Silke und Oliver Lier vor ihrem Rittergut, das sie seit 2009 sanieren. Sie verkauften ihr Einfamilienhaus und zogen 2011 in das geschichtsträchtige Gebäude ein. Allen anderen Wohnungen sind vermietet. Silke und Oliver Lier vor ihrem Rittergut, das sie seit 2009 sanieren. Sie verkauften ihr Einfamilienhaus und zogen 2011 in das geschichtsträchtige Gebäude ein. Allen anderen Wohnungen sind vermietet.

Foto: Eckardt Mildner

Ein Lebenswerk im Zeitraffer-Tempo

Silke und Oliver Lier sanieren das Langenauer Rittergut - nicht nur zum Eigennutz

Langenau. Das mit dem Lebenswerk nehmen Silke und Oliver Lier lächelnd. Doch was ist es anderes, wenn eine Familie ein Rittergut aufbaut? Noch dazu, wenn dieses Gebäude wahrlich kein Schmuckstück ist, als es in den Besitz des Langenauer Ehepaares übergeht. Im Gegenteil - weder das Äußere noch das Innere des oberen Rittergutes in Langenau - wirken 2007 einladend, als der Kaufvertrag zwischen Kommune und Familie Lier unterzeichnet wird. Da steht das Gebäude, das unter anderem Kindergarten, Wohnhaus und Jugendklub war, schon einige Jahre leer und ist sogar durch einen Brand gezeichnet.

Familienrat entscheidet

Irgendwann bei einem Spaziergang mit den Hund nach seiner Schicht bei Schoeller in Weißenborn will Oliver Lier das verfallende Gebäude näher betrachtet haben. Ihm fallen alte Putzelemente in der Fassade auf. "Es ist eine Sünde, ein so schönes Haus aus der Gründerzeit aufzugeben", denkt er sich demnach. Doch seine Idee muss reifen, bevor der Familienrat tagt. Schließlich rückt der gelernte Dachdecker damit heraus. Silke Lier, die Frau des heute 48-Jährigen, sowie die Töchter Josephine (24) und Jennifer (25) sind sich einig - das Rittergut wird gekauft.

"Unser Einfamilienhaus in Langenau, das wir zu DDR-Zeiten gebaut haben, war fertig, wir wohnten auch gern dort. Doch das Rittergut reizte mich als neue Herausforderung", erzählt Oliver Lier. Nach alten Postkarten entstanden mit einem Architekten die Entwürfe, um aus der vor sich hin dämmernden grauen Ritterguts-Masse wieder ein Schmuckstück zu machen. Besonderer Ehrgeiz: Der nicht mehr vorhandene Turm sollte wieder aufgebaut werden. So mancher hat im Ort den Kopf geschüttelt und das ganze Vorhaben als wahnwitzige Idee bezeichnet, weiß der Bauherr. Zu Beginn wollte die Familie auch die Denkmalbehörde ins Boot holen - vielleicht könnten ja Fördermittel helfen. "Doch das war schwierig. Schließlich haben wir alles - auch manche bürokratische Hürde - aus eigener Kraft mit Familie, Freunden und einer Finanzierung gestemmt und trotzdem viel Altes erhalten", sagt der Langenauer.

Das zu DDR-Zeiten umgebaute Haus mitten in Langenau verfiel. Das zu DDR-Zeiten umgebaute Haus mitten in Langenau verfiel.

Foto: PF

Die Schwiegersöhne - beide Handwerker - krempeln ebenfalls die Ärmel hoch. Nachdem das Gebäude entkernt ist und 150 Tonnen Bauschutt beseitigt sind, geht es an den Aufbau. "Er läuft seit 2009. Die 700 Quadratmeter Dach haben wir selbst gedeckt", sagt Oliver Lier. Handwerker und Firmen geben sich die Klinke in die Hand, auch ein Restaurator ist dabei - schließlich muss das Wappen der Familie Oehlschlägel, der einstigen Besitzer, wieder in den Giebel.

Zehn Wohnungen geschaffen

Silke Lier lacht beim Blick in die Bau-Chronik. Bilder zeigen das Geschehen auf der privaten Großbaustelle, vermitteln einen Eindruck von der Arbeit mit spätem Feierabend und ohne Urlaub - und so manchem Problem, das es aus dem Weg zu räumen gilt. Zwischendrin Fotos der Enkelkinder. "Wenn es mir zu viel wird, habe ich die beiden", sagt die 45-Jährige, die als Verkäuferin arbeitet. Doch das scheint selten zu sein, denn Silke Lier beherrscht das Laminat legen ebenso wie das Vorrichten von Räumen. Sie steht ihrem Mann zur Seite -kennt ihn und seine Ideen seit 30 Jahren.

Inzwischen hat sich das Rittergut zum Schmuckstück gemausert. Der Turm thront wieder am Haus, in dem zehn Wohnungen - darunter die der Besitzerfamilie - entstanden. Vom Single-Appartement bis zur 95Quadratmeter großen Wohnung - alle sind vermietet. Auch Gemeinschaftsräume - im herrschaftlichen Stil - entstanden. Für die Rittergutsbesitzer aber ist noch lange nicht alles getan. Nebengebäude, Außenanlagen und vieles mehr warten darauf, saniert zu werden.

Manchmal aber haben auch Silke und Oliver Lier die Nase voll von der Arbeit am Langenauer Lebenswerk. Dann fahren sie nach Haselbach - dort wartet ihr Bauernhof samt Pferden und Schafen auf die Beiden.

 
erschienen am 17.08.2012 ( Von Astrid Ring )
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