Mike Flemming vom Verein Pro Mountain Biking.Foto: Toni Söll/Archiv
Fürs Adrenalinhoch illegal den Berg runter
Verbotene Radler-Pisten durch den Wald sorgen für Ärger
Augustusburg. Wildwest in Augustusburg? Es hat den Anschein. Denn der Augustusburger Rolf Epperlein ist nicht der einzige, der auf seinen Spaziergängen auf Waldwegen um die Stadt in Konflikt mit illegal zu Tale brausenden Downhillern geriet. Diese Radfahrer, die ihren Adrenalinkick aus dem Herunter- rasen möglichst steiler Pisten beziehen, haben vor geraumer Zeit den Hang am Buschgartenweg für sich entdeckt. Mehrere von ihnen angelegte Strecken ziehen sich mittlerweile von dort durch den Wald Richtung Erdmannsdorf.
Seit neuestem stürzen sich Downhiller auch über die einstige Sprungschanze zu Tale. "Sie haben dort eine richtige Rennstrecke mit Rampe angelegt und dafür sogar Bäume gefällt", ist Rolf Epperlein erbost über diesen Frevel an der Natur. Und damit hat er Recht, denn der einst schöne, dicht bewachsene Hang ist in diesem Abschnitt kaum wiederzuerkennen. "Nach dem sächsischen Waldgesetz ist das unzulässig", reagierte Rolf-Dieter Richter, zuständiger Leiter des Staatsbetriebs Sachsenforst im Bezirk Chemnitz, mit dem Problem konfrontiert. Wie er sagte, habe der zuständige Revierleiter den Einstieg zu den Trassen am Buschgartenweg mittlerweile mit Holz blockiert. "Wir sind aber nicht davor gefeit, dass es wieder weggeräumt wird", sagte er. Zu Recht, denn am Mittwoch war von diesen "Blockaden" nichts mehr zu sehen.
So bleibt Richter wohl nun nur noch, mit seiner Ankündigung Ernst zu machen: "Sobald in dem Areal wieder was los ist, werden wir Anzeige bei der Unteren Forstbehörde im Landratsamt erstatten." Denn die ist seit der jüngsten Umstrukturierung zuständig für den Schutz des Waldes und kann hoheitliche Aufgaben wie zum Beispiel Kontrollen vornehmen.
Ulrich Lange, zuständiger Referatsleiter im Landratsamt Mittelsachsen, will davon, wie er sagte, auch Gebrauch machen: "Ich werden unseren Hoheitsrevierleiter veranlassen, im Rahmen seiner dienstlichen Möglichkeiten dort Forstschutzkontrollen durchzuführen." Denn wie er erklärt, ist das Radfahren im Wald zwar auf Straßen und Wegen gestattet, nicht aber auf Sport-, Lehrpfaden und Fußwegen und mitten durch den Wald gleich gar nicht. Überschreitungen würden als Ordnungswidrigkeiten geahndet und könnten durchaus von 50 bis sogar 2500 Euro teuer werden. Allerdings, so verweist Lange, habe das Downhill-Fahren bei Augustusburg "ein Geschmäckle", weil die Stadt gemeinsam mit dem Freizeitzentrum Rosts Wiesen plane, eine reguläre Downhill-Strecke anzubieten.
"Wir versuchen, eine ordentliche Strecke einzuplanen, haben dabei auch die Mitglieder des Vereins Pro Mountain Biking mit am Tisch. Aber bis es soweit ist, müssen sich die Downhiller bitteschön an die Spielregeln halten. Alles andere läuft unseren Bestrebungen zuwider", sagt Augustusburgs Bürgermeisterin Evelyn Jugelt (CDU). Das sieht auch Mike Flemming von besagtem Verein so. Er weiß nicht, wer die illegalen Pisten nutzt. Nur soviel: "Dass es meine Truppe nicht ist. Und auch vom Team Woodex nicht. Wir fahren dort nicht mehr, weil wir wollen, dass eine legale Strecke eingerichtet wird. Andernfalls würden wir uns doch selber ins Knie schießen." Er verweise auch alle, die ihn fragten, auf die derzeit zur Verfügung stehende Strecke am Rande von Rosts Wiesen. Flemming weiß, dass viele Downhiller von außerhalb nach Augustusburg kommen. "Aber was die da im Wald tun, ist illegal und kontraproduktiv", sagt der Radsportler, der sich im Juli über den Bund Deutscher Radfahrer zum Streckenlegalisierer qualifiziert hat. In diesem Amt ist ebenso das Auflösen von Konfliktpotenzial beim Einrichten von Strecken seine Sache. "Auch Bürger dürfen sich gern an mich wenden", betont er.
Kontakt unter legalize-mtb@t-online.de



21:38 Uhr
klausg: Natürlich bin ich bei dem Thema auch zwiegespalten. Einerseits versteh ich den Augustusburger Bürger, der sich über den Waldschaden empört. Andererseits sind mir die Burschen mit ihren Fahrrädern auch sympathisch, die ihre Freizeit im Freien verbringen und nicht vor dem TV oder PC verblöden. Ich fahre auch ab und zu mit der Drahtseilbahn, dabei kann man schon einen Eindruck von ihnen gewinnen. Es muß eine Lösung her.
So lange es keine legale Strecke gibt, wird es immer wieder illegale Abfahrten geben. Mit absoluten Verboten wird man hier nicht weiter kommen, es kann keiner wirklich durchsetzen. Es finde es begrüßenswert, daß es jetzt einen Verein als Ansprechpartner gibt, der sich seriös um das Thema kümmert. Jetzt sind die Stadt und der Forst gefordert. Kann man nicht das Areal auf der Seite von Rosts Wiesen bis ins Tal den Radfahrern widmen? Die Rodelbahnseite sollte den Wanderern vorbehalten sein. Die Bahn ist die Grenze. So gibt es eine Trennung und das Konfliktpotential wird reduziert.
PS: Was mich letztes Wochenende aber wirklich gestört hat, waren die motorisierten Zweiradfreunde, die mit ihren hubraumstarken Maschinen und ohrenbetäubendem Lärm permanent die Serpentinen nach Augustusburg hochgedonnert sind. Da würde ich mir persönlich mal wünschen, daß jemand was dagegen unternimmt!