stellen auf privaten Grundstücken oder auch der Straßengraben ist schon Teil eines Grundstücks", erklärt Bauplanerin Arnold. Auch diese Flächen müsste die Stadt vor Baubeginn erwerben. Insgesamt seien elf Anlieger betroffen. "Wenn ein Grundstückseigentümer nicht verkaufen sollte, dann scheitert der Bau in diesem Jahr", stellte das Landratsamt am Dienstag auf Anfrage klar. Letzte Möglichkeit, die Kreisstraße dann doch noch sanieren zu können, sei ein Enteignungsverfahren. "Das kann aber zwischen drei und sieben Jahre dauern", hieß es.
Breitenaus Ortsvorsteher Hanns-Joachim Beer überlegt nun, eine Bürgerversammlung einzuberufen, um die betroffenen Anwohner über das Problem aufzuklären und um Einsicht zu bitten. "Dann muss eine ordentliche Vermessung stattfinden, damit die Leute überhaupt wissen, um wieviel Fläche es sich handelt", fordert Reinhard Walla. Eine angeforderte Stellungnahme des Straßenbauamtes lag bis Redaktionsschluss am Dienstagabend nicht vor.

