Solch eine Griechische Landschildkröte (im Foto ein anderes Tier dieser Gattung) wartet derzeit auf ihren Besitzer. Das Reptil wurde in einem Garten in St. Michaelis gefunden.
Foto: Franko Martin
Die lange Reise von Fundtier "Schildi"
Zwei Frauen fanden Schildkröte in St. Michaelis
St Michaelis. Es ist kein Stein und auch kein wildes Gewächs, was zwei Frauen am 23. Juni in St. Michaelis im Garten entdeckten: "Wir trauten unseren Augen kaum, als wir sahen, dass es eine Schildkröte ist", sagt eine der beiden, die in Leipzig lebt und am Wochenende oftmals nach St. Michaelis zu ihrer Mutter fährt.
Als alles Nachfragen bei Nachbarn und Bekannten nach dem Besitzer des Tieres keinen Erfolg brachte, war erst einmal guter Rat teuer. "Ich habe die Schildkröte dann mit nach Leipzig genommen, weil auch meine Mutter in der Woche nicht zu Hause ist", sagt die Wahl-Leipzigerin. Durch Internetrecherchen und Nachfragen bei einer Kollegin, die selbst eine Schildkröte besitze, habe sich schnell herausgestellt, dass es sich um eine Griechische Landschildkröte handelt.
"Aus artenschutzrechtlicher Sicht sind diese Schildkröten von sehr hohem Wert, da sie vom Aussterben bedroht sind. Deshalb sind sie gelistet, und der Handel mit derartigen Tieren wird überwacht", sagt André Kaiser, Sprecher des Landkreises Mittelsachsen. Denn in der Unteren Naturschutzbehörde von Mittelsachsen kam die Nachricht über den Verbleib des Tieres an.
"Ich wollte die Schildkröte eigentlich ins Leipziger Tierheim bringen, doch sie muss zurück nach Freiberg", sagt die Tier-Besitzerin auf Zeit. Sie habe in der Behörde in Leipzig den Fund mitgeteilt. Die Leipziger Mitarbeiter wiederum hatten ihre mittelsächsischen Kollegen in der Unteren Naturschutzbehörde informiert. Die müssen nun offenbar das Tier beschlagnahmen, "da die legale Herkunft des Tieres zunächst nicht geklärt ist", wie André Kaiser sagt. Die Leipzigerin habe anhand von Fotos den Fundort dokumentiert und füttere ihr Fundtier, das im Terrarium wohne, derzeit ganz artgerecht mit Gurke und Eisbergsalat.
Im Landkreis Mittelsachsen gibt es demnach 350 Griechische Landschildkröten - jede von ihnen sozusagen mit eigenem Pass, denn der Besitz eines solchen Tieres muss gemeldet werden. Jede Schildkröte ist laut Landratsamt in einer Artenschutzdatenbank elektronisch erfasst. "Die steht zu Auswertungen/Ermittlungen zur Verfügung", sagt der Pressesprecher. Anhand der individuellen Merkmale, zum Beispiel der Panzerplattennähte und deren Kreuzungspunkten, sei jedes Tier eindeutig zu identifizieren. Mit der Leipzigerin wird auch ihr Schützling am Wochenende wieder mit nach Mittelsachsen reisen. "Ich hole das Tier dann ab und bringe es zu einem Experten nach Oberschöna", sagte am Donnerstag Enrico Göpfert vom Ordnungsamt Brand-Erbisdorf. In Oberschöna wird die Schildkröte dann bestimmt sehnsüchtig auf ihren Besitzer warten.
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