Diese Schmiererei wurde in Falkenau entdeckt... 
Diese Schmiererei wurde in Falkenau entdeckt...

Foto: Knut Berger

Schmierereien in der Region: Ein aussichtsloser Kampf

Täter werden fast nie gefasst - und können weitermachen

Flöha. Es sind immer die gleichen Parolen. Vom "Volkstod" ist die Rede oder von "Überfremdung". Oft werden nationalsozialistische Symbole wie das Hakenkreuz verwendet. Regelmäßig beschmieren Neonazis Häuser, Wände oder Unterführungen in der Region. Erst wenige Wochen ist es her, dass eine Betonmauer an der neuen B173 in Flöha-Plaue und ein Trafo-Häuschen in Augustusburg verunstaltet wurden. Nun haben Unbekannte schon wieder zugeschlagen: In Falkenau hat es einen Verteilerkasten in der Nähe der Brücke über die Flöha und ein Trafo-Häuschen an der Ernst-Thälmann-Straße getroffen.

Falkenaus Ortsvorsteher Martin Müller (Allianz Unabhängiger Wähler) nimmt es gelassen: "Darüber regt sich niemand mehr auf. Die wissen eben nicht, was sie mit ihrer Zeit machen sollen." Gleichgültigkeit als Strategie? Die "Freie Presse" hat Institutionen befragt, die sich mit den Schmierereien befassen (müssen).

So reagieren die Kommunen: Die Flöhaer Stadtverwaltung arbeitet darauf hin, dass die Parolen entfernt werden. "Wir benachrichtigen die Eigentümer", sagt Hauptamtsleiter Wolfgang Meyer - etwa Privatpersonen oder Stromversorger. Doch bis reagiert werde, seien die Schmierereien "oft schon verblasst". Schneller geht es nur, wenn städtische Gebäude betroffen sind wie vor einiger Zeit die Mittelschule. "Dann beauftragen wir sofort eine Fachfirma." Die Beseitigung koste meist zwischen 100 und 300 Euro.

Auch Zschopau hat mit gesprühten Verschandelungen des Stadtbildes zu kämpfen. Unter der Zschopautalbrücke und am alten Stadt- café grüßen Schriftzüge - ausnahmsweise mit linkem Hintergrund. Zwei- bis dreimal im Jahr müsse die Verwaltung sich mit Sachbeschädigungen dieser Art befassen, sagt Ordnungsamtsleiter Wilfried Leibling. In Oederan seien in den vergangenen Monaten keine neuen Parolen aufgetaucht, heißt es aus dem Rathaus. In der Stadt hatten rechte Sprayer im Oktober 2011 an mehreren Stellen ihre Duftmarken hinterlassen.


... eine ähnliche am Ortseingang von Narsdorf bei Rochlitz.
... eine ähnliche am Ortseingang von Narsdorf bei Rochlitz.

Foto: Mario Hösel

So reagiert der Stromversorger: Das Energie-Unternehmen Envia M mit Sitz in Chemnitz muss sich regelmäßig mit Schmierereien beschäftigen, sind doch seine Verteilerkästen und Trafo-Häuschen bevorzugte Ziele der Täter. Auch die Anlage an der Ernst-Thälmann-Straße in Falkenau gehört dem Stromversorger. Nach Angaben von Sprecherin Claudia Anke wurde das Häuschen nun nach September 2010 und März 2011 schon zum dritten Mal innerhalb von knapp zwei Jahren verunstaltet. "Wir versuchen immer, die Schmierereien so schnell wie möglich entfernen zu lassen", sagt Anke. Parolen mit extremistischem Hintergrund hätten Priorität. Aber auch in diesen Fällen könne es zwei bis vier Wochen dauern, bis die Schriftzüge verschwunden sind. Die Kosten, die Envia M durch Sachbeschädigung aus der Spraydose entstehen, kann Claudia Anke nicht beziffern.

So reagiert die Polizei: Die Polizei ist fast immer machtlos. "Wir erstatten meist keine Anzeige mehr, weil die Täter ohnehin nicht gefunden werden", sagt Flöhas Hauptamtsleiter Wolfgang Meyer. Heidi Hennig, Sprecherin der Polizeidirektion Chemnitz-Erzgebirge, räumt ein, dass kaum eine Chance bestehe, die Täter zu überführen, wenn sie nicht auf frischer Tat ertappt werden.

Die Aufklärungsquote in Mittelsachsen liegt aktuell laut Hennig bei 10,7 Prozent. Sie betont aber, dass der Landkreis Mittelsachsen keinen Graffiti-Schwerpunkt darstelle. Ihren Angaben zufolge wurden 2011 im Bereich der Polizeireviere Freiberg, Mittweida und Rochlitz 392 Graffiti-Straftaten registriert, von denen nur einige einen extremistischen Hintergrund hatten. Das waren 177 Fälle weniger (31 Prozent) als 2010. (mit fpe, mik)

 
erschienen am 11.06.2012 ( Von Johannes Pöhlandt )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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