Jakobsweg: Pilger brauchen Unterkünfte
Bisher fehlte es an Quartieren - In Oederan ist eine Lösung in Sicht
Liebgard Veit freut sich schon auf ihre ersten Gäste: "Ich bin gespannt, wen es zu uns verschlägt", sagt die Oederanerin. Ab Juni wollen die 58-Jährige und ihr Ehemann Helmut, beides aktive Christen, vier Betten für Pilger auf dem Sächsischen Jakobsweg bereitstellen.
"Und wir können auch bei Bedarf um zwei Plätze auf dem Sofa aufstocken", sagt Liebgard Veit. Ihr Sohn ist ausgezogen - seitdem steht das Dachgeschoss in der Bahnhofstraße 14 frei. "Und Quartiere für Pilger werden ja dringend gebraucht", weiß die Oederanerin.
Das bestätigt Siegfried Bayer, einer der Chemnitzer Initiatoren des Pilgerweges: "Wir sind über jede preiswerte Herberge froh". In Freiberg gibt es bereits Übernachtungsmöglichkeiten, im Falkenauer Ferienhof sowie in Euba ebenfalls. "Und jetzt ist auch die Lücke in Oederan geschlossen", sagt Bayer.
Lücken gab es noch im vorigen Jahr ebenso in der Markierung des Pfades. Viele Pilger beschwerten sich bei der Stadtinformation in Oederan, weil sie sich verirrt hatten. Inzwischen wurden mehrere Wegzeichen - stilisierte Jakobsmuscheln - ergänzt. "Jetzt gibt es keine Beschwerden mehr", sagt Erika Wünsch von der Stadtinformation.
Nach der Kritik liefen der Chemnitzer Heinz-Werner Lehmann und der Oederaner Wanderwegewart Bernd Emmrich die Strecke noch einmal ab. An einigen Stellen brachten sie zusätzliche Schilder an - mit Erfolg. Der Sächsische Jakobsweg ist jetzt kein Irrweg mehr.
In der Stadtinformation Oederan schauten im vergangenen Jahr oft Touristen vorbei, die auf dem Pfad unterwegs waren. "In diesem Jahr geht die Saison ja erst los. Wir rechnen aber mit noch mehr Pilgern", sagt Erika Wünsch. Um genaue Zahlen zur Nutzung des Pfades zu bekommen, soll in der Stadtinformation Chemnitz eine Stempelstelle eingerichtet werden. Erika Wünsch hofft zugleich, dass die Wanderer auch die Oederaner Sehenswürdigkeiten, wie beispielsweise das Klein-Erzgebirge, das Webmuseum und die Stadtkirche, besuchen. "So kann auch die Stadt von dem Jakobsweg profitieren", sagt sie.
Die Oederaner Herbergseltern Liebgard und Helmut Veit richten indes gerade das Pilgerquartier in ihrem Haus vor. Jeder Übernachtungsgast soll pro Nacht einen kleinen Betrag zahlen. Verpflegung gibt es keine. "Als gläubige Christin freue ich mich, wenn ich Pilgern auf dem Sächsischen Jakobsweg ein Obdach bieten kann", sagt Liebgard Veit.

