Werner Ammermann aus Emden (l.) bekommt von Jörg Puschke ein frisch gebratenes Rührei mit Speck serviert.
Foto: Knut Berger
Nordlicht lässt sich in "Wellness-Oase" verwöhnen
Zu den Teilnehmern des Treffens "Plan B" in Hohenfichte gehört auch ein Biker aus Emden
Hohenfichte. Mit geübten Handgriffen bereitete Jörg Puschke ein Rührei mit Speck zu, wie man es auch in einem Vier-Sterne-Hotel nicht besser bekommen hätte. Zugegeben, in einer Nobelherberge wären Ei und Speck nicht auf einem Pappteller serviert worden, doch für Werner Ammermann gab es keinen Grund, sich darüber zu beschweren. Der Norddeutsche ließ sich am Dienstagmorgen das Frühstück schmecken.
Ammermann zählt zu den Bikern, die derzeit beim Motorrad-Wintertreffen "Plan B" in Hohenfichte Station machen. "Ich muss mich um die Verpflegung gar nicht kümmern. Alle Mahlzeiten gibt es vor Ort", sagt der 50-Jährige aus Emden, der nach dem Aufstehen auch nicht auf Kaffee und frische Brötchen verzichten muss.
Das ist Jörg Puschke zu verdanken. Puschke ist Betreiber der Eintracht-Sportgaststätte in Erdmannsdorf. In einer leeren Fabrikhalle der ehemaligen Baumwollspinnerei hat er einen großen Tresen sowie Kochstellen und Grill aufgebaut, rundherum stehen Biertischgarnituren. Ein paar Heizgebläse sorgen für etwas Wärme. "Biker-Wellness-Oase" nennen die Organisatoren den Saal mit den kahlen Wänden. "Genügend Ware ist vorrätig, das Personal steht abrufbereit", sagt Puschke.
Ammermann rückte am Sonntagabend im Leubsdorfer Ortsteil an. Auf seinem Weg von der Ems an die Flöha machte er zunächst einen Abstecher in den Westerwald, wo ebenfalls ein Biker-Treffen stattfand. Anschließend nahm er mit seinem 30 Jahre alten BMW-Gespann Kurs auf das Erzgebirgsvorland. Da dabei der Regen unaufhörlich auf die Erde prasselte, durchweichte das Gepäck des Norddeutschen völlig. "Das trocknet zurzeit, bald ist wieder alles nutzbar", zeigt sich Ammermann dennoch völlig entspannt.
"1998 war ich das erste Mal zum Wintertreffen auf der Augustusburg und seitdem ununterbrochen dabei", erzählt der Rettungsassistent. Sein Chef weiß also seit Jahren, dass er ihn Anfang Januar nicht in den Dienstplan eintragen kann. 2011 zählte Ammermann zu den Motorradfans, die von der Absage des Winterreffens auf dem Schloss erst erfuhren, als sie die Reise nach Sachsen längst begonnen hatten. So erlebte das Nordlicht die erste Auflage des Wintertreffens "Plan B" mit und entschied sich dafür, in diesem Jahr erneut Station auf dem ehemaligen Fabrikgelände zu machen. "Natürlich werde ich am Samstag als Tagesbesucher das Motorradtreffen auf der Augustusburg besuchen. Meine Basis bleibt aber in Hohenfichte", stellt der BMW-Pilot klar, dass die "Plan-B"-Organisatoren um Frank Friedemann gute Arbeit verrichten.
Als "Flachländer" zeigt sich der Biker von der Landschaft in der Region begeistert. "Ich war schon vor der Wende in Sachsen, meine Eltern hatten Bekannte in Lugau", berichtet Ammermann. Die Liebe zu den Motorrädern wurde bei ihm zeitig geweckt. Mit 16 Jahren betätigte er den Kickstarter eines Kreidler-Mopeds, mit 18 drehte er am Gasgriff seines ersten Motorrads. Seitdem ist er auf motorisierten Zwei- oder Dreirädern unterwegs. "Jetzt hoffe ich auf ein paar Grad weniger. Toll wäre es, wenn es bis Sonntag noch schneien würde", schickt er einen Wunsch Richtung Himmel, nachdem er in der "Biker-Wellness-Oase" ganz irdisch mit Kaffee, Ei und Speck verwöhnt wurde.


