Brückenneubau soll Fischotter nicht gefährden
Geplantes Hochwasserrückhaltebecken bei Mulda setzt andere Bauvorhaben voraus
Nassau. Nach etwa zwei Jahren umfangreichen Verhandlungen zwischen der Landestalsperrenverwaltung (LTV) und der Stadt Frauenstein ist nun klar: Die Brücke über die Mulde an der sogenannten Ölmühle nahe dem Bahnhof Nassau wird samt einem Stück Straße neu gebaut. Im Jahr 2013 soll das Vorhaben verwirklicht werden. Etwa zwölf Meter Breite wird die neue Brücke aus Stahlbeton haben, auf reichlich 100 Metern wird zudem die Fahrbahn saniert. Hintergrund des Projektes sind das von der Landestalsperrenverwaltung geplante Hochwasserrückhaltebecken im Chemnitzbachtal bei Mulda und der ebenfalls vorgesehene Überleitungsstollen, um die Region künftig vor Hochwassern wie im Jahr 2002 zu schützen.
"Die Brücke und die Straße werden als Baustellenzufahrt und Unterhaltungsstraße für den Überleitungsstollen genutzt", erklärt Torsten Kropp, Projektgruppenleiter Stauanlagen bei der Landestalsperrenverwaltung. In ihrem jetzigen Zustand sind die der Stadt Frauenstein gehörende Brücke wie Straße in dem Bereich jedoch nicht für eine Befahrbarkeit beispielsweise mit Baufahrzeugen ausgelegt. "Standsicherheit, Dauerhaftigkeit und Verkehrssicherheit wären nicht gewährleistet", schätzt Torsten Kropp ein. Zugleich sei eine Sanierung aus Sicht der LTV technisch unverhältnismäßig und betriebswirtschaftlich nicht begründbar.
Die Brücke ist nach Ansicht der Stadt Frauenstein wahrscheinlich in der 1930er-Jahren letztmalig gebaut worden. Derzeit wird sie vorwiegend von einem Gewerbebetrieb, Anwohnern und Bahnfahrern genutzt, da sie in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs an der Freiberger Eisenbahn liegt. "Aus Sicht der Stadt wären die Arbeiten nicht nötig gewesen, für das Hochwasserschutzprojekt sind sie es aber", erklärt Frauensteins Bürgermeister Reiner Hentschel (parteilos). In vielen Gesprächen habe man sich schließlich geeinigt, die Baukosten von etwa 350.000 Euro aufzusplitten. Demzufolge wird die Landestalsperrenverwaltung 71 Prozent der Bau- und Planungskosten übernehmen, die Stadt Frauenstein 29 Prozent.
"Unser Kostenanteil ist aus gegenwärtiger Sicht zu 85 Prozent über das Programm Integrierte ländliche Entwicklung förderfähig. Wir bereiten derzeit die Antragstellung vor", sagt Reiner Hentschel. Während der Planungen für das Vorhaben stellte sich zudem heraus, dass die neue Brücke auch besonderen Anforderungen des Naturschutzes genügen muss. "In dem Bereich sind Fischotter nachgewiesen worden, sodass der Ersatzneubau eine sogenannte Fischotterberme erhält", erklärte Torsten Kropp. Aus diesem Grund mussten die Bauplanungen überarbeitet werden. Die Berme - ein waagerechter Absatz an einer Seite der Brücke - erleichtert den Tieren künftig, unter dem Bauwerk im Muldenbett entlang zu laufen. Sie müssen nicht über die Brücke, wo sie überfahren werden könnten.


