Der VMS stellt Sammeltaxen, die Alina und das Kind aus Rechenberg-Bienenmühle nutzen.Foto: Eckardt Mildner
Alinas langer Schulweg ist kein Einzelfall
Die unzumutbare Situation des elfjährigen Mädchens aus Lichtenberg sorgt weiter für Aufregung
Lichtenberg. Der Fall der Schülerin Alina aus Lichtenberg scheint ein Umdenken bei der Bildungsagentur Chemnitz zu erzeugen. "Gerade bei Grenzfällen sollten Klassen nicht randvoll gebildet werden, um mehr Spielraum zu haben", sagt Sprecher Lutz Steinert. Das Mädchen war nicht am Cottagymnasium Brand-Erbisdorf aufgenommen worden, sondern muss das Freiberger Schollgymnasium besuchen - nicht wenige halten den so entstandenen Schulweg für unzumutbar.
Auch Eltern solidarisieren sich. Für Familie Michael und Jana Lösch aus Langenau, Eltern einer ebenfalls elfjährigen Tochter, "ist die Entscheidung der Schulkonferenz des Cottagymnasiums nicht nachvollziehbar", schreiben sie in einem Brief und fügen an: "Für uns hätte es kein Problem dargestellt, wenn dieses Mädchen mit in der Klasse unserer Tochter lernen würde, denn durch ein Kind mehr sehen wir weder die Unterrichtsqualität noch die Interessen der Schüler gefährdet." Außerdem: 27 Kinder aus Freiberg besuchen die 5. Klassen des Brand-Erbisdorfer Gymnasiums. Alle erhielten im Juni 2012 ihren Aufnahmebescheid. Dagegen hatte es die Schulkonferenz des Cottagymnasiums zweimal abgelehnt, Alina als 29.Schülerin in eine fünfte Klasse aufzunehmen. Elternsprecher Udo Neie: "Es kommt auf die Qualität des Unterrichts an. Wir müssen das Beste für unsere Kinder abwägen."
Die Schülerin aus Lichtenberg hatte erst Ende des Schuljahres von der Grundschule die Bildungsempfehlung fürs Gymnasium bekommen. Im Juli meldete Mutter Maja Fischer ihre Tochter in Brand-Erbisdorf an. Dort standen für die fünften Klassen 118 Anmeldungen zu Buche, es gab jedoch nur 112 Plätze - 28 Kinder je Klasse laut Schulgesetz, wie Schulleiter Gunther Bellmann sagt. Die Klassenbildung war bereits Anfang Juni abgeschlossen, heißt es aus der Bildungsagentur. "Wir haben vier Klassen eröffnet, eine weitere wurde nicht genehmigt", sagt Bellmann.
"Es gab noch Aufnahmekapazitäten in Freiberg und Flöha", argumentiert Lutz Steinert von der Bildungsagentur. So mussten mit Alina vier weitere "Nachzügler", die auch ihre Empfehlung im Sommer bekamen, die fünfte Klasse am Freiberger Schollgymnasium beginnen. Eines der Kinder wohnt in Rechenberg-Bienenmühle, ein anderes in Großhartmannsdorf. Alinas Eltern aber brachte der Schulweg ihres Kindes auf: Sie müsste 5.45 Uhr zum Bus, wäre 6.30 Uhr im Gymnasium - Schulbeginn ist 7.20 Uhr.
"Die zumutbare Schulwegezeit beträgt bis zu 60 Minuten. Diese Zeit ist eingehalten", argumentiert dagegen Silke Dinger vom Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS). Wartezeiten zählten nicht. Dennoch stellt der VMS Sammeltaxen, die Alina und das Kind aus Rechenberg-Bienenmühle nutzen. Kosten pro Schuljahr: zwischen 6000 und mehr als 10.000 Euro - allein für Alina. Landkreis und Verbund zahlen. Nachmittags aber gibt es laut VMS kein Taxi. Das Kind aus Rechenberg-Bienenmühle muss vom Gymnasium zum Freiberger Bahnhof laufen, fährt mit der Bahn in den Heimatort und wird dort abgeholt. 111 Anmeldungen gibt es laut Bildungsagentur bereits schon wieder für das Brand-Erbisdorfer Gymnasium. Sollte es in diesem Schuljahr erneut Nachzügler geben, droht auch ihnen ein Schulweg wie der Alinas.


