Wie eine Eisbar sahen am Donnerstag die Tränken im Grünberger Landwirtschaftsbetrieb von Markus Schönherr aus. Doch keine Angst, in die Tröge läuft ständig leicht erwärmtes Trinkwasser für die Kühe nach. 
Wie eine Eisbar sahen am Donnerstag die Tränken im Grünberger Landwirtschaftsbetrieb von Markus Schönherr aus. Doch keine Angst, in die Tröge läuft ständig leicht erwärmtes Trinkwasser für die Kühe nach.

Foto: Claudia Dohle

Viehtränke wird zur Eisbar

Sibirische Kaltluft lässt Region bibbern - Mit richtiger Strategie kann man der Kälte trotzen

Flöha. Für die Lehrlinge des Staatsbetriebes Sachsenforst, die nicht in der Schule sind, heißt die Strategie gegen den Frost "Arbeit an der frischen Luft". Das dritte Lehrjahr absolvierte am Donnerstag seine Rücke- ausbildung im Zechengrund bei Falkenau, das erste fällte Bäume im Schwarzen Holz zwischen Erdmannsdorf und Chemnitz. "Ist doch dafür ein Bombenwetter, besser als die Matscherei", findet Lehrmeister Rüdiger Schmidt. Einen Tag brauche man allerdings schon, um sich an die Kälte zu gewöhnen.

Mit der kommt Hartmut Findeisen ganz gut klar. Seit 20 Jahren verkauft der Zschopauer auf Wochenmärkten Schuhe. Bei seinem Einsatz am Donnerstag in Flöha waren allerdings vor allem warme Hausschuhe gefragt. "Die muss man nicht gr0ß anprobieren. Wer zieht bei der Kälte schon gern seine Schuhe aus?", hat er eine Erklärung. Sein Geheimmittel gegen kalte Füße: "Schuhe, Socken, Plastetüte." Sein Kollege Stefan Kempe vom Stand gegenüber schwört auf heißen Tee und Glühwein zur inneren Erwärmung und auf einen kleinen Propangasstrahler. "Aber ab minus zehn Grad wird's krass", gibt er zu. Am Donnerstag packte der Freiberger seine Holzwaren allerdings vor der Zeit zusammen: Die Gasflasche war nach einer Stunde leer geworden.

Eine Extraportion Stroh als Unterlage erhalten derzeit die Kälbchen von Landwirt Markus Schönherr in Grünberg. Er und sein Mitarbeiter Robert Arnold achten auch sehr darauf, dass der Rindernachwuchs, der die ersten Wochen in Kälberboxen verbringt, warme Milch zu trinken bekommt. Normalerweise sind die Kälbchen in den ersten Wochen allein in je einer Box. Zurzeit sind aber immer zwei Boxen zusammengeschoben, sodass die Tiere kuscheln und sich so gegenseitig wärmen können. Ihren Müttern dagegen macht die Kälte nicht viel aus, Nässe finden sie da schon wesentlich unangenehmer. Außer in der Tränke. Und damit die nicht einfriert, wird momentan automatisch ständig aufgewärmtes Wasser zugelassen.

Die Temperaturen sind in den Keller gerutscht - "Und gerade dort befinden sich sehr oft die Leitungen", sagt Helmut Gabb, Geschäftsführer der Gabb Sanitär Heizung Klempner GmbH in Niederwiesa. "Deshalb sollte man unbedingt noch einmal kontrollieren, das gilt auch für Bodenräume, ob die Fenster wirklich geschlossen sind, damit nichts einfriert", sagt der Klempnermeister. "Ich hoffe, dass Außenwasserleitungen geleert sind, sonst gibt es garantiert eine böse Überraschung." Notanrufe, um Schäden zu beheben, hat der Fachmann bis jetzt noch nicht erhalten. "Dazu war die Frostperiode zu kurz. Hält sie aber noch ein, zwei Tage an, wird das Telefon nicht mehr stillstehen", schätzt Gabb ein. So sei es jedenfalls im vergangenen Jahr gewesen.

Auch der Wasserzweckverband "Mittleres Erzgebirgsvorland" empfiehlt, Wasserleitungen und Wasserzählern als Schutz vorm Einfrieren eine "Pudelmütze" zu verpassen. Einfache Maßnahmen wären zum Beispiel das Geschlossenhalten von Kellerfenstern und eine ständige Temperaturkontrolle im Bereich des Wasserzählers. Wasserzählerschächte im Freien sollten besonders gut verpackt werden.

"Auspacken" aus einer Eisschicht muss dagegen Kfz-Mechaniker und Serviceberater Daniel Mueller die ausgestellten Fahrzeuge des Autohauses Bernd Herzog im Gewerbegebiet Falkenau. Zudem werden die Autos gerade bei den eisigen Temperaturen in diesen Tagen regelmäßig gewartet. So werden besonders die Batterien stets auf ihren Ladezustand überprüft und bei Bedarf aufgeladen.

Für den Frankensteiner Wetterexperten Manfred Tietz sind Temperaturen unter minus 10 und auch mal minus 20 Grad ganz normal für einen Winter hierzulande. "Über ganz Europa liegt ein riesengroßer Hochdruckkomplex mit einer langen Erhaltensneigung", erklärt er. Er rechnen damit, dass uns diese Art von Winter bis über die Mitte des Monats erhalten bleibt. "Doch dann kann durchaus ganz plötzlich von Süden ein richtiger Warmlufteinschub kommen", will er einen schnellen Wechsel Richtung Frühling nicht ausschließen. Allerdings: "Beim Wetter ist alles möglich!"

Auch Irina Tarassenko, Fachärztin für Inneres und hausärztliche Versorgung im Ärztehaus Niederwiesa, gibt Entwarnung: "Ganz so schlecht für die Gesundheit ist das Wetter nicht", sagt sie. Weil sich bei diesen Minusgraden die Menschen mehr um sich sorgen und angemessener kleiden. "Bei Hitze sind sie oft sorgloser." Probleme hätten aber oft chronisch Kranke, Leute mit Asthma. Irina Tarassenko: "Ihnen kann die trockene Kälte sehr zu schaffen machen." (mit cdo/fab)

 
erschienen am 02.02.2012 ( Von Gudrun Frohmader und Eveline Roessler )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
0
(Anmeldung erforderlich)

 
 
 
Artikel weiter empfehlen
per E-Mail per Bookmark
 
Facebook Teilen   Twittern  
 
Wetteraussichten für Flöha
Mi

25 °C
Do

21 °C
Fr

18 °C
Sa

19 °C
So

17 °C
Ärztliche Notdienste

Apotheken und Ärzte der Region

Manchmal muss es schnell gehen. Notrufe und Notdienste der Apotheken und Ärzte finden Sie hier.

weiter lesen
 
 
Freie Presse vor Ort

09557 Flöha
Augustusburger Straße 72
Telefon: 03726 5887-14311


Öffnungszeiten:
Mo. bis Fr. 8.30 - 17.30 Uhr

weiter lesen
 
Freien Presse Immobilien

Immobilienangebote für Flöha und Umgebung

Finden Sie Ihre Wohnung in der Region Flöha

Immobilienportal

► Mietangebote

► Kaufangebote

 
Unsere Partner
vms
aok
chursächsische
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 


Der Partner für Ihren Kredit - Maxxkredit