Die Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße in Plaue dient Autofahrern als Abkürzung - zum Ärger der Anwohner.
Foto: C. Dohle
Neue Tempo-30-Zone soll Flöha-Plaue schützen
Wirksamkeit der Maßnahme ist umstritten
Flöha. Steffi Grabowsky wohnt gern in Plaue - normalerweise. "Eigentlich ist es hier ruhig", sagt die Flöhaerin, während sie auf ihrem Grundstück an der Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße/Ecke Am Hang eine Pause von der Gartenarbeit macht. Doch diese Ruhe ist seit gut einem Monat passé. Seitdem hat sich der Verkehr auf der Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße vervielfacht. Vor allem nachmittags im Feierabendverkehr zieht sich eine wahre Blechkarawane an Grabowskys Grundstück vorbei. "Das nervt und ist sehr belastend."
Anfang Juni wurde die Augustusburger Straße am Flöhaer Ortsausgang gesperrt, um die neue Trasse der Bundesstraße 173 anbinden zu können. Die Umleitungsschilder führen die Autofahrer über Erdmannsdorf nach Augustusburg - doch bei weitem nicht jeder richtet sich nach ihnen. Ortskundige fahren über Ufer- und Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße durchs Plauer Wohngebiet und passieren, kurz bevor sie auf die Augustusburger Straße einbiegen, auch Grabowskys Grundstück.
Da die enge Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße von Anwohnern der Augustusburger Straße auch bergab befahren wird, kommt es zu turbulenten Situationen. "Fahrer, die den Gegenverkehr abwarten, stellen sich in meine Einfahrt", erzählt Grabowsky. "Wenn ich dann gerade nach Hause komme und nicht in die Garage fahren kann, ist das Chaos perfekt." Um das zu verhindern, hat sie ihre Einfahrt mit einer Schubkarre und Flatterband abgesperrt.
Nur einige Meter bergab wohnt Alex Amberger. Er hat vor kurzem beobachtet, dass sogar ein Lkw mit Anhänger abkürzen wollte - und an der steilsten Stelle liegen blieb. "Der musste sich rückwärts wieder runterrollen lassen." Seitdem ist die Durchfahrt für ähnlich schwere Fahrzeuge gesperrt. Alex' Mutter Elke Amberger stört vor allem, dass viele Schleichweg-Benutzer schneller fahren als erlaubt: Auf dem oberen Teil der Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße gilt für die Zeit der Umleitung Tempo 20. "Mindestens jeder Fünfte fährt deutlich schneller", sagt sie. Auch die Vorfahrtsregelung - rechts vor links - werde kaum beachtet. Wenn ich von rechts aus dem Gartenweg einbiegen will, fahren oft drei bis vier Autos vorbei. Manchmal werde ich sogar angehupt."
Neue 30er-Zone in Flöha-PlaueFoto: Tilo Steiner
Dass die öffentlichen Straßen im Wohngebiet als Schleichweg benutzt werden, kann die Stadtverwaltung nicht verhindern. Um die Belastung der Anwohner wenigstens ein bisschen zu verringern, hat sie das Tempolimit auf der Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße angeordnet. Zudem gilt im überwiegenden Teil des Wohngebiets seit wenigen Wochen Tempo 30 - doch das hat nichts mit der Sperrung der Augustusburger Straße zu tun.
Vielmehr handelt es sich um eine permanente Maßnahme, die auf einen Beschluss des Stadtrates zurückgeht. Laut Ratsmitglied Dierk Schülke (SPD) hat das Gremium als Reaktion auf mehrere Unfälle in der Sachsenstraße nach einer Lösung für mehr Sicherheit gesucht. "Da es sich um ein relativ beschauliches Wohngebiet handelt, in dem auch viele Kinder wohnen, haben wir uns für eine Tempo-30-Zone entschieden", sagt Schülke. "Klar ist aber, dass dort jetzt kontrolliert werden muss."
Die Stadt kann zu schnelle Fahrer jedoch nicht zur Kasse besitzen - sie besitzt kein dafür geeignetes Fahrzeug. "Die Geschwindigkeitskon-trollen haben wir an den Landkreis abgegeben", sagt Katrin Jope von der städtischen Verkehrsbehörde. Sie könne nur Kreis und Polizei bitten, sich in Plaue an den Straßenrand zu stellen. "Doch bei beiden Stellen gibt es personelle Engpässe." Die Chance, dass die Plauer künftig von Rasern verschont bleiben, ist also gering.

