Betriebsleiter Peter Donat vor "seiner" Drahtseilbahn an der Bergstation in Augustusburg.
Foto: Claudia Dohle
"Sie ist ein Teil meines Lebens"
Peter Donat, Betriebsleiter der Drahtseilbahn Erdmannsdorf-Augustusburg, schwört auf Gesamtpaket
Augustusburg. Augustusburg. Die Drahtseilbahn Erdmannsdorf-Augustusburg wird am Freitag 100 Jahre alt. Fast ein Vierteljahrhundert steht Betriebsleiter Peter Donat im Dienst der Jubilarin. Mit ihm sprach Katrin Kablau.
Freie Presse: Es wird fürs große Familienfest am Sonntag mächtig geputzt und gewienert. Sie sind gerüstet?
Peter Donat: Bestens. Alle Mitarbeiter sind eingeteilt: Wir werden die Tal- und die Bergstation mit jeweils zwei Leuten besetzen. Zwei Kollegen von der Erzgebirgsbahn sind als Zugbegleiter eingeteilt. Ich selbst werde die Führungen durch den Maschinenraum übernehmen.
Freie Presse: Als Augustusburger können Sie auch eine Menge erzählen.
Peter Donat: Ja, auf jeden Fall. Genau genommen begleitet mich die Bahn schon mein Leben lang. Sie ist ein Teil meines Lebens. Ich bin im Buschgarten - also gleich um die Ecke - bei den Großeltern aufgewachsen. Wenn der Vater freitags aus Chemnitz mit der Bahn kam, habe ich schon auf ihn an der Bergstation gewartet. Heute wohne ich nur fünf Minuten von meinem Arbeitsort entfernt.
Freie Presse: Ist das ein Vor- oder Nachteil?
Peter Donat: Ich denke, es ist ein Vorteil. Dadurch bin ich immer erreichbar, sollte doch mal ein technisches Problem auftreten. Inzwischen sind wir aber so ein eingespieltes Team, dass wir auch per Ferndiagnose schnell zu einer Lösung kommen.
Freie Presse: Ursprünglich war die Arbeit bei der Drahtseilbahn nur als Übergangslösung gedacht. Daraus wurden fast 25 Jahre.
Peter Donat: Ja, ich bin 1987 davon ausgegangen, dass es sich nach einem Jahr erledigt hat. Jetzt kann ich mir ein Leben ohne die Bahn gar nicht vorstellen. 1998 übernahm ich die Aufgabe des stellvertretenden Betriebsleiters. Vor zwei Jahren wurde ich durch die Landesdirektion zum Betriebsleiter berufen.
Freie Presse: Das heißt?
Peter Donat: Genau genommen bin ich für alles zuständig - in erster Linie für die Sicherheit. Aber über meinen Tisch gehen auch die Abrechnungen und Statistiken. Ich bediene von der Bergstation aus die Anlage. Mit der wöchentlichen Streckenbegehung stelle ich sicher, dass unsere Fahrgäste sicher von A nach B gelangen.
Freie Presse: Fürs Jubiläum haben Sie noch einmal sämtliche Unterlagen durchforstet ...
Peter Donat: … und bin fündig geworden. Aus dem Material habe ich eine Ausstellung zusammengestellt, die wir am Sonntag unseren Besuchern im Maschinenraum zeigen werden.
Freie Presse: Was bekommen diese zu sehen?
Peter Donat: Alte Steuerpulte beispielsweise und natürlich viele historische Aufnahmen. Das allein ist schon sehenswert, denn immerhin fahren auf der Strecke mittlerweile die Wagen der vierten Generation. Die historischen Dokumente werden in ein Buch zu 100 Jahre Drahtseilbahn einfließen.
Freie Presse: Sind Sie auch auf witzige Dinge gestoßen?
Peter Donat: Natürlich. Sehens- beziehungsweise lesenswert ist die Dienstanweisung aus dem Jahre 1912. In der Vorschrift steht, dass die Fahrgäste auf der Plattform nicht rauchen dürfen. Es ist ihnen nicht erlaubt auf den Boden zu spucken, beziehungsweise Dinge aus dem Fenster zu werfen. Bei all diesen Vergehen sollte das Personal einschreiten - übrigens auch, wenn die Fahrgäste "ein unreines Äußerliches" aufwiesen.
Freie Presse: Sie sagen, die Drahtseilbahn ist ein Teil Ihres Lebens. Was beeindruckt Sie so?
Peter Donat: Es ist das Gesamtpaket. Natürlich begeistert mich die Technik. Ich habe schon viele Veränderungen - wie beispielsweise den Einbau neuer Bedienpulte - miterlebt. Tagtäglich kommt man mit so vielen interessanten Menschen zusammen. Es wird nie langweilig. Die Fahrgäste fragen nach technischen Details und nicht selten, ob wir schon irgendwelche Katastrophen hatten.
Freie Presse: Katastrophen?
Peter Donat: Keine Sorge, davon kann ich nicht berichten. Aber es genügte vor Jahren schon ein eingeschlagenes Fenster, um noch Tage später die Katastrophentouristen anzulocken. Weil die Bahn im Sommer auf der Strecke stehen geblieben war, schlugen die Passagiere die Scheibe ein und kletterten ins Freie. Die Bahn fuhr übrigens nach kurzer Zeit wieder.
Freie Presse: Sie feiern am Sonntag die alte Technik. Können Sie nachvollziehen, dass in Oberwiesenthal das Ende der Drahtseilbahn - Deutschlands ältester Seilschwebebahn - bereits besiegelt ist?
Peter Donat: Nein, wirklich nicht. Aber das Projekt der Achter-Kabinenumlaufbahn liegt ja nun seit kurzem auf Eis. Zum Glück. Diese Geschichte weckt traurige Erinnerungen. Unsere Bahn stand ja auch schon kurz vor dem Zusammenbruch. Wir können uns glücklich schätzen, dass seit 2005 sich mit der Erzgebirgsbahn ein Betreiber fand, der in die alte Technik investiert und sie zu schätzen weiß.


