Trabi-Treffen außer der Reihe: Für den Fototermin postierten sich die Fans des DDR-Kultautos - vorn Kevin und Torsten Steiger.
Foto: Claudia Dohle
Nautilus schockt nicht einmal Hochwasser
Hohenfichte und Leubsdorf sind in Mittelsachsen noch wahre Trabi-Hochburgen
Hohenfichte. Hohenfichte. Ein luftgekühlter Zweizylinder-Zweitaktmotor unter der Motorhaube aus Duroplastpressstoff und 26 PS sorgen heute schon für Aufsehen. Kein Wunder also, dass es schlichtweg unmöglich ist, sich mit nur einem Trabifahrer zu verabreden. Besitzer des Autos mit Kultstatus kennen sich - deshalb knattern an diesem späten Freitagnachmittag gleich sechs wunderschöne Exemplare dieser vom Aussterben bedrohten Spezies auf das Zeitreise-Gelände in Hohenfichte. Einen besseren Treff kann es wirklich nicht geben.
Da ist das 67er Modell, das Reinhold Wittich 1977 aus erster Hand kaufte. "Der ist straff gerollt. Wir waren damit überall - an der Ostsee, in Thüringen, heute sind wir noch zweimal im Jahr in Bad Salzuflen", erzählt der Senior stolz. In der Zwischenzeit philosophieren die Jungen über gerissene Bowdenzüge und die Eichkante von Nautilus. Stopp, stopp - Eichkante? Nautilus? Natürlich habe ihr papyrusfarbenes Gefährt einen Namen, erklärt Susen Merbitz, als wenn es das Normalste der Welt sei. Die 24-jährige Blondine aus Leubsdorf zieht mit ihren coolen Alltagsauto logischer Weise die Blicke der Passanten auf sich. Es sei ihr dritter Trabant, der vierte würde gerade geklempnert, sagt sie.
Nautilus heißt der Flitzer erst seit dem Hochwasser im August. Da stand das Auto, Baujahr 1986, einen Meter tief im Wasser. Aber Plaste ist unverwüstlich. Die Männer schoben das Teil aus dem Wasser, und der Motor sprang nach einigen Trockenübungen wieder an.
In Mittelsachsen sind laut Landratsamt noch 838 Pkw Trabant zugelassen, davon 19 in offener Ausführung. 22 Spezies rollen noch mit einem Saisonkennzeichen, 372 mit FG, 148 mit MW und 145 mit DL. Eine wahre Trabi-Hochburg ist aktuell der Leubsdorfer Ortsteil Hohenfichte. Dort sind noch neun Plastebomber im Dienst - darunter auch einige Sommerautos. Marcel Langer beispielsweise besitzt ein solches Exemplar. "Es ist einfach viel zu schade für den Winter", sagt der Zweimetermann, der seinen Zweitwagen vor zehn Jahren von einem Kumpel kaufte. Die Pappe ist Baujahr 1987. Ein Griff in den Fonds und Langer bringt einen kleinen Zettel zum Vorschein. "Hier habe ich mir notiert, wie viel Öl ich zugeben muss, wenn ich eine bestimmte Literzahl Super getankt habe", erklärt er. Gemisch fließt schon lange nicht mehr aus den Zapfsäulen der Tankstellen. Kein Problem: Trabifahrer haben immer eine Flasche Öl im Kofferraum.
Veteran in der Runde ist das Schmuckstück (Baujahr 1964) von Claudio Müller, der mit einem Dübener Ei an der Trabi-Anhängerkupplung anrollt. Der Wohnanhänger aus DDR-Zeiten ist einfach nur praktisch und schlichtweg unverwüstlich. Wie viele Stunden Torsten Steiger aus Hohenfichte in den Traum in Himmelblau gesteckt hat, weiß er nicht. Stoßstange, Seitenschweller, Sportlenkrad, 155er Räder -eine wahre Augenweide. BMW-Sportsitze passten perfekt, und machen das Teil zu einem Zweisitzer.
Stichwort: Fundstücke
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