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Clausnitz zeigt sein wahres Gesicht

Die Flüchtlinge in dem Rechenberg-Bienenmühler Ortsteil erleben eine Welle der Hilfsbereitschaft. Ganz verheilt sind die Wunden aber nicht.

Von Steffen Jankowski
erschienen am 04.03.2016

Clausnitz. Sie habe spontan ein paar Socken zusammengepackt, erzählt die Rentnerin, als sie die Jungs bei der Kälte nur in Sandalen laufen sah. Die Kinder gehören zu den Flüchtlingen, die seit zwei Wochen in Clausnitz leben. "Ich hab' auch noch ein paar Äpfel und selbst gemachte Marmelade dazugetan - was die eben so gern essen", sagt die Frau, die Tür an Tür mit den Asylsuchenden in dem Ortsteil von Rechenberg-Bienenmühle wohnt.

Ihr Beispiel ist eins von vielen für die Hilfsbereitschaft gegenüber den Neuankömmlingen, wie Bürgermeister Michael Funke (parteilos) weiß. Davon berichtete er gestern einer Delegation der Linkspartei um Landeschef Rico Gebhardt und am Abend zuvor auch der Ostbeauftragten der Bundesregierung, Iris Gleicke. Die SPD-Politikerin war seiner Einladung in den Ort gefolgt, in dem etwa 100 Leute bei der Ankunft der Fremden am 18. Februar lautstark protestiert und stundenlang den Bus blockiert hatten.

"Der Vorfall hat viele in der Gemeinde aufgeschreckt", erklärt der Rathauschef zum wiederholten Mal. Jetzt zeige Clausnitz sein wahres Gesicht: "Es gibt viele kleine Gesten der Hilfsbereitschaft." So hätten Nachbarn für die Geflüchteten Jalousien gekauft und angebracht, weil deren Fenster keine Gardinen hatten. Am Samstag habe es ein Treffen mit den Helfern gegeben, am Tag darauf einen gemeinsamen Nachmittag in der Sporthalle, so Funke: "Die Kinder und Väter haben Ball gespielt, und es gab Kaffee und Kuchen."

Über diese Entwicklung ist auch Wolfram Fischer froh. Für das Netzwerk Asyl hatte er die Flüchtlinge vor zwei Wochen in Clausnitz begrüßen wollen und den Tumult am Bus miterlebt. Viele Male wurde der Holzhauer seither interviewt, auch im Fernsehen trat er auf. "Wenn ich heute in der Gemeinde unterwegs bin und Leuten begegne, grüßen mich sehr viele freundlich. Nur ganz wenige schauen zur Seite", sagt er.

Also alles in Butter? Dem Vernehmen nach gibt es Probleme, Handwerker für die Wohnungen an der Cämmerswalder Straße zu finden. Zum Teil gebe es offene Ablehnung, für die "Asylanten" zu arbeiten, zum Teil seien plötzlich alle Kapazitäten erschöpft, wenn die Rede auf die Unterkünfte am Ortsausgang komme.

Sie wolle "die große Mehrheit der Einwohner unterstützen, die nicht ausländerfeindlich ist", hatte die Ostbeauftragte des Bundes ihren Besuch in Clausnitz begründet. Gleichwohl wisse sie, so Iris Gleicke, dass es in den neuen Bundesländern ein Problem mit dem Rechtsextremismus gebe, das zu lange verharmlost worden sei. Den angekündigten Fototermin mit Asylbewerbern sagte sie nach einem "sehr bewegenden Gespräch" per Dolmetscherin mit drei Syrerinnen ab. Die Frauen seien nach wie vor traumatisiert von der Busblockade, so Gleicke; zudem hätten sie mittlerweile das Gefühl, wie in einem Zoo vorgeführt zu werden.

Auch die Nachbarn seien der vielen Kameras und Mikrofone überdrüssig, die permanent auf sie gerichtet seien, bestätigt die Rentnerin. Über ihre Marmelade und die Äpfel hätten sich die Jungs sehr gefreut; über die Socken leider nicht.

 
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