Eine Eiche pflanzten am Freitag Marta Gergely (Mitte) und Brand-Erbisdorfs Oberbürgermeister Martin Antonow (links) als Erinnerung. Bergschmied József Dóczi stiftete die Tafel dazu.
Foto: Eckardt Mildner
Der Geschmack von Eierschecke bleibt ...
Ein Freundschaftsabkommen brachte Ungarn zu DDR-Zeiten in die Region
Brand-Erbisdorf. Brand-Erbisdorf. Der Geschmack von Eierschecke, das Prickeln von Vita Cola und das Schlangestehen nach gebratenen Hühnchen - die Erinnerungen der "DDR-Werktätigen" Ungarn an ihre Jahre in der hiesigen Region sind vielfältig. Zsuzsanna Gabor erzählte darüber am Freitag stellvertretend für etwa 70 Frauen und Männer aus dem Land von Paprika und Puszta. Sie alle sind derzeit zwischen Chemnitz, Brand-Erbisdorf und Freiberg zu Gast, um die Zeit ihres DDR-Abenteuers Revue passieren zu lassen.
Am Freitag schauten sich die ungarischen Frauen und Männer - sie sind jetzt um die 50 Jahre alt - auch in der Narva Lichtquellen GmbH auf dem Industriegebiet Nord von Brand-Erbisdorf um. Dort arbeiteten viele von ihnen zwischen 1969 und 1983 auf der Grundlage eines Freundschaftsabkommens zwischen beiden Ländern. Die damals etwa 18-Jährigen nahmen das Abenteuer im Ausland nach ihrer Berufsausbildung oder dem Abitur auf sich. Die meisten von ihnen hatten ihre erste Arbeitsstelle in hiesigen Betrieben, lernten aus dem Nichts heraus die deutsche Sprache und die Sitten der Sachsen kennen.
"Durch die Jahre in der DDR bin ich erwachsen geworden", erinnerte sich Zsuzsanna Gabor in bestem Deutsch an ihre Zeit von 1978 bis 1982 in Brand-Erbisdorf. Sie erlernte bei Narva den Beruf des Mechanikers, arbeitete in drei Schichten im Betrieb und studierte nach ihrer Rückkehr in Ungarn Informatik. Heute arbeitet und lebt sie in Budapest. Und wie sie zeigten auch viele andere Ungarn am Freitag deutlich Gefühle - schließlich verbindet sich ein Teil ihrer Jugend mit dem Leben in der Region.
Und: Nicht alle kehrten nach den etwa vier Jahren Arbeit in der DDR nach Hause zurück. Zsuzsanna Geißler beispielsweise hielt die große Liebe in Sachsen. Die Ungarin lebt seit 1973 in Freiberg und ist seit 36 Jahren mit einem deutschen Mann verheiratet, wie sie am Freitag erzählte. Ihre Enkeltochter, die zweijährige Paula, stand mit ihrer Oma ebenso in der Gruppe der ungarischen Frauen und Männer wie Jozsef Doczi. Auch er kam 1974, um hier zu arbeiten - und blieb. Inzwischen ist der Ungar in der Region kein Unbekannter mehr. Die kunstvollen Arbeiten aus seiner Freiberger Bergschmiede zieren so manches Gebäude nicht nur in der Stadt.
Er war es auch, der am Freitag eine Erinnerungstafel stiftete, die nun am Narva-Gelände in deutscher und ungarischer Sprache auf die besondere Epoche deutsch-ungarischer Freundschaft hinweist. Außerdem pflanzten Brand-Erbisdorfs Oberbürgermeister Martin Antonow und die Ungarin Marta Gergely gemeinsam eine Eiche zur Erinnerung an die Jahre und den Besuch am Freitag in Brand-Erbisdorf.
Viele der "DDR-Werktätigen" Ungarn, die - wie sie einräumen - auch mit etwas nostalgischer Verklärtheit zurückblicken, haben sich in ihrer Heimat im Verein der DDR-Ungarn zusammengefunden. Neben 130 Aktiven, die regelmäßig Veranstaltungen organisieren, gibt es tausende Sympathisanten. Und bei den Treffen macht neben Fotos so manches deutsche Wort die Runde.


