Oederaner Web-Museum Im Oederaner Web-Museum wird die Stadtgeschichte dargestellt.

Foto: Toni Söll

Web-Museum vor dem Aus?

Oederaner Stadtrat hat in jüngster Sitzung über den Haushaltsplan 2012 diskutiert

Oederan. Von einer Debatte über die Finanzierung des Oederaner Web-Museums sind am Donnerstagabend die Beratungen zum Entwurf des aktuellen Haushaltsplans im Stadtrat überschattet worden. Auf Grund der hohen Kosten, die das Museum jedes Jahr verursacht, und angesichts geringer Besucherzahlen und Einnahmen forderte Stadtrat Klaus Büttner (Freie Wähler) die Schließung der Einrichtung. Es sei denn in absehbarer Zeit werden Möglichkeiten zur Senkung der Kosten gefunden.

"Das Museum ist absolut nicht kostendeckend", sagte Büttner. Im aktuellen Haushaltsplanentwurf seien mehr als 100.000 Euro zur Unterhaltung eingeplant. "Gleichzeitig gehen wir in dem Entwurf von Einnahmen aus, von denen niemand weiß, ob sie überhaupt kommen", so der Stadtrat weiter. Er forderte, dass ein neuer Ansatz zur Finanzierung der Einrichtung gefunden wird. "Wir haben schon mehrfach über die Probleme mit dem Museum diskutiert. Bisher hat sich nichts geändert. Wir müssen eine Lösung finden, mit der die Kosten gesenkt werden, oder die Einrichtung sollte geschlossen werden. Ich bin nicht bereit zuzuschauen, wenn wir Geld für Ineffizientes ausgeben", schimpfte Büttner.

Sein Kollege Peter Löber (Freie Wähler) stimmte zu: "Der Kulturbetrieb in unserer Stadt muss effizienter werden", sagte er. Stadtrat Marco Metzler (CDU) erklärte, dass Wege gefunden werden müssten, mehr Besucher ins Web-Museum zu locken. "Außerdem muss etwas unternommen werden, damit das Haus mehr Einnahmen hat", forderte Metzler. Doch auch er sei der Ansicht, dass es über kurz oder lang unumgänglich sein wird, den Museumsbetrieb zumindest teilweise zurückzufahren, um die Kosten zu senken.

Oederans Bürgermeister Steffen Schneider (Freie Wähler) sprach sich gegen eine Schließung aus. "Ich verwahre mich strikt gegen diesen Vorschlag", stellte er klar. Er verwies zudem darauf, dass das Museum mit zweckgebundenen Fördergeldern des Freistaates Sachsen eingerichtet worden sei und diese Gelder im Falle einer Schließung zurückgezahlt werden müssten. "Das würde uns teuer zu stehen kommen", so der Bürgermeister. Vehement gegen eine Schließung des Museums ist auch die Stadträtin der Linken, Rita Hillmann. "Man darf ein Museum nicht rein wirtschaftlich betrachten. So eine Einrichtung hat die Aufgabe, die Geschichte zu bewahren, und gibt unserer Stadt außerdem ein Alleinstellungsmerkmal. Das dürfen wir nicht kaputt machen", sagte sie. Dem stimmte Bernd Klausnitzer (SPD) zu. "Kultur gibt es nun mal nicht zum Nulltarif", sagte er.

In den kommenden Wochen sollen nun Gespräche zwischen den Stadträten, der Stadtverwaltung sowie den Mitarbeitern des Museums geführt werden. "Dabei werden wir ausloten, wie wir die Finanzierungsproblematik am besten angehen", sagte Steffen Schneider.

Im Jahr 2012 rechnet die Oederaner Stadtverwaltung mit einem Gesamthaushaltsvolumen von mehr als 16 Millionen Euro. "Wir werden in diesem Jahr sparsamer wirtschaften als in der Vergangenheit. Denn voraussichtlich werden wir weniger Fördermittel bekommen, und auch große Investitionen wie zum Beispiel unsere neue Dreifeldsporthalle sind nicht vorgesehen. Großen Spielraum für überplanmäßige Ausgaben haben wir 2012 nicht", betonte Kämmerin Kathleen Recknagel. Die Stadt verfüge momentan über ein finanzielles Rücklagenpolster von etwa 1,7 Millionen Euro. "Durch die Eingemeindung Frankensteins sind unsere Rücklagen um 408.000 Euro gewachsen", rechnete die Kämmerin vor.

 
erschienen am 27.01.2012 ( Von Franziska Pester )
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