Foto: Volker Haupt, Noch-Bürgermeister von Bobritzsch und Hilbersdorf.
Bürgermeister wird Zwangs-Ruheständler
Volker Haupt (CDU) muss seinen Sessel als Gemeindechef von Bobritzsch und Hilbersdorf räumen - vorerst
Freiberg. 14 Tage Urlaub am Stück - diesen Traum will Volker Haupt sich und seiner Frau im neuen Jahr endlich einmal erfüllen. Gebucht sei zwar noch nichts, aber ihm schwebe Teneriffa vor, verrät der Noch-Doppel-Bürgermeister von Hilbersdorf und Bobritzsch: "Auf alle Fälle irgendwohin, wo man richtig ausspannen kann. Das ist in den letzten Jahren viel zu kurz gekommen."
Rein theoretisch wäre jetzt die Zeit dafür, denn der 51-Jährige ist ab morgen beide Posten los. Mit der Vereinigung beider Kommunen zur neuen Gemeinde Bobritzsch-Hilbersdorf wird er als ehrenamtlicher Gemeindechef von Hilbersdorf verabschiedet und als Bobritzscher Oberhaupt in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Das sieht zum Einen das Sächsische Beamtengesetz vor und ist zum anderen in der Fusionsvereinbarung so geregelt.
Das Papier, das nach dem erfolglosen Bürgerentscheid gegen den Zusammenschluss am 6. Dezember unterzeichnet wurde, lässt aber auch Zweifel aufkommen, ob sich Haupt in den kommenden Wochen wirklich so viel Ruhe gönnen kann. Unter anderem beruft es ihn zum Mitglied des neuen gemeinsamen Gemeinderates, und der hat eine Menge zu regeln. Die erste Sitzung ist bereits für den 10. Januar anberaumt. Dabei dürfte auch über die Bürgermeisterwahl entschieden werden, bei der Haupt seinen Hut in den Ring werfen will. Und das bedeutet wohl eher Wahlkampf als Ruhestand.
"Wir werden den Gemeinderäten den 25. März als Wahltermin vorschlagen, kündigt Haupt an. Das ist der letzte mögliche Sonntag, denn laut Vereinbarung muss der Urnengang innerhalb von drei Monaten nach der Fusion erfolgen. Bis zum Amtsantritt des Wahlsiegers muss ein Amtsverweser bestellt werden - Haupts Kandidat dafür ist sein Kämmerer Sven Stebel.
Die Übergangszeit steht zudem unter unerwartetem Zeitdruck, wie der scheidende Bürgermeister zugibt. Im Zusammenhang mit dem Bürgerentscheid, dessen Ausgang abgewartet werden musste, war die Auflösung der Verwaltungsgemeinschaft zwischen Hilbersdorf und Freiberg zurückgestellt worden. Nun muss alles ganz fix gehen, denn aus der geplanten "Amtshilfe" aus der Kreisstadt wird nichts. Haupt hatte darauf gebaut, dass das Freiberger Rathaus bestimmte Aufgaben, wie etwa das Einwohnermeldewesen, die es bislang für Hilbersdorf erledigt hat, noch etwa ein halbes Jahr weiter übernimmt. Pustekuchen: "Wir sind bei der Rechtsaufsicht mit dem Parallellauf nicht durchgekommen und müssen nun sofort alles selbst machen", sagt Haupt.
Die "Hochzeitsprämie" von rund 600.000 Euro - die Landesregierung fördert freiwillige Gemeindezusammenschlüsse mit 100 Euro pro Einwohner - soll vor allem für die Bauvorhaben verwendet werden, die ebenfalls im Fusionsvertrag festgeschrieben sind. Dazu gehören für das kommende Jahr unter anderem die Verbesserung des Brandschutzes und der Barrierefreiheit in der Mittelschule und die Erweiterung der Kinderkrippe in Niederbobritzsch sowie die Umgestaltung des Schulbergs und ein Anbau für das Feuerwehrdepot in Hilbersdorf.
Der neue Gemeinderat hat ein Jahr Zeit, eine Prioritätenliste für die Investitionen in den nächsten zehn Jahren aufzustellen. Zwölf Monate länger darf er an einer einheitlichen Regelung für die Förderung der Vereine in Bobritzsch-Hilbersdorf arbeiten. Bereits gesetzt ist, dass das Hilbersdorfer Dorffest weiter unterstützt wird.


