In den alten Gasthof Helbigsdorf wollen Feuerwehr und Ortsverein einziehen.
Foto: Eckardt Mildner
Ehemalige Gasthöfe dümpeln vor sich hin
Fünf frühere Lokale in Mulda sind verwaist - Nur für einige deuten sich Lösungen an
Mulda. Alter Gasthof Helbigsdorf, Bahnhofsgaststätte Mulda, "Felsenkeller", einstiges Kulturhaus der LPG und Oberer Gasthof ("Braustübl") in Zethau - in der Gemeinde stehen fünf von zehn Gaststätten leer. Vor zehn Jahren hingegen war noch in fast allen Lokalen Leben. Damit liegt die Erzgebirgsgemeinde im Trend. Laut Statistischem Landesamt gab es 2006 in Mittelsachsen 902 Gastronomie- und Beherbergungsbetriebe. 2009 waren es nur noch 847, das sind die aktuellsten Zahlen. "Die Gastronomie steht derzeit in einem starken Wettbewerb. Besondere Konzepte und besonderer Service sind gefragt", sagt die IHK-Geschäftsführerin Handel, Ilona Roth.
Gasthof Helbigsdorf. Für den seit 2007 verwaisten alten Helbigsdorfer Gasthof deutet sich eine Lösung an. "Wir prüfen gerade, ob die örtliche Feuerwehr ins Erdgeschoss ziehen kann. Deren Mannschaftsräume sind derzeit in einem Container untergebracht", sagt Bürgermeister Reiner Stiehl (Freie Wähler Mittelsachsen). Der Helbigsdorfer Ortsverein "Drei weiße Birken" würde das Obergeschoss nutzen. Hintergrund: Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude mit dem dazugehörigen Grundstück - allerdings nicht der Park - gehört der Gemeinde. Der Ortsverein hat darüber mit der Kommune einen Erbbaupachtvertrag abgeschlossen.
Eigentlich wollte er den gesamten Gasthof zu einer multifunktionellen Begegnungsstätte umbauen. Doch dafür gab es keine Fördermittel. Denn der Verein konnte den geforderten Eigenanteil - dabei handelt es sich um einen sechsstelligen Betrag - nicht aufbringen. "Deshalb mussten wir von unserem ursprünglichen Projekt abrücken. Oberstes Ziel bleibt aber die Erhaltung des Gasthofes als Wahrzeichen und Ortszentrum von Helbigsdorf", setzt Ortsvereinschef Sylvio Preißler auf das Prinzip Hoffnung. Erst sollte die örtliche Feuerwehr nur einen Versammlungsraum erhalten, jetzt ist ein kompletter Einzug in das Gebäude vorgesehen.
Laut Bürgermeister Stiehl sorgen die gesetzlichen Vorgaben für eine Feuerwache noch für Kopfzerbrechen. So seien die Räume teilweise zu niedrig, und es dürfte keine Stufen zum Einsatzfahrzeug geben. "In anderen Bundesländern sind aber auch Ausnahmen möglich. Wir hoffen deshalb auf eine Lösung", sagt Stiehl. Denn für die Helbigsdorfer Feuerwehr wäre der Umzug ein Gewinn. Im alten Gasthof soll neben Sanitär- und Umkleideräumen auch ein vernünftiger Versammlungsraum entstehen. Ebenso würde auch das Feuerwehrauto dort seinen Platz finden.
In Helbigsdorf stoßen die Pläne für den alten Gasthof nicht nur auf Gegenliebe. Frank Lippmann beispielsweise hält das Vorhaben für nicht sinnvoll. Seiner Meinung nach sollten alle Helbigsdorfer entscheiden, was mit diesem Gebäude passiert: "Diese Angelegenheit betrifft ja das ganze Dorf", schreibt Lippmann in einem Leserbrief und verweist auf das Sportlerheim, das meist leer stehe. Das sieht der Ortsvereinschef anders: "Weder das Sportlerheim noch der Partyraum, den es in Helbigsdorf außerdem noch gibt, haben Platz für 90 bis 100Leute. Im Saal des Gasthofs aber können wir auch ein Konzert oder einen Tanzabend veranstalten."
Oberer Gasthof in Zethau. Das einstige "Braustübl" hat im Juli 2011 dicht gemacht. Statt der Speisekarte hängt der Zettel "Wir haben geschlossen" im Kasten. "Wir sind in Rente gegangen. Mein Mann ist kurz darauf verstorben", sagt die frühere Wirtin Barbara Wahl, die den Gasthof seit 1994 betrieben hat und noch in dem Gebäude wohnt. "Jetzt suchen wir nach einer Lösung."
"Felsenkeller" in Zethau. Ein Bauzaun versperrt den Zugang zu der Ruine. Die Türen und Fenster sind kaputt und teilweise zugenagelt. Im Inneren türmt sich Bauschutt. Das Dach des Anbaus ist eingebrochen. "Das Gebäude ist Eigentum der Gemeinde. Mit Fördermitteln wollen wir es noch dieses Jahr abreißen", sagt der Bürgermeister.
"Friedenseiche" in Zethau. Das Ex-Kulturhaus der LPG befindet sich in Privateigentum. Laut Stiehl ist bisher keine Lösung in Sicht.
Bahnhofsgaststätte in Mulda. Das Stationsgebäude mit dem Lokal gehört nicht mehr zum Immobilienbestand der Deutschen Bahn, teilte das Unternehmen auf Anfrage mit. Bereits 2003 sei es verkauft worden. "Dazu kann ich gar nichts sagen", erklärte Lutz Schumacher von der zuständigen Main Asset Management GmbH lapidar. Weder zu einer möglichen Verkaufsabsicht noch zu einem Konzept wollte er sich äußern. Main Asset ist eine Tochtergesellschaft der Londoner Patron Capital Advisors, die vor drei Jahren gemeinsam mit einem Hamburger Unternehmen 490 Bahnhofsgebäude, so auch das Muldaer, im Paket erworben hat. Laut Bürgermeister Stiehl steht das Bahnhofsgebäude zum Verkauf.
Gaststätte in der Muldentalhalle. Das Lokal wird seit 2010 als "Sportlergaststätte" vom SV Mulda in Eigenregie betrieben. Genutzt wird es nach Angaben des Bürgermeisters ausschließlich von den Vereinsmitgliedern, es ist also keine öffentliche Gaststätte.


