Designer-Sitzmöbel für die traditionsreiche Firma Thonet in der Galerie auf Schloss Lichtenwalde. Derzeit wollen durchschnittlich nur vier bis sechs Besucher am Tag die Ausstellung sehen.
Designer-Sitzmöbel für die traditionsreiche Firma Thonet in der Galerie auf Schloss Lichtenwalde. Derzeit wollen durchschnittlich nur vier bis sechs Besucher am Tag die Ausstellung sehen.

Foto: Wolfgang Schmidt

Machtkampf um die Design-Galerie

Heftiger Streit um die Ausstellungsräume der Fakultät für Angewandte Kunst Schneeberg

Lichtenwalde. 800 Freunde der Galerie Angewandte Kunst Schneeberg fanden am Dienstag eine E-Mail in ihrem Postfach, die es in sich hat: In einem offenen Brief an die Schlossbetriebe Augustusburg/Scharfenstein/Lichtenwalde warnen Spitzenvertreter der Schneeberger Fakultät davor, die Ausstellungsräume in Lichtenwalde zur "Veranstaltungsstätte für Betriebs- und Hochzeitsfeiern, für Firmen oder Vereine" zu degradieren. Ihr Vorwurf: Geschäftsführerin Patrizia Meyn wolle die Galerie abwickeln. Sie habe das gemeinsame Büro eigenmächtig schließen lassen und die Hochschule bewusst getäuscht. Das Schreiben, unterzeichnet unter anderen von zwei Professoren, Dekan Gerd Kaden und Galerieleiter Jochen Voigt, gipfelt in dem Satz: "Die plötzliche, unangekündigte und vollkommen vertragsbrüchige Schließung ist nicht nur rechtlich indiskutabel, sondern stellt ein desaströses Signal ersten Ranges in einer von Wirtschafts- und Identitätskrisen geschüttelten Zeit dar - niemand hätte unsensibler handeln können."

Was war geschehen? Mit der Sanierung von Schloss Lichtenwalde wurde vor zwei Jahren in der Remise des Barockbaus eine Design-Galerie eingerichtet, in der die Fakultät Angewandte Kunst Schneeberg der Westsächsischen Hochschule Zwickau wechselnde Ausstellungen und Kunstgespräche organisiert. Für die Betreuung der Besucher wurde ein Büro eingerichtet. Der Mitarbeiter, ein Angestellter der Schlossbetriebe, ist vor allem mit der Organisation von Veranstaltungen im Haus betraut. Nebenbei verkauft er die Tickets für die Galeriebesucher.

Der Arbeitsplatz des Mitarbeiters wurde nun am Wochenende an die Kasse des Schloss-Museums verlegt - offenbar ohne Rücksprache mit den Galeriebetreibern. Seither ist die Ausstellung verschlossen. Interessenten können sich aber, so ist auf einer Infotafel zu lesen, an der Museumskasse melden, ihr Ticket lösen und werden dann eingelassen.

Für Ausstellungsleiter Voigt ist das der Anfang vom Ende: "Die Galerie soll abgebaut werden. Alle Zeichen deuten auf Schließung." Im August vergangenen Jahres sei von der Schlossleitung der absurde Vorschlag gekommen, aus Kostengründen den Einlass per Drehkreuz zu sichern. Danach habe die Gegenseite alle Gespräche platzen lassen. Im Veranstaltungsführer des Hauses werde seine Galerie ignoriert, wettert der Schneeberger Professor. "Das steht jedes Bratwurstessen im Schloss drin - uns gibt es gar nicht."

Patrizia Meyn reagierte am Dienstag mit Unverständnis auf die Vorwürfe. Sie sagte: "Die Galerie Angewandte Kunst in Schloss Lichtenwalde war und ist zu keinem Zeitpunkt von Schließung bedroht. Weder der Galeriebetrieb noch die Veranstaltungen sollen eingestellt werden." Die Geschäftsführerin sprach lediglich von einer organisatorischen Veränderung, der Verlegung der Kasse. Hochschule und Galerieleitung seien drüber schriftlich informiert worden. Zum Hintergrund erklärte Meyn, man wolle Schloss und Park Lichtenwalde zur "Begegnungsstätte der Kultur mit Alleinstellungsmerkmal" entwickeln - gemeinsam mit der Hochschule. Dafür sei eine solide finanzielle Grundlage nötig, die nur durch Vermietungen zu erreichen sei.

"Um die Galerie auf eine wirtschaftlichere Basis zu stellen, müssen dringend Konzepte entwickelt werden", betonte die Geschäftsführerin. Zurzeit produziere die Galerie ein jährliches Defizit von 30.000 Euro. Schloss-Sprecherin Andrea Rook ergänzte: "Pro Tag kamen zuletzt vier bis sechs Besucher."

Um den Streit einzudämmen, schlägt Meyn vor, ein für die nächsten Tage angesetztes Gespräch mit Dekan und Ausstellungsleiter vorzuverlegen. Voigt stellt gleichermaßen klar: "Wir wollen an den Verhandlungstisch." Zugleich macht die Hochschule aber weiter Druck - unter anderem mit einer Petition der Studentenschaft an den sächsischen Finanzminister.

 
erschienen am 31.01.2012 ( Von Oliver Hach )
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