Foto: Toni Söll
Taler, Taler du musst wandern ...
"Spielgeld" oder ernste Währung - der Zschopautaler trennt die Geister: Für die einen ist er Top, für die anderen ein Flop
Flöha. Der Zschopautaler als regionale Währung, vor vier Jahren ins Leben gerufen, hat in den Orten der Zschopauregion unterschiedlich viel Geld in die Kassen gespült. Entsprechend differenziert fällt die Bilanz aus: Während in Städten wie Augustusburg, Flöha, Mittweida in vielen Geschäften mit dem Regiogeld gezahlt wird, gibt es diese Möglichkeit in Hainichen oder Oederan fast nicht.
Trotzdem sieht Christoph Schwerin, Mathematiker und Vorstandsmitglied im Verein "Zschopautaler", das Unternehmen nicht gescheitert. Im Gegenteil: "Es läuft kontinuierlich. Die Anzahl der Geschäfte, in denen man mit Zschopautalern bezahlen kann, ist gleich geblieben. Stetig hat sich die Zahl derjenigen erhöht, die mit dieser Währung bezahlen."
Der Mittweidaer war neben dem Erdmannsdorfer Jörg Buschbeck einer der Macher, die sich für die Einführung der regionalen Währung eingesetzt haben. Ihre Vorstellung: Der Euro wird an Ausgabestellen wie Banken und Geschäften gegen die regionale Währung Zschopautaler getauscht. Mit diesem kann man Geschäften, die sich dazu bekennen, einkaufen. Der Rücktausch in Euro kostet fünf Prozent Gebühr - die einem Verein eigener Wahl in Euro zugute geschrieben werden.
Damit bleibt, erklärt Schwerin, das Geld in der Region, hilft Händlern und Vereinen. Dass das tatsächlich kein Wunschtraum sein muss, bestätigt Claudia Dohle aus Grünberg. Die Mutter dreier Kinder war jahrelang als Elternvertreterin der Grundschule Augustusburg in Erdmannsdorf tätig. "Unser Verein hat so 3000 Euro erhalten, mit denen wir allen Schulkindern Fahrt und Eintritt in Burg Scharfenstein ermöglichen konnten. Zusätzlich kauften wir jedem Kind eine Sitzgelegenheit für den Pausenhof." Allerdings macht sie auch klar: "Man muss sich die Mühe des Geldumtauschs machen."
Aber auch Händler zählen Vorteile auf, etwa Inhaber Jürgen Voigt vom Käsegeschäft in Mittweida: "Wir sind unter den ersten gewesen, die die Regionalwährung akzeptiert haben." Man habe den Schritt nicht bereut. "Das Geld bleibt in der Region, es kommt Vereinen zugute, wir bringen so stärker Produkte aus der Region an den Mann."
Überhaupt nichts am Hut mit dem Zschopautaler dagegen hat die Flöhaer Unternehmerin Kristin Niewiadomski vom Wäschegeschäft "Voilà". "Ich habe dazu keinerlei Beziehungen." Ähnliches sagt Inhaberin Ella Richter von Mode-Richter aus Hainichen: "In den ganzen Jahren hat nicht ein Kunde auch nur im leisesten nachgefragt."
Der Verein Zschopautaler startet deshalb zum Stadtfest in Mittweida an diesem Wochenende eine Aktion, um Stärke zu demonstrieren: Die Bergparade in Mittweida, seit Jahren über die Stadtgrenzen bekannt, soll dank der Einnahmen über den Zschopautaler gerettet werden.
Mehr als 8000 Euro hatte das Großereignis 2010 gekostet, etwa ein Drittel des Geldes steuertenSponsoren bei. Um auf 8000 Euro Förderung zu kommen, müssten laut Schwerin 160.000 Zschopautaler umgetauscht werden. Denn die Förderprojekte werden mit fünf Prozent des getauschten Betrages unterstützt. Wenn nun wenigstens 250 Leute jeden Monat 50 Euro in Zschopautaler tauschen und damit einkaufen, könnte die Zielsumme in etwa einem Jahr erreicht werden.
Mittweidas Oberbürgermeister Matthias Damm (CDU) freut sich über die Initiative. Aber ob sich die Leute tatsächlich anschließen, sich die Mühe machen, Euro gegen den Taler zu tauschen, wagt er zu bezweifeln. www.zschopautaler.de


