Der Andrang zu den Tagen der offenen Tür in der Erzgebirgischen Holzkunst Gahlenz ist groß. Mitarbeiterin Heike Bartzsch hält seit 22 Jahren dem Betrieb die Treue. Die GmbH gehört zu den renommiertesten Firmen der Region, hat jüngst beim Wettbewerb "Tradition und Form" einen Preis gewonnen. 
Der Andrang zu den Tagen der offenen Tür in der Erzgebirgischen Holzkunst Gahlenz ist groß. Mitarbeiterin Heike Bartzsch hält seit 22 Jahren dem Betrieb die Treue. Die GmbH gehört zu den renommiertesten Firmen der Region, hat jüngst beim Wettbewerb "Tradition und Form" einen Preis gewonnen.

Foto: Toni Söll/Archiv

Männelmachern geht der Nachwuchs aus

Einst war der Beruf Holzspielzeugmacher heiß begehrt

Görbersdorf. Den Männelmachern in der Region geht der Nachwuchs aus. Zumindest könnte es in einigen Jahren mit Holzspielzeugmachern dünn aussehen. Für das bevorstehende Lehrjahr in Seiffen, an der einzigen Holzspielzeugmacher- und Drechslerschule in Deutschland, haben sich nur vier von zwölf möglichen Azubis gemeldet.

Eine Entwicklung, die vielen "alten Hasen " Sorgen macht. Holzgestalter Matthias Hillig hat diesen Trend zu spüren bekommen - in der eigenen Familie. "Mein großer Sohn ist in die Metallindustrie gegangen, sodass nur die Hoffnung bleibt, dass eventuell der Jüngere Fuß fasst. Erzwingen kann man nichts", betont der Görbersdorfer, in dessen Künstlerwerkstatt die Figuren "Dürrländer" entstehen. "Es ist bekannt, dass man in der Branche viel arbeiten muss, aber wenig Geld verdient. Idealismus ist angesagt." Da sieht er den Tag kommen, dass "wir immer weniger werden". Er bilde keine Lehrlinge aus, weil die Gestaltung seiner Figuren zu spezifisch sei.

Sorgen macht sich auch Annedore Krebs, die mit ihrer bezaubernden Puppenwelt deutschlandweit Anerkennung gefunden hat. Ob diese Art Gestaltung Zukunft hat? Die Grünhainichenerin hegt die Befürchtung, dass die individuelle Spielzeuggestaltung vom Aussterben bedroht ist - "auch in einer Weihnachtsregion".

Die Ursachen sieht Annedore Krebs in der enormen Handarbeit, die zu bewältigen sei. "Das muss sich in einer gewissen Hochpreislichkeit niederschlagen." Und zum anderen: "Zeitgeist und Geschmack in der Ära des Computers haben sich geändert." Eine Chance, Nachwuchs zu locken, seien verstärkte Werbekampagnen. "Man muss jungen Leuten in Workshops zeigen, wie interessant und einmalig die Arbeit eines Spielzeugmachers sein kann."

Genau das ist auch einer der Wege, den der Verband Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller einschlägt. Der Verband hat den Hut für die Ausbildung auf. Geschäftsführer Dieter Uhlmann: "Bei uns haben Hobbykünstler Gelegenheit, die Kunst des Drechselns, Schnitzens, Bemalens zu erlernen." Ebenso wichtig halte er es, die kreativen Möglichkeiten in diesem Beruf anschaulich zu machen. Dazu zählt er auch den jährlich in der "Freien Presse" veröffentlichten Wettbewerb "Tradition und Form". "Das ist ein wichtiges Spiegelbild für die Branche", sagt er.

Der gelernte Holzspielzeughersteller Lothar Fröhlich malt die Zukunft der Branche nicht nur in leuchtenden Farben aus. Eine Überlebenschance sieht der Schellenberger trotzdem: "Die Produkte müssen eine hohe Qualität besitzen, die von den Kunden angenommen wird." Künftig werde sich außerdem die Spreu vom Weizen trennen.

Grund zum Optimismus gibt es trotz allem. Deutschlands beste Holzspielzeugmacherin kam 2010 aus Flöha. Die 20-jährige Christel Hollstein war eine von 3000 Junghandwerkern, die sich dem Leistungswettbewerb der Handwerkskammern gestellt hatten und als Siegerin hervorging. Ihre praktischen Fähigkeiten hatte sie als Lehrling bei dem Eppendorfer Holzspielzeugmacher Torsten Martin erlernt und die Schule in Seiffen absolviert. "Als Tochter eines Tischlermeisters war mir der Beruf zwar in die Wiege gelegt. Aber ich habe frei entscheiden können und schon früh wurde mir klar, dass ich in die Holzbranche gehe", sagt sie.

 
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Männelmachern geht der Nachwuchs aus
"Azubi mit Anspruch fehlt"
 
erschienen am 06.08.2011 ( Von Eveline Roessler )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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