Windanlage Die eab Projektmanagement GmbH baut derzeit einen Windpark in Streumen bei Riesa auf. Auch rings um die Stadt Freiberg würden sich weitere Anlagen lohnen, meinen die Fachleute der Freiberger Firma.

Foto: eab

Aufbruch in stürmische Höhen

Was passiert eigentlich beim Thema Energiewende vor der eigenen Haustür?

Freiberg. Rund 2,9 Gigawattstunden Strom haben die drei Windkraftanlagen in Zug-Langenrinne 2010 ins Netz eingespeist. Der einzige derzeit in Freiberg für "Windmühlen" zugelassene Standort hat damit fast so viel Elektroenergie geliefert wie die 80 Solarstromanlagen, die bei den Stadtwerken der Kreisstadt mit insgesamt 3,7 Gigawattstunden abgerechnet wurden.

Dabei sind die drei Enercon-Anlagen in Zug mit ihren 40 Metern Rotordurchmesser und je 600 Kilowatt Leistung eigentlich schon für einen Austausch fällig. "Eine moderne Anlage der Drei-Megawatt-Klasse würde an dem Standort rund 6 Gigawattstunden im Jahr liefern", urteilt Rainer Sack von der eab Projektmanagement GmbH Freiberg. Die wäre dann aber rund 180 Meter hoch und gut 4 Millionen Euro teuer.

Im Repowering, wie das Aufrüsten im Fachjargon genannt wird, sieht der Geschäftsführer auch ein Mittel gegen die häufig kritisierte Verspargelung der Landschaft: "Wenige große Anlagen sind besser als viele kleine." Zu beachten seien aber die Lärmgrenzen des Bundesimmissionsschutzgesetzes, weiß Sack. Seine Firma hatte das Zuger Areal für Privatinvestoren entwickelt und 2002 bei der Erweiterung um zwei Windräder Lehrgeld zahlen müssen: "Ein Generator war defekt und hat ein pfeifendes Geräusch gemacht. Das war zwar nach einem Tag behoben, aber der Ärger bei den Anwohnern hielt noch lange an."

Aus der Rosinen-Siedlung war auch über Schatten geklagt worden, die von den Rotorblättern bei tief stehender Sonne über die Grundstücke huschten. Das Gesetz dulde das Problem für maximal 30 Minuten pro Jahr, ergänzt eab-Geschäftsführerin Mandy Bojack: "Sonst muss ein Abschaltmodul eingebaut werden."

Wegen der Schallschutz-Vorgaben halte sie große Windkraftanlagen in der Stadt Freiberg selbst - dafür war beispielsweise die "Reiche Zeche" im Gespräch - für unwahrscheinlich: "Auch wenn die Neuentwicklungen immer leiser laufen." Sinnvoller sei, so Bojack, das Gebiet in Zug zu erweitern beziehungsweise neue an der Peripherie auszuweisen: "Die Windkraft ist für Freiberg als Energiestadt im Flächennutzungsplan unterrepräsentiert."

Aktuell denkt man bei den Stadtwerken über einen Windpark oberhalb von Kleinwaltersdorf nach. Bei der Vorstellung der Idee hagelte es jedoch Kritik aus dem Stadtteil. Für Sack ist das unverständlich: "Aus der Steckdose soll möglichst sauberer Strom kommen, aber dafür werden nun mal auch Anlagen gebraucht." Studien der Bundesregierung zufolge schreckten die Windräder auch keine Touristen ab, im Gegenteil: "Viele Gäste haben dann das Gefühl, besonders frische Luft zu atmen", zitiert der Geschäftsführer.

Mini-Windmühlen, wie sie zuweilen in Kleingärten oder auf Gebäuden zu sehen sind, leisten zwar einen Beitrag zur Energiewende, so Bojack, haben aber deutlich längere Amortisationszeiten als große Anlagen. Die brauchen im Schnitt zehn Jahre, um ihre Kosten einzuspielen. Günstiger seien Kleinanlagen, die in geeigneten ländlichen Lagen Heizstrom für die Höfe liefern. Interessant seien auch Beteiligungskonzepte für große Anlagen, wie sie von Banken angeboten werden. "Derzeit wird intensiv daran geforscht, wie sich die erzeugte Energie speichern lässt - etwa durch die Herstellung von Methangas. Sobald das gelingt, ist der Durchbruch für die Windkraft geschafft", sagt die Expertin.

 
erschienen am 26.10.2011 ( Von Steffen Jankowski )
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