Keine Übung: Während des Festes mussten Feuerwehrleute einen Kabelbrand löschen.Foto: Claudia Dohle
Geburtstagsparty auf Rädern
Über 10.000 Besucher feiern 100.Geburtstag der Drahtseilbahn - Kabelbrand im Freizeitzentrum sorgt für Aufsehen
Augustusburg. Augustusburg. Eine super Geburtstagsparty zu ihrem "100." hat die Drahtseilbahn Erdmannsdorf-Augustusburg am Sonntag erlebt. Nach Angaben der Veranstalter strömten mehr als 10.000 Besucher nach Augustusburg. Da gab es ein hochkarätiges Programm, das ab 10 Uhr von der Talstation bis hinauf in die Altstadt für jede Altersgruppe etwas zu bieten hatte.
Triathlet hängt alte Dame ab
Kein bisschen Respekt vor der Jubilarin hatte Daniel Rockoff. Der Ausdauerspezialist vom TSV Flöha hängte die Drahtseilbahn beim Bergsprint gnadenlos ab und war mehr als eineinhalb Minuten vor ihr im Ziel. Mit einer Laufzeit von 6:21 Minuten stellte der 28-Jährige einen neuen Streckenrekord auf. "Ich war zum ersten Mal dabei, es hat richtig Spaß gemacht", sagte Rockoff, der mitten in der Vorbereitung auf einen Triathlon in Regensburg steht, wo er sich für den Ironman auf Hawaii qualifizieren möchte. Beim mittlerweile sechsten Duell Mensch gegen Maschine waren insgesamt 80 Läufer am Start. 17 Bergsprinter blieben unter der magischen Acht-Minute-Grenze - der Zeit, die die Drahtseilbahn für die 1239,8 Meter lange Strecke zwischen Tal- und Bergstation benötigt. Der Sieg in der Sonderwertung ging an Merlin Schlegel. Der Zehnjährige von der TSG Oederan war zudem der jüngste Teilnehmer.
"Etwa auf der Hälfte hat mich die Bahn überholt", berichtete Ulrich Heyer von seinem fünften Kräftemessen mit der alten Dame. Obwohl der 57-Jährige aus dem Flachland stammt, ist er schon früh "Bergziege" gerufen worden, wie der aus Riesa stammende Kletterspezialist schmunzelnd verriet. Ute Blumtritt waren die bewältigten 168 Höhenmeter im Ziel noch deutlich anzusehen. "Das nächste Mal nehme ich doch wieder die Bahn", sagte die Hobby-Läuferin aus Chemnitz.
Dass Mike Auffenberg bei seinem nächsten Augustusburg-Aufenthalt ein Ticket für die Drahtseilbahn erhält, darf eher bezweifelt werden. Denn dann müsste Betriebsleiter Peter Donat damit rechnen, dass die neun Tonnen schwere Fuhre auf den Hinterrädern oder zur Seite gekippt in den Bahnhof rollt. Denn der Stuntman aus Thüringen stellte bei seiner spektakulären Show auf dem Parkplatz an der Sommerrodelbahn vor mehreren hundert begeisterten Zuschauern alles aufs Vor- oder Hinterrad, was er aus Kleinberndten mitgebracht hat: Motocross- und Trial-Maschinen, Straßenmotorräder und ein Quad.
Nachdem Auffenberg seine Geburtstagsglückwünsche mit qualmendem Hinterreifen in den Asphalt "geschrieben" hatte, balancierte der 38-jährige Artist sogar eine Trial-Maschine ohne Vorderrad übers Areal. Und (fast) mitten in der Fahrt stoppte er etwa 30 Zentimeter vor Peggy Richter und drückte der 29-jährigen Leubsdorferin ein Küsschen auf die Wange. "Ich zittere immer noch", gab die aparte Brünette nach dieser Begegnung der dritten Art zu. Ihr Mann Falk hingegen blieb locker: "Ich hatte Vertrauen zu ihm", sagte er. Zudem machte Trial-Artist Auffenberg der Drahtseilbahn Konkurrenz, als er sein Quad zum "Massentransportmittel" umfunktionierte - und es, mit sechs Freiwilligen darauf, lässig auf die Hinterachse hob.
War es beim Drahtseilbahnlauf am Vormittag noch im Laufschritt bergauf gegangen, so ging es am Nachmittag beim 2. Schloss-Cross gleich einige Zacken schärfer wieder bergab. Das Downhill-Rennen, bei dem 50 Mountainbiker aus Sachsen, Thüringen und Brandenburg auf einer abgesperrten, mit mehreren Holzrampen versehenen Strecke von der Bergstation, über den Skihang bis hinunter zur Alaunbachbrücke per Einzelstart den Schnellsten kürten, gehörte zu den Höhepunkten der ganztägigen Sause des Verkehrsverbundes Mittelsachsen (VMS). Der Sieg ging an Martin Baumgärtel aus Hohenstein-Ernstthal. Lokalmatador Falk Baron aus Grünberg belegte den zweiten Platz.
Den Rummel um den 100. Geburtstag der alten Dame nutzte der VMS auch gleich, um einen Triebwagen der Erzgebirgsbahn auf den Namen "Stadt Augustusburg" zu taufen. "Jetzt ist die Stadt auf unseren vier Linien, die insgesamt 413Kilometer lang sind, präsent", sagte Wolfgang Leibiger von der Geschäftsführung der Erzgebirgsbahn. Er hofft, dass viele Fahrgäste am Haltepunkt Erdmannsdorf aussteigen und dann mit der Drahtseilbahn, die auch zum VMS gehört, hoch nach Augustusburg fahren. Bürgermeisterin Evelyn Jugelt (CDU) nickte: "Die neue Schnittstelle zwischen Bus und Bahn mit dem neuen Parkplatz bietet gute Voraussetzungen." Dass noch ein moderner Informations- und Wartepunkt hinzukommt, betonte Architektin Steffi Geilert: "Das soll ein Hingucker werden."
Keine Feuerwehrübung
Ein Kabelbrand im Freizeitzentrum "Rosts Wiesen" sorgte 14.30 Uhr für Aufsehen - ungeplant. Viele der Festbesucher vermuteten anfangs eine Showeinlage der Feuerwehren, die bis zuletzt geheim gehalten worden war. Sie entpuppte sich jedoch als Ernstfall: Jörg Hammer, einer der Geschäftsführer des Freizeitzentrums, hatte kurz zuvor im technischen Bereich des Gebäudes zum Feuerlöscher greifen müssen.
"Erst gab es einen Knall, dann schlugen mir schon Flammen entgegen", sagte Hammer und bekräftigte, dass er bereits nach zwei Minuten das Feuer unter Kontrolle hatte. Dem umsichtigen Handeln der Geschäftsführung ist es zu verdanken, dass niemand verletzt wurde und das Fest trotzdem nicht beeinträchtigt wurde. Die knapp 200 Gäste des Hauses verließen dieses ohne Panik. Binnen kurzer Zeit rückten die Feuerwehren aus Hennersdorf, Augustusburg und Erdmannsdorf an. Weil sich jedoch im Kabelschacht unter dem Verbindungstrakt ein Schwelbrand ausbreitete, wurden die Wehr aus Hohenfichte sowie eine Wärmebildkamera aus Oederan nachgefordert. Einsatzleiter René Gläser von der Freiwilligen Feuerwehr Augustusburg führte umsichtig seine fast 40Kräfte und bescheinigte ihnen eine gute Arbeit. Der Einsatz zog sich mit den notwendigen Restarbeiten bis in die frühen Abendstunden hin.


