Das seit 2006 leer stehende ehemalige Ausflugs- und Speiselokal an der Zschopaubrücke kann in dem Augustusburger Ortsteil in die Liste der Schandflecke aufgenommen werden.
Foto: Claudia Dohle
Gasthaus Kadow bleibt "Heute geschlossen"
Für weitere Sanierung der einstigen Erdmannsdorfer Top-Adresse fehlt Besitzern das Geld - Umbau teurer als geplant - Zukunft des Gebäudes unklar
Erdmannsdorf.
Erdmannsdorf. Bei einem Blick durch die verdreckten Fenster bietet sich ein trostloses Bild. Fast nackte Ziegelwände, von denen hier und da noch etwas Putz abbröckelt. Leitungen hängen frei, Kabelschächte sind aufgerissen. Im oberen Stockwerk sind Scheiben eingeschlagen. An manchen Stellen kann man von der ehemaligen Gaststube im Erdgeschoss bis hinauf unters Dach schauen, da keine Decken mehr vorhanden sind.
An der Aussparung in den Holzdielen und den aus dem Boden ragenden Anschlüssen kann man noch genau erkennen, wo der Tresen stand. Nach den letzten Arbeiten ist vergessen worden, den Bauschutt zusammen zu kehren. Das ist fast zwei Jahre her. Seitdem hat sich im Gasthaus Kadow in Erdmannsdorf nichts mehr getan. Die ehemalige Ausflugsgaststätte an der Zschopau verfällt.
"Die Situation ist unverändert", teilte Janet Horn am Dienstag auf Anfrage mit. Für die weitere Sanierung sowie den Aus- und Umbau des Gebäudes fehle nach wie vor das Geld, sagte die Besitzerin. "Im Moment bleibt alles so, wie es ist. Dadurch wird der Zustand des Hauses nicht besser. Schlechter kann er aber auch nicht mehr werden", sprüht die Frau nicht gerade vor Optimismus, dass die Arbeiten in absehbarer Zeit fortgesetzt werden können.
Zusammen mit zwei Mitstreitern hatte Janet Horn die einstige Erdmannsdorfer Top-Adresse Anfang 2008 gekauft, um aus dem traditionsreichen Gasthof wieder eine "gemütlich-rustikale Gaststätte mit Tanzsaal" zu machen, nachdem das Gebäude ein Jahr leer gestanden hatte. Denn die Vorbesitzer hatten sich Ende 2006 nach mehr als drei Jahrzehnten an Theke und Herd aus Altersgründen in den Ruhestand verabschiedet und das Lokal geschlossen.
Die drei neuen Besitzer machten sich sofort ans Entkernen der Räume, Weihnachten 2008 sollte Wiedereröffnung sein. Doch nach drei Monaten ging den ehemaligen Pächtern des Biergartens der Chemnitzer Zeisigwaldschänke, die für das Erdmannsdorfer Projekt einen Kredit in sechsstelliger Höhe aufgenommen hatten und nebenbei auch das Parkhotel Hoyer in Adelsberg betrieben, die Puste aus. Denn während den Arbeiten an dem über 160 Jahre alten Gebäude ist festgestellt worden, dass die Sanierungskosten deutlich über der geplanten Summe liegen würden.
So habe ein Gutachten ergeben, dass alle Holzelemente erneuert werden müssten. Rund eine Million Euro seien erforderlich, um das unter Denkmalschutz stehende Gebäude wieder auf Vordermann zu bringen, meint Janet Horn. Den früheren Eigentümern mache sie keinen Vorwurf. "Die haben sich korrekt verhalten. Das konnte ja keiner ahnen", betont die gelernte Restaurantfachfrau.
Die wirtschaftliche Situation lasse momentan eine Wiederaufnahme der Sanierungsarbeiten nicht zu. Zudem habe es Streitigkeiten im Besitzer-Team gegeben, sagt die Gastronomin, die seit Anfang Februar nicht mehr Pächterin des Hotels in Adelsberg ist, sondern ein Landhotel bei Stollberg betreibt. An ihren Plänen in Erdmannsdorf möchte sie dennoch festhalten, unterstreicht Janet Horn: "Allerdings kann ich nur soviel Geld ausgeben, wie ich habe." Das Schild im verdreckten Fenster neben der Eingangstür wird also auch morgen noch hängen. "Heute geschlossen" ist darauf zu lesen - ein trostloses Bild.


