Ein großer Epitaph erinnert in der Weißenborner Kirche an die Familie Adolph von Hartitzsch. Kirchenarchivar Albrecht Lorenz zeigt auf das Familienoberhaupt, das im Jahr 1612 starb.
Foto: Peter Hertel
850-jähriger Geschichte von Weißenborn auf der Spur
Familie von Hartitzsch prägt über 400 Jahre Historie
Weißenborn. 2013 feiert Weißenborn seine 850-Jahr-Feier. Dann soll auch eine neue Ortschronik vorliegen. An den Recherchen arbeitet neben dem Ortschronisten Wolfgang Göhler auch Albrecht Lorenz mit. Der technische Zeichner betreut das Kirchenarchiv und die Bibliotheken des Ortes und hat sich der Erforschung der Geschichte der von Hartitzschs verschrieben.
Silberbergbau lockte Familie
Er erzählt: "Nach und nach erwarb diese Freiberger Familie einst auch außerhalb der Stadt Freiberg größere Besitzungen und ging bald in den Landadel über. So wurde 1365 der Freiberger Bürgermeister Nicol von Hartitzsch mit Weißenborn belehnt. Von da ab blieb seine Familie 437 Jahre in Weißenborn. Seine Söhne Nicol und Hans wurden Vasallen des Markgrafen von Meißen. Stammgut des Geschlechtes soll das Rittergut Harticz in Böhmen, nahe der sächsischen Grenze gewesen sein. Die Familie lockte offenbar der Silberbergbau nach Sachsen." Doch bis in diese Zeit reichten die historischen Pfarrakten leider nicht zurück. In Berthelsdorf existieren die frühesten Unterlagen seit 1565 und in Weißenborn ab dem Jahr 1628.
Den Hartitzschs gehörten neben Weißenborn unter anderem auch die Orte Pretzschendorf, Lichtenberg, Dorfchemnitz, Helbigsdorf und Langenau. "Einige Mitglieder der Familie sind bis zu 100 Jahre alt geworden, mehrere haben Jura studiert", hat Albrecht Lorenz herausgefunden.
Die Familie sei immer Alleinherrscher im Ort gewesen. Das heißt, sie war Besitzer des Landes im Namen der Landesherren, auch Kirchenoberste und besaß eine eigene Gerichtsbarkeit. Die Einwohner mussten den zehnten Teil ihres Einkommens abgeben und zusätzlich Frondienste leisten.
Der Sage nach soll der Ahnherr des Geschlechtes Hartitzsch von Beruf Fischer an der Donau gewesen sein und einen deutschen Kaiser vor feindlichen Verfolgern über den Fluss in Sicherheit gebracht haben, worauf ihm der Adelstitel verliehen wurde. Eine andere Sage erzählt hingegen, der Fischer habe auf einem Kreuzzug eine sarazenische Flotte in Brand gesteckt und sei dafür geadelt wurden.
Epitaph erinnert an Hartitzschs
Die heute lebenden Nachfahren der von Hartitzschs sind weltweit verstreut. "Nach der politischen Wende hat sich mal ein von Hartitzsch aus den USA im Ort sehen lassen, heute gibt es keinerlei Verbindungen mehr", sagt Lorenz.
An die Familie von Hartitzsch erinnert noch das Epitaph für Adolph von Hartitzsch aus dem Jahr 1613. Es gedenkt dem ein Jahr zuvor verstorbenen Adligen und wurde von dem Freiberger Bildhauer Georg Eckhart angefertigt. Derzeit bemühen sich zahlreiche Weißenborner um eine Restaurierung und sammeln dafür Spenden. 85.000 Euro soll das Vorhaben kosten. Immerhin sind bis jetzt, wie das Spendenbarometer vor der Kirche zeigt, schon zwei Drittel des Betrages zusammengekommen.
Die Ortschronik von Weißenborn wird bis zum Ende des Jahres fertig gestellt und erstmals zum Pyramidenfest im Dezember zum Preis von 25 Euro verkauft. Die Geschichte der 13 Generationen derer von Hartitzsch werden darin etwa 16 Seiten füllen.