13:17 Uhr
BertaH: Ich finde es eine Schande für den Bildungsstandort Deutschland. 1h Schulweg pro Strecke ist eine Zumutung für ein Kind. Und die netten Richter die dieses Urteil getroffen haben, hoffe ich wissen was es bedeutet pro Fahrt eine Stunde unterwegs zu sein um an Ihren Arbeitsplatz zu kommen und zwar täglich! Bürokratie in Deutschland - so wird das nie was. Unternehmen sollen nach Bedarf ausbilden und der Staat was macht der .... hier geht die Schulbildung leider nicht nach Bedarf. Das System gehört refomiert. Das Schulsystem sollte nicht nach wirtschaftflichen Gesichtspunkten geleitet werden. Es bildet einen großen Grundstein für die Zukunft unserer Gesellschaft.
13:16 Uhr
tomtom78: was mir immer wieder unverständlich ist: wieso wird der wohnort nie als kriterium für die aufnahme in betracht gezogen? 27 kinder aus freiberg gehen auf das gym in brand, obwohl es in freiberg selbst auch eins gibt. und kinder, die näher an dem gym in brand wohnen, fahren nach freiberg? was soll der humbug?
12:14 Uhr
schnellleserin: @synonym - danke für den Hinweis. Ja, auch wenn es das Gericht so festgelegt hat - jeder der ein Kind in der SCHule hat, weiß, dass das alles andere als optimal ist.
okay - wenn hier nichts geshlossen wurde, dann ist das was anderes.
10:02 Uhr
Synonym: schnellleserin: die 60 Minuten "Schulwegezeit" hat das OVG Bautzen in einem Urteil festgelegt!
Außerdem wurden in der Umgebung von Lichtenberg keine Gymnasien geschlossen, der Schulweg ist also seit jeher so lang!
09:29 Uhr
schnellleserin: "Die zumutbare Schulwegezeit beträgt bis zu 60 Minuten. Diese Zeit ist eingehalten"..... Ich finde solche Aussagen eigentlich eine Frechheit. Wenngleich ich immer der Ansicht bin, wer im Grünen leben will, muss mit solchen zusätzlichen Aufwändten rechnen so bin ich auch der Ansicht, dass es Grenzen geben muss. 60 Minuten Wegezeit sind für ein Kind m E. nicht mehr zumutbar.
Wenn man seinen gesunden Verstand einschaltet heißt dass nämlich, dass nicht mehr viel Zeit für Kindsein vom Tag übrig bleibt.
5:45 zum Bus! Eigentlich sollten Kinder vor ANtritt des SChulweges Zeit haben in Ruhe zu erwachen, sich zu pflegen und anzukleiden und ein Frühstück einzunehmen - dazu braucht es ca. 30 Minuten. Je nachdem, wie weit der Weg zum Bus ist, müsste das Kind dann spätestens 5:00 aufstehen. Wenn die SChule dann 7:20 beginnt ist das Kind dann doch kaum noch in der Lage eine gute Leistung zu bringen und diese muss dann auch noch möglichst bis 15:00 aufrecht erhalten werden. 16:30 wieder zu Hause und dann noch 1 Stunde oder mehr Hausaufgaben. Dann bleibt nur noch Zeit zu Essen und eigentlich müsste es dann schon wieder zu Bett, da es am Morgen früh raus muss.
Dass der SChulweg so kompliziert und ggf. auch teuer wird ist eine Konsequenz aus der Schließung von Schulen.
Wer bei wohnortnahe Schulen aus Kostengründen schließt, muss damit rechnen, dass der SChulweg länger und damit auch teuerer wird für einzelne SChüler - das ist nun leider die logische Konsequenz.