Veronika Bellmann.Foto: privat
Veronika Bellmann: "In Ämtern mache ich mir keine Freunde"
Die Eppendorfer CDU-Bundestagsabgeordnete über ihre erneute Bewerbung, Ziele und Kämpfe
Eppendorf. Veronika Bellmann aus Eppendorf (51) ist am Freitagabend für das CDU-Direktmandat im Wahlkreis 161 (Altkreise Freiberg und Döbeln sowie Teile des Altkreises Mittweida) nominiert worden. Auf der Wahlkreisversammlung des CDU-Kreisverbandes Mittelsachsen in der "Alten Baumwolle" in Flöha stimmten 95der 98 Teilnehmer für die einzige Bewerberin. Bellmann ist seit 2002 Mitglied des Bundestages. Die nächste planmäßige Bundestagswahl findet im September 2013 statt. Heike Hubricht befragte die Politikerin.
Freie Presse: Frau Bellmann, Sie wollen es nochmal wissen und für eine vierte Amtszeit in den Bundestag. Warum?
Veronika Bellmann: Weil für mich mein Beruf Berufung geworden ist. Die Wählerresonanz gibt mir Kraft, viele Vorhaben weiter begleiten und vollenden zu wollen.
Freie Presse: Was haben Sie bisher konkret für die Region erreicht?
Veronika Bellmann: Nicht alle der über 350 Bürgeranliegen konnte ich mit dem gewünschten Erfolg abschließen, aber ich habe mich um alle gekümmert. Einige Projekte sind beendet, andere auf gutem Wege, wie der Hochwasserschutz in Niederwiesa und Flöha. Erst am Freitag begann die Breitbanderschließung Mittelsachsens. Die Arbeiten an der Oberschönaer Grundschule, der Saydaer Mittelschule, der Sporthallen in Leubsdorf und Frauenstein wurden beendet. Das Oederaner Hospiz wird Ende 2012 eröffnet. Für die Grundschulen Cämmerswalde und Eppendorf erwarten wir die Förderbescheide. Meine Initiative "Haus der Kleinen Forscher" in Kitas zieht ihre Spur über das Schülerforschungszentrum Sachsen bis zum Ressourceninstitut an der TU Bergakademie Freiberg und in die Hochschule Mittweida. Die B 101 in Großhartmannsdorf wird gebaut. Betriebe bekamen ihre Kreditzusagen.
Freie Presse: Was sind Ihre Ziele für die nächste Wahlperiode?
Veronika Bellmann: Im ländlichen Raum brauchen wir infolge der Demografie neue Perspektiven. Schwerpunkte sind der Fachkräftebedarf und die medizinische Versorgung. Bildungs- und Verkehrsinfrastruktur bleiben mein Thema. Da gibt es Defizite in Mittelsachsen. Die Autobahnanbindung Freibergs, der Striegistalradweg, die B 180 in Erdmannsdorf oder die S236 von Eppendorf bis Schellenberg, der Straßenbau in Frankenberg oder Kriebstein sind Beispiele.
Freie Presse: Und außerdem?
Veronika Bellmann: ... arbeite ich nach wie vor an einer vernünftigen bildungspolitischen Alternative für den Studienstandort Roßwein, der mit dem Wegzug der Fakultät Soziale Arbeit nach Mittweida vor dem Aus steht. Entwicklungshilfeprojekte Mittelsachsen- Afrika stehen an. Zudem fordere ich, dass die Erzieher in Kitas neben den Stunden in den Gruppen - ähnlich wie Lehrer - extra Zeit für Vor- und Nachbereitung bekommen.
Freie Presse: Wird Ihre Arbeit zu wenig wahrgenommen?
Veronika Bellmann: Nicht von den Leuten, die sich an mich wenden oder von den Bürgermeistern in Mittelsachsen. Die wissen, dass ich ihnen helfe - unabhängig vom Parteibuch. Junge Leute schimpfen oft auf die Politik. Doch wenn ich mit ihnen spreche, sagen sie: So anspruchsvoll habe ich es mir nicht vorgestellt.
Freie Presse: Berlin ist 270 Kilometer von Eppendorf entfernt. Wenn Sie Probleme angehen - können Sie die Klärung kontrollieren?
Veronika Bellmann: Auf jeden Fall. Die Anliegen werden genau abgearbeitet. Was nicht gleich geklärt werden kann, kommt in die Wiedervorlage. Und die Bürger erhalten nach einem Monat einen Zwischenbescheid.
Freie Presse: Sie sind gelernte Krippenerzieherin. Gibt es Momente, in denen Sie lieber die kleinen Probleme mit den Kleinen als die großen Probleme mit den Großen lösen würden?
Veronika Bellmann: Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben. Ich habe gern als Krippenerzieherin, später als Sozialarbeiterin und in der freien Wirtschaft gearbeitet. Auch bei der Bundeswehr bin ich gern. Jetzt habe ich eine Schatztruhe von Erfahrungen, fühle mich gut gerüstet und fit, um die tagtägliche Herausforderung des Mandats bewältigen zu können. Meine Familie und Mitarbeiter sind mir gute Partner, ebenso Landrat Volker Uhlig, Vize-Landrat Manfred Graetz oder die Bürgermeister. In den Ministerien und Ämtern aber mache ich mir wenig Freunde, wenn ich hartnäckig für die Bürger kämpfe.
Freie Presse: Sie haben gegen den Euro-Rettungsschirm gestimmt und sind Euroskeptikerin. Fragen Sie sich angesichts dieser Kontroversen zur Mehrheit der CDU-Bundestagsfraktion manchmal, ob Sie in der falschen Partei sind?
Veronika Bellmann: Nein. Die Grundsätze der CDU sind nach wie vor meine politische Heimat. Vielfalt statt Einfalt, eine Volkspartei muss kritische Stimmen aushalten. Zumal diese Fortschritt in die Debatte bringen und notwendige Diskussionen zur Zukunft Deutschlands in Europa in der Bevölkerung auslösen.
Freie Presse: Für Mittelsachsens Landrat Volker Uhlig (CDU) ist es jetzt die letzte Legislaturperiode. Er tritt 2015 altersbedingt ab. Es gibt Gerüchte, dass Sie ihm nachfolgen wollen. Ist da etwas dran?
Veronika Bellmann: Über die Brücke gehe ich, wenn ich dahin komme. Und außerdem: Ich bin mit Leib und Seele Abgeordnete.

